Am Wochenende blickt Basketball-Deutschland in das beschauliche Weißenfels. In der kleinsten Halle der Basketball-Bundesliga (BBL) findet das erste große Highlight des Basketball-Jahres statt, das VIMODROM Top Four.
„Können Geschichte schreiben“
Mit dabei sind große Namen wie der FC Bayern Basketball und die Bamberg Baskets. Dazu kommen die Skyliners Frankfurt und eben der Gastgeber Syntainics MBC aus Weißenfels in Sachsen-Anhalt. Dass der MBC überhaupt zum ersten Mal im Endturnier um den Pokal steht, ist schon eine echte Sensation. Dass das kleine Weißenfels jetzt aber zum Ausrichter eines solch prestigeträchtigen Turniers wird, ist fast noch überraschender.
Einer der Hauptverantwortlichen für den MBC-Coup ist Christian Zeidler, der den Verein nicht nur seit Jahren als Gesellschafter und Sponsor unterstützt, sondern jetzt auch mit seiner Firma VIMODROM als Namenssponsor für das Turnier fungiert und dem Verein finanziell bei der Ausrichtung des Turniers unter die Arme greift.
Vor dem Turnier nahm sich Zeidler Zeit für SPORT1. Im exklusiven Interview erklärte er, wie hoch das finanzielle Risiko ist, warum er trotzdem gleich Feuer und Flamme von der Idee war und was die Austragung des Turniers für den Verein bedeutet. Zudem reagiert er auch auf die Kritik an der Austragung an einem der kleinsten BBL-Standorte und schätzt die Chancen seines Teams vor dem Halbfinale gegen den großen FC Bayern ein.
SPORT1: Herr Zeidler, Sie unterstützen das VIMODROM Top Four als Hauptsponsor. Warum haben Sie gleich gesagt, dass sie dem Verein bei der Ausrichtung des Turniers helfen?
Christian Zeidler: Es ist für uns die Möglichkeit, ein historisches Ereignis zu unterstützen. Wir sind große Anhänger des Basketball-Sports und unterstützen den Verein jetzt auch schon länger als Sponsor. Und da haben wir jetzt erkannt: So können wir Geschichte schreiben.
SPORT1: Es besteht für den Verein und auch für Sie als Sponsor ein finanzielles Risiko. Was macht für Sie trotzdem den Reiz aus, so ein Turnier auszurichten?
Zeidler: Tatsächlich ist es ein größeres finanzielles Risiko für so einen kleinen Standort. Am Ende müssen wir alle gemeinsam gewisse Risiken eingehen, um historische Sachen machen zu können. Zum einen ist es reizvoll, weil es für dieses Event noch nie einen Standort in Ostdeutschland als Austragungsort gab und natürlich auch die Gegebenheiten, wie sie in Weißenfels sind, sind besonders. Wir haben beispielsweise die kleinste Halle der Liga. Deswegen passen wir da eigentlich nicht rein. Und doch wollen wir selbstbewusst das Gegenteil beweisen und zeigen, dass auch ein kleiner Standort so ein Event ausrichten kann und seine Berechtigung hat.
„Wir wollen die Region noch mehr für den Basketball begeistern“
SPORT1: Kann man grob sagen, wie hoch das finanzielle Risiko ist?
Zeidler: Genaue Zahlen kann ich natürlich nicht nennen, aber wir sprechen schon über einen deutlichen sechsstelligen Betrag. Da kommt schon einiges zusammen. Wir werden wahrscheinlich finanziell nicht von dem Event profitieren. Das Ziel ist erstmal, dass wir kostendeckend sind. Wenn am Ende noch was obendrauf kommt, dann umso schöner. Der eigentliche Effekt soll die Reichweite sein, die wir dadurch generieren wollen. Wir wollen die Region durch das Event noch mehr für den Basketball begeistern.
SPORT1: An einigen Stellen war etwas ketzerisch zu hören: Warum findet ein großes Pokal-Event auf einer der kleinsten Bühnen statt. Was entgegnen sie den Kritikern?
Zeidler: Natürlich gibt es bestimmt größere Hallen und auch größere Standorte für das Event. Man muss aber auch festhalten, dass es in diesem Jahr kaum andere Möglichkeiten gab. Und es hätten ja auch die anderen Vereine durchaus die Chance gehabt, sich zu bewerben. Da es bisher zur Tradition gehört, dass immer eines der teilnehmenden Teams das Turnier ausrichtet, war für uns klar, dass wir uns bewerben können und auch eine Daseinsberechtigung haben. Deswegen haben wir uns dann beworben und auch ein gutes Paket angeboten. Das war dann zufriedenstellend und so sind wir auch zu Recht Ausrichter geworden. Man kann die Kritik sicher akzeptieren, dass es an anderen Orten höhere Kapazitäten gibt. Das macht es jetzt aber hier nicht unbedingt schlechter.
