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FC Bayern Basketball: Star über Pokal-Highlights, EM-Momente und Obsts Zukunft

Bayern-Star über surreales Ereignis

Die Basketballer des FC Bayern wollen in diesem Jahr wieder den Pokal gewinnen. Das macht auch Oscar da Silva im SPORT1-Interview deutlich. Der Europameister spricht zudem über besondere EM-Momente und sein spezielles Verhältnis zu seinem Bruder Tristan.
Die BBL-Highlights der Basketball-Partie FC Bayern München Basketball - SKYLINERS Frankfurt im Video.
Die Basketballer des FC Bayern wollen in diesem Jahr wieder den Pokal gewinnen. Das macht auch Oscar da Silva im SPORT1-Interview deutlich. Der Europameister spricht zudem über besondere EM-Momente und sein spezielles Verhältnis zu seinem Bruder Tristan.

Mit dem Top-Four um den deutschen Pokal steht am Wochenende das erste große Basketball-Highlight des Jahres an.

Großer Favorit ist ganz klar der Gastgeber, FC Bayern München Basketball, rund um Oscar da Silva. Am Tag vor dem Halbfinale gegen die Bamberg Baskets nahm sich der Europameister noch Zeit für SPORT1 und sprach im exklusiven Interview über die großen Herausforderungen des Pokal-Wochenendes.

Da Silva machte deutlich, dass für die Bayern in diesem Jahr, nach dem bitteren Aus im Vorjahr beim Underdog MBC, nur der Titel zählt.

Zudem erzählt der Nationalspieler, welcher surreale Moment aus dem EM-Sommer bei ihm noch immer fest im Kopf verankert ist, wie er die Entwicklung des deutschen Basketballs beobachtet und wie seine Sommer-Pläne mit Bruder Tristan aussehen.

SPORT1: Herr da Silva, das BMW-Top-Four steht an. Was erwarten Sie vom Wochenende?

Oscar da Silva: Ein hartes Turnier auf hohem Niveau. Ich glaube, alle vier Mannschaften spielen sehr guten Basketball. Vor allem im Pokal haben die Teams ein sehr hohes Niveau bewiesen. Ich denke, es wird eine große Herausforderung, auch vor heimischem Publikum. Das ist natürlich nochmal ein Ansporn. Aber gleichzeitig besteht die entsprechende Erwartungshaltung, was es nicht unbedingt einfacher macht. Es wird ein starkes Turnier und ich hoffe, wir können als Pokalsieger aus dem Wochenende hervorgehen.

SPORT1: Letztes Jahr sind die Bayern auch als großer Favorit ins Turnier gegangen, dieses Jahr wieder. Nach dem bitteren Aus im vergangenen Jahr hat Präsident Herbert Heiner gesagt, dass das nicht mehr passieren darf. Wie groß ist der Druck auf Ihrem Team vor dem Wochenende?

Da Silva: Ja klar, vor allem vor heimischer Kulisse ist die Erwartungshaltung dementsprechend hoch. Wir gehen als Favorit in dieses Turnier. Aber alle Mannschaften hier sind in der Lage, zwei Spiele gegen alle Mannschaften zu gewinnen. Der Anspruch von unserer Seite ist auf jeden Fall, hier zwei Siege zu holen. Druck ist da, aber ich glaube, ohne Druck geht man in so ein Wochenende als großer Verein selten rein.

Da Silva mahnt: „Wichtig, keinen Gegner zu unterschätzen“

SPORT1: Kann Ihnen vielleicht auch die Erfahrung vom letzten Jahr helfen, dass Sie vielleicht wissen, was Sie da nicht so gut gemacht haben?

Da Silva: Ja, auf jeden Fall. Es ist wichtig, dass wir hier mit einer gesunden Einstellung reingehen. Das ist die größte Lektion, die wir vom letzten Jahr gelernt haben. Es ist wichtig, keinen der Gegner hier zu unterschätzen. Die Mannschaft ist aber auch eine andere. Wir haben letztes Jahr im Halbfinale, vor allem in der Defensive, kein gutes Spiel gemacht und sind auch im letzten Heimspiel hier ein bisschen durchgestolpert. Unser Fokus muss auf jeden Fall auf der Verteidigung liegen und wir müssen dafür sorgen, dass die Gegner gegen uns nicht zu viele Punkte erzielen.

SPORT1: Gerade in der Verteidigung hat man ja schon einen großen Unterschied gesehen, seitdem Svetislav Pesic übernommen hat. Wo sind die größten Unterschiede seit dem Trainerwechsel?

Da Silva: Ich glaube, wir haben mehr Disziplin auf dem Feld. Das ist ein Element, das uns sehr gutgetan hat. Die Offensive ist jetzt nicht großartig komplizierter geworden oder großartig umgestellt worden. Natürlich sind ein paar neue Systeme, ein paar neue Philosophien mit reingekommen. Aber das Augenmerk lag wirklich auf der Disziplin und auf der Ausführung unserer Konzepte. Ich finde, das haben wir in den letzten Wochen größtenteils gut abrufen können.

SPORT1: Was klar zu sehen ist, ist, dass das Team einfach deutlich mehr Selbstvertrauen hat. Wie hat Svetislav Pesic es geschafft, das Team so zu stärken?

Da Silva: Wir hatten Probleme damit, in den Spielfluss zu kommen und haben uns zu oft im Spiel verloren. Eben, weil wir immer wieder die Konzentration verloren haben und dann nicht mit genug Energie gespielt haben. Wir haben nicht hart genug verteidigt und daraus dann eben auch keine einfachen Punkte in der Offensive erzielt. Diese Homogenisierung von allem miteinander, auch einfach mehr Synergien zu schaffen, hat uns sehr gutgetan und viele Fragen für uns beantwortet.

Obst? „Natürlich werden auch Vereine aus Europa anklopfen“

SPORT1: Einer, der nochmal einen extremen Sprung unter Svetislav Pesic gemacht hat, ist Andi Obst. Wie sehen Sie seine Entwicklung in dieser Saison bisher?

Da Silva: Er ist in unglaublicher Form. Zuletzt ist der Korb für ihn fast in jedem Spiel so groß wie ein Scheunentor. Er ist ganz klar ein Schlüsselspieler für uns.

SPORT1: Der Vertrag von Obst läuft im Sommer aus. Er wird sicher einer der begehrtesten Spieler auf dem Markt sein. Sie haben ein sehr gutes Verhältnis zu ihm. Haben Sie schon versucht, ihn zu bearbeiten, damit er in München bleibt?

Da Silva: Bisher noch nicht. Es geht manchmal in den Konversationen darum, ein bisschen nachzuforschen, was denn sein aktueller Status ist, wer mit ihm kommuniziert und wer nicht. Andi hat für den Verein Großes geleistet in der Vergangenheit und deswegen hoffe ich einfach, dass er nächstes Jahr in eine Situation kommt, die gut zu ihm passt und wo er weiterhin auf so hohem Niveau Basketball spielen kann. Ich glaube, dass das beim FC Bayern durchaus passieren kann. Aber natürlich werden da auch andere Vereine aus Europa anklopfen.

SPORT1: Zurück zum Top Four. Wir haben schon besprochen, dass das Turnier hier in München, also auch in Ihrer Heimatstadt, ist. Macht es das auch für Sie persönlich vielleicht noch mal ein bisschen spezieller?

Da Silva: Es ist für den ganzen Verein eine tolle Sache, dass wir das hier ausrichten können. Gleichzeitig ist es auch was Gutes für den deutschen Basketball. Letztes Jahr war das beim MBC eine tolle Sache für den Basketball, vor allem regional dort. Aber natürlich möchte man so ein Turnier idealerweise in einer Stadt ausrichten, die für viele Fans Kapazitäten hat, wo der Basketballsport profitieren kann und auch viele Leute zu diesem Sportfest eingeladen werden können. Die Rahmenbedingungen hier sind sehr gut und für den FC Bayern ist es natürlich auch ganz klar was Positives, hier die nächsten Jahre das Top Four ausrichten zu können.

Da Silva kann Ärger der BBL-Fans über Austragungsort verstehen

SPORT1: Viele Fans der anderen BBL-Vereine ärgern sich darüber, dass Sie als bestes Team auch noch das Heimrecht bekommen haben und das Turnier nicht wie geplant an einem neutralen Ort stattfindet. Können Sie das nachvollziehen?

Da Silva: Ja, natürlich! Also der Punkt der Neutralität ist vollkommen nachvollziehbar. Soweit ich das verstanden habe, war auch ein neutraler Austragungsort angepeilt, bei dem es dann kurzfristig aber doch nicht geklappt hat. Dann wurde halt hier angeklopft. Ich finde es super, dass das Bayern-Office das so schnell hinbekommen hat mit relativ kurzer Vorlaufzeit, und hier gute Sponsoren mit drin hat, eine gute Arena bieten kann. Am Ende des Tages geht es ja darum, dieses Top Four möglichst groß aufzuziehen.

SPORT1: Die BBL spricht immer von einem Leuchtturm-Event für den deutschen Basketball. Erleben Sie das auch so?

Da Silva: Der Pokal ist jedes Jahr ein großes Event für den deutschen Basketball und das Ziel muss es sein, dieses Event auch den Leuten nahezubringen. Egal ob es jetzt in Berlin, Köln oder eben hier in München stattfindet. Man braucht ein entsprechendes Ambiente, um das auch groß aufziehen zu können. Aus sportlicher Sicht ist es natürlich ganz klar ein Leuchtturm-Event. Also es ist auf jeden Fall ein Titel, der begehrt ist und den es zu gewinnen gilt, bei jeder Mannschaft.

Dieser spezielle EM-Moment blieb da Silva im Kopf

SPORT1: Sie haben auch mit der Nationalmannschaft im Sommer dazu beigetragen, dass der Basketball in Deutschland einen deutlich höheren Stellenwert bekommen hat. Hand aufs Herz, wie oft denken Sie noch zurück an die Europameisterschaft?

Da Silva: Schon ab und zu. Besonders, weil im Wohnzimmer auch ein paar kleine Erinnerungen an die Zeit rumstehen. Dann geht man ab und zu mal die Fotogalerie durch und schaut Fotos an aus dem Sommer oder läuft an der Medaille vorbei oder sieht ein Foto, das bei uns im Wohnzimmer hängt. Es sind einfach so viele schöne Momente, die man da in diesem Sommer erlebt hat, während dem Turnier und vor dem Turnier und rundherum. Ich würde schon sagen, dass ich regelmäßig daran erinnert werde, aber ich tendiere nicht dazu, da zu viel in der Vergangenheit