Basketball>

Bayern-Star Voigtmann: "Wir haben es unseren Zweiflern gezeigt"

{}
{ "placement": "banner", "placementId": "banner" }
{ "placeholderType": "BANNER" }

Voigtmann: „Den Zweiflern gezeigt”

Johannes Voigtmann steuert mit dem FC Bayern voller Tatendrang auf die heiße Phase der EuroLeague zu. Im Interview mit SPORT1 äußert sich der Basketball-Star auch über die Nationalmannschaft.
Für den FC Barcelona und den FC Bayern München geht es im direkten Duell um wichtige Punkte im Kampf um die besten Plätze in der EuroLeague. Barca gelingt es, sich im letzten Viertel abzusetzen - aber die Bayern schlagen furios zurück!
Johannes Voigtmann steuert mit dem FC Bayern voller Tatendrang auf die heiße Phase der EuroLeague zu. Im Interview mit SPORT1 äußert sich der Basketball-Star auch über die Nationalmannschaft.

Johannes Voigtmann ist nach seinen Stationen in Spanien, Russland und Italien seit August 2024 wieder in Deutschland. Der 32-Jährige schwebt mit dem FC Bayern auf der Erfolgswelle und möchte vor allem in der EuroLeague angreifen, auch wenn er das in Abu Dhabi stattfindende Final-Turnier kritisch sieht.

{ "placeholderType": "MREC" }

Im SPORT1-Interview bezieht Voigtmann auch Stellung zur Debatte um Isaiah Hartenstein. Zudem spricht er über die großen Belastungen für die Spieler und als ehemaliger Profi von ZSKA Moskau über den Angriffskrieg von Russland auf die Ukraine.

SPORT1: Herr Voigtmann, heute Abend muss Ihr Team zum vorletzten EuroLeague-Spiel in Belgrad gegen Maccabi Tel Aviv ran. Was erwarten Sie für ein Spiel?

Johannes Voigtmann: Maccabi ist eines der Teams, für die es in der Tabelle um nichts mehr geht. Aber sie performen trotzdem auf einem sehr hohen Level. Sie haben in den letzten Wochen einige Spiele gegen Teams gewonnen, die noch um die Playoffs kämpfen. Die sind richtig gut drauf. Wir werden also nicht hinfahren und denken, dass wir den Sieg sicher haben.

{ "placeholderType": "MREC" }

SPORT1: Tel Aviv spielt wegen des anhaltenden Krieges ihre Heimspiele in Belgrad in einer nahezu komplett leeren Halle. Was macht solch ein Spiel besonders schwer?

Voigtmann: Ein Auswärtsspiel in leerer Halle ist natürlich eine komische Situation. Du musst schauen, dass du die Energie aus dem Team heraus ins Spiel bekommst. In anderen Spielen ist es oft so, dass die nötige Energie von der Tribüne kommt. Das wird da jetzt nicht der Fall sein. Es ist eine neue Situation, die wir aber bestimmt auch bewältigen werden.

Bayern-Erfolg: „Damit hätte ich nicht gerechnet“

SPORT1: Ihr Team liegt aktuell auf dem fünften Platz in der EuroLeague und hat sogar noch Chancen auf das Heimrecht im Viertelfinale. Hand aufs Herz: Hätten Sie damit vor der Saison gerechnet?

Voigtmann: Nee, damit hätte ich nicht gerechnet. Ich hätte aber auch nicht geglaubt, dass 19 Siege nicht für die direkte Playoff-Teilnahme reichen. Aber klar: Vor der Saison hätte ich das nicht gedacht, auch wenn wir unsere Ziele insgesamt sehr hochgesteckt haben. Ich würde sagen, dass wir es unseren Zweiflern schon gezeigt haben. Wir spielen bisher eine sehr gute Saison und versuchen uns jetzt dafür zu belohnen, denn sonst ist alles nicht viel wert.

{ "placeholderType": "MREC" }

SPORT1: Jemand, der definitiv daran geglaubt hat, ist Ihr Trainer Gordon Herbert, der vor der Saison sogar das Final Four als Ziel ausgerufen hat. Auch bei der Nationalmannschaft gab er schon extrem hohe Ziele vor, die Sie erfüllen konnten. Ist es wichtig, sich möglichst hohe Ziele zu setzen?

Voigtmann: Ich glaube, das war so ein bisschen unser Mindset vor der Saison. Wir wollten die Ziele mit dem Erreichen der Playoffs extrem hoch ansetzten und dann gucken, was geht. Das ist sehr gut aufgegangen.

SPORT1: Sie kennen Gordon Herbert schon lange. Was zeichnet ihn besonders als Trainer aus?

{ "placeholderType": "MREC" }

Voigtmann: Er ist ein sehr akribischer Arbeiter, der seine speziellen Prinzipien hat. Er achtet sehr auf Details. Insgesamt versucht er, uns viele Freiheiten zu geben, hat aber auch seine ganz klaren Grenzen, über die man nicht drüber gehen kann.

Final Four in Abu Dhabi? „Das finde ich nicht so gut“

SPORT1: Die wichtigsten Spiele stehen jetzt in der Saison noch an. Was ist noch möglich für Ihr Team?

Voigtmann: Aktuell liegt der Fokus natürlich extrem auf der EuroLeague. Wir versuchen, dass wir die direkte Playoff-Teilnahme klarmachen, und dann kann in einer Serie alles passieren. Egal ob es letztendlich die Play-Ins oder die direkte Playoff-Teilnahme wird: Wir werden mit vollem Elan rangehen. In der Liga stehen wir zudem sehr gut da und spielen auch dort immer besser.

{ "placeholderType": "MREC" }

SPORT1: Wie stehen Sie dazu, dass das Finalturnier eines europäischen Wettbewerbes in diesem Jahr in Abu Dhabi und nicht in Europa stattfindet?

Voigtmann: Das finde ich nicht so gut. Ich hätte schon lieber, dass es in Europa stattfindet. Aber ich verstehe natürlich auch den finanziellen Anreiz, ein Final Four dort auszutragen. Es ist immer eine Gratwanderung. Man muss gucken, dass das Business irgendwie läuft. Aber für die Fans wäre es schon besser, wenn es in Europa wäre. Da muss man schon abwägen, was wichtiger ist.

„Glück gehabt, dass sich niemand verletzt hat“

SPORT1: Auf einem möglichen Weg dorthin stehen noch viele Begegnungen an. Da hilft es sicher nicht, dass die BBL-Spiele in der Liga zu für Sie ungünstigen Zeitpunkten ansetzt. Würden Sie sich von der BBL mehr Unterstützung wünschen?

Voigtmann: Wir brauchen keine Unterstützung, aber einfach deutlich mehr Verständnis. Wenn es keine Möglichkeit gibt, dann verstehe ich das natürlich auch, aber zum Beispiel am vergangenen Wochenende bei dem Würzburg-Spiel gab es andere Möglichkeiten. Da geht es dann auch nicht darum, dass irgendjemand bevorzugt oder benachteiligt wird. Es geht darum, dass wir die Gesundheit der Spieler schützen müssen. Wir haben zwei EuroLeague-Spiele in der Woche gehabt und spielen dann weniger als 48 Stunden später in der BBL, das vierte Spiel in acht Tagen. Wir haben jetzt Glück gehabt, dass sich niemand verletzt hat. Aber am Ende ist es so: Wenn sich jemand verletzt, machen alle irgendwelche Posts und sagen: Komm schnell wieder und gute Erholung. Aber das bringt dann letztendlich auch nichts. Da bräuchte es einfach mehr Fingerspitzengefühl. Es braucht keine Unterstützung für uns, weil wir natürlich auch keine Sonderrolle haben und nicht haben wollen. Wir wollen einfach, dass ein bisschen besser auf die Spieler geachtet wird.

SPORT1: Im Spätsommer steht die Basketball-EM an. Was sagen Sie zur deutschen Gruppe?

Voigtmann: Ich habe es mir kurz angeguckt und freue mich, dass wir in Finnland spielen. Die Gruppe ist sicher gut, aber wir werden uns auch da klare Ziele setzen. Natürlich wollen wir aus der Gruppe rauskommen.

SPORT1: Ihr Teamkollege Niels Giffey ist ja aus der Nationalmannschaft zurückgetreten. Wie steht es eigentlich um Ihre eigene Zukunft. Gibt es da schon einen klaren Plan oder entscheiden Sie von Jahr zu Jahr?

Voigtmann: Einen klaren Plan habe ich nicht. Ich habe dieses Jahr mit Alex Mumbru gesprochen und signalisiert, dass ich dabei wäre. Alles Weitere wird sich dann zeigen.

Hartenstein-Debatte: Das sagt Voigtmann

SPORT1: Ein Spieler, der seit langer Zeit mal wieder dabei sein könnte, ist Isaiah Hartenstein. Würden Sie sich freuen, wenn er bei der EM auflaufen würde?

Voigtmann: Er ist ein sehr, sehr guter Spieler. Er macht in der NBA einen extrem guten Job, nachdem er einen steinigen Weg hatte, sich da aber super durchgekämpft hat. Jetzt belohnt er sich dafür, unter anderem auch mit dem sehr guten Vertrag, den er im Sommer unterschrieben hat. Er hat eine sehr gute Rolle in einem Team, das um die Meisterschaft mitspielt. Er würde, glaube ich, sehr, sehr gut ins Team passen. Die Frage ist nur, ob er im Sommer zur Verfügung steht.

SPORT1: Zuletzt gab es genau deswegen eine mediale Diskussion, weil Hartenstein zunächst nur formuliert hatte, dass er Olympia spielen wolle. Das wurde ihm als Rosinenpickerei ausgelegt. Mittlerweile hat er zurückgerudert. Sollten sich Spieler aus Ihrer Sicht, wenn voll verpflichten oder ist es auch in Ordnung nur für bestimmte Turniere zur Verfügung zu stehen?

Voigtmann: Also ich glaube, dass es uns stark gemacht hat in den letzten Jahren, dass die Leute konstant dabei waren, egal was war. Es gibt natürlich immer Gründe, warum Spieler mal absagen oder nicht können. Es kann auch sein, dass sie körperlich so fertig sind, dass es nicht geht. Dafür muss man auch Verständnis haben. Aber: Wenn du eine Einheit werden willst und auch langfristig eine Kultur schaffen willst, die es dir zum Beispiel erlaubt, dass Leute immer wieder dabei sind, obwohl die Gefahr besteht, kurz vor Schluss gecuttet zu werden, und genau diese Leute sogar eine gewisse Akzeptanz dafür entwickeln – dann solltest du schon versuchen, dass du so oft wie möglich da bist.

SPORT1: Gibt es denn von Seiten des neuen Bundestrainers Alex Mumbru eine klare Forderung, dass ihr Spieler für einen bestimmten Zeitraum zusagen müsst, ähnlich wie bei Gordon Herbert?

Voigtmann: Davon habe ich bisher noch nichts gehört.

SPORT1: Sie würden aber schon sagen, dass es prinzipiell besser ist, wenn sich die Spieler auch längerfristig bereiterklären, dem DBB zur Verfügung zu stehen, auch um als Team zusammenwachsen zu können?

Voigtmann: Ich glaube, da geht es nicht nur ums Zusammenwachsen. Wir haben so um die 20 bis 25 Spieler, die im erweiterten Kader sind. Da gibt es dann ja auch immer schwere Entscheidungen zu treffen. Wenn dann einer mal da ist, mal nicht da ist oder nur zu den wichtigen Sachen kommt, dann kommt vielleicht keine intensive Teamatmosphäre auf. Gerade in den letzten Jahren hatten wir eben diese Teamstimmung mit den 20 bis 25 Leuten. Trotzdem gibt es natürlich immer Gründe, warum das nicht geht oder warum man absagen muss. Eine gewisse Grundhaltung sollte es aber dennoch geben. Da muss dann auch nicht der Trainer immer etwas vorgeben, sondern das sollte so ein Grundgefühl sein.

Theis bei Bayern? „Natürlich wäre das cool gewesen“

SPORT1: Moritz Wagner wird nach seinem Kreuzbandriss im Sommer leider nicht spielen können. Haben Sie ihm nach seiner Verletzung geschrieben und stehen Sie mit ihm im Austausch?

Voigtmann: Wir haben schon ein bisschen Kontakt und ich habe ihm natürlich auch nach der Verletzung geschrieben. Es ist wirklich sehr schade für ihn, weil er wirklich gut in Form war und uns auch die letzten Jahre im Sommer immer extrem gut geholfen hat. Das wird schwer, so einen Spieler zu ersetzen, beziehungsweise unmöglich. Aber wir werden gucken, was wir machen können. Wir hoffen natürlich, dass er schnell wieder zurückkehrt.

SPORT1: Einer, der wieder zurück in Europa ist, ist Daniel Theis. Ist das ein Segen für den DBB, weil er jetzt wieder öfter zur Verfügung steht?

Voigtmann: Es ist gut, dass er uns auch wieder mal in den Fenstern zur Verfügung steht, aber fast noch wichtiger ist, dass er jetzt regelmäßig spielt. Er hatte in den letzten Jahren ein paar Probleme gehabt, eine richtige Rolle zu finden. Im Sommer hat er dann trotzdem immer super gespielt. Jetzt ist es natürlich sehr gut, dass er extrem viel spielt und eine sehr gute Leistung bringt.

SPORT1: Sind Sie ein bisschen traurig, dass er nicht der nächste deutsche Nationalspieler bei den Bayern wurde?

Voigtmann: Natürlich wäre das cool gewesen, aber man kann nicht alles haben (lacht).

Krieg „beschäftigt mich auch persönlich“

SPORT1: Sie setzten sich abseits des Feldes gerne auch gesellschaftlich ein. Kurz vor Weihnachten halfen Sie der Münchener Tafel bei der Essensausgabe. Wie wichtig sind Ihnen solche Aktionen?

Voigtmann: Es geht darum, zu verstehen, was da passiert. Es ist wichtig auch zu sehen, wie es bei Leuten aussieht, bei denen es nicht so rosig läuft. Ich glaube, es ist gut, dass der Verein hier viel macht und uns auch die Möglichkeit gibt, da reinzugucken. Das ist eine wichtige Sache.

SPORT1: Vor dem endgültigen Ausbruch des Angriffskrieges von Russland gegen die Ukraine spielten Sie in Russland. Auch aktuell läuft der Krieg noch. Wie gehen Sie mit dem Thema um und wie sehr belastet Sie dies vielleicht auch, gerade weil sie ja sicher auch noch Menschen vor Ort kennen?

Voigtmann: Das ist eine sehr schlechte Situation für die ganze Welt, die leider unverändert ist. Dadurch, dass ich natürlich noch immer einige Leute kenne, ist es für mich eine Sache, die mich auch persönlich beschäftigt. Ich hoffe, dass alles irgendwann ein Ende hat. Es beschäftigt mich schon auch im Alltag, aber ich denke nicht mehr als jeder andere Mensch, der sich mit dem Weltgeschehen auseinandersetzt.

Bayern-Trikot? „Am ehesten Thomas Müller“

SPORT1: Abschließend nochmal zurück zum sportlichen. Sie haben nach dieser Saison noch zwei Jahre Vertrag. Was ist mit den Bayern in der Zukunft noch möglich?

Voigtmann: Ich glaube, der Verein hat in den vergangenen Jahren eine sehr gute Entwicklung genommen. Hier wurden die Ambitionen immer höhergeschraubt und man ist auch immer professioneller geworden. Ich glaube, da muss der Weg weitergehen. Es sollte das Ziel sein, dass wir gerade international weiter ein immer höheres Level erreichen. Du musst versuchen, dass so eine Saison wie dieses Jahr kein Ausreißer ist, sondern, dass das sie zur Norm wird. Das ist natürlich schwer, weil andere Vereine gerade finanziell viel besser aufgestellt sind. Aber wir müssen Möglichkeiten finden, weiter mithalten zu können. Das sollte das Ziel sein.

SPORT1: In einem Interview zum Saisonstart sagten sie, dass sie zwar im Fußball weiter Dynamo-Dresden-Fan bleiben werden, aber auch mit den Bayern sympathisieren und ihr erstes Trikot sogar ein Trikot von Mehmet Scholl war. Hat sich in ihrer bisherigen Zeit in München schon ein Kollege von den Fußballern ausgemacht, der auf einem zukünftigen Trikot landen könnte?

Voigtmann: Bayern war schon immer der zweite Verein bei mir. Ich habe einige Trikots gehabt und jetzt, gerade aufgrund der Nachrichtenlage, würde ich wahrscheinlich am ehesten Thomas Müller wählen.