SPORT1: Wie sehen Sie den Umgang der BBL mit kleinen Standorten wie dem MBC? Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Zeidler: Ich würde mir manchmal ein bisschen mehr wünschen, dass die kleinen Klubs noch mehr wertgeschätzt werden. Es soll jetzt nicht falsch klingen, wir kriegen schon eine gewisse Anerkennung. Aber: Ich glaube, dass gerade, wenn Standards von der Liga beschlossen werden, oft vergessen wird, was auch kleinere Klubs leisten müssen, um diese kurzfristig zu erfüllen. Natürlich ist es richtig, dass die Liga wachsen will und auch wachsen muss und deshalb höhere Standards setzt. Ich würde mir aber wünschen, dass man da ein bisschen mehr die Situation der kleinen Vereine bedenkt und würdigt, um einen gemeinsamen Weg zu finden. Sonst droht, dass in drei oder vier Jahren einige Vereine zwangsläufig in die zweite Liga gehen müssen, wenn sie verschiedene Sachen, wie zum Beispiel eine neue Halle, nicht realisieren können.
„Dennis Schröder wird wahrscheinlich eher nicht kommen“
SPORT1: Was zeichnet speziell den Standort Weißenfels für so ein Turnier aus?
Zeidler: Es wird auf jeden Fall deutlich persönlicher. Es gab schon oft das Feedback, gerade von den Gästefans, dass man bei uns einfach näher dran ist. Gerade in großen Arenen sitzt man als Fan sehr weit weg. Das ist bei uns einfach etwas kompakter, so kommt man den Spielern etwas näher und so ist es vielleicht auch etwas emotionaler.
SPORT1: Im Vorjahr zum Top Four in München kam mit Dennis Schröder sogar ein NBA-Star. Können sich auch die Fans in Weißenfels auf prominente Besucher freuen?
Zeidler: Dennis Schröder wird wahrscheinlich eher nicht kommen. Aber ich kann so viel sagen: Es wird schon der ein oder andere nach Weißenfels kommen, von dem man das vielleicht nicht erwartet.
SPORT1: Wie wichtig kann so ein Event denn für den Stellenwert des Basketballs in der Region oder speziell in Ostdeutschland sein?
Zeidler: Das wird unglaublich wichtig sein. Hoffentlich kann das Event zu einem Zugpferd werden, gerade hier in der Region Ostdeutschland. Gerade in den letzten Jahren hat sich das Bild eh etwas gewandelt. Es gibt immer mehr gute Teams in den neuen Bundesländern. Und auch deshalb ist so ein Event hier toll, um dem ganzen noch mehr Sichtbarkeit zu schenken. Man merkt aktuell auch, dass ein Kribbeln entsteht und auch bei den Fans echte Euphorie entsteht. Wir fiebern alle gemeinsam auf das Top Four hin und das ist ein unglaublich schönes Gefühl, zu spüren, was hier gerade so bewegt wird. Das ist schon jetzt etwas ganz Besonderes. Das müssen wir jetzt einfach brutal genießen.
Wunsch: Pokal-Sensation gegen Bayern
SPORT1: Was sind Ihre Wünsche für das Turnier?
Zeidler: Es ist erstmal wichtig, dass alles reibungslos abläuft. Dann wäre es schön, wenn die Fans eine gute Zeit erleben und sich einfach über das Turnier freuen. Für den MBC wünsche ich mir natürlich, dass wir im Halbfinale gegen den FC Bayern alles abrufen können, was wir haben. Dass vielleicht auch die Bayern nicht den besten Tag erwischen und wir dann sogar eine kleine Sensation schaffen können. Wenn man dann einmal im Finale steht, dann ist ja bekanntlich alles möglich. Ich wünsche uns da den maximalen Erfolg und glaube immer, dass es eine Chance gibt, die wir nutzen wollen.
SPORT1: Sie haben es schon angesprochen. Im Halbfinale geht es gegen den Titelverteidiger Bayern München. In der BBL konnten Sie die Bayern schon schlagen. Ist am Samstag wieder ein Sieg drin?
Zeidler: Möglich ist immer alles. Man muss aber auch fairerweise sagen, dass es schon ein Unterschied ist, ob Bayern in der BBL nach einer Spielwoche in der EuroLeague kommt oder mit vollem Fokus auf ein K.o.-Spiel im Pokal. Trotzdem sind wir in diesem Jahr ein starkes Team, das die Bayern schlagen kann. Das haben wir auch schon bewiesen. Deswegen würde ich uns auf keinen Fall chancenlos sehen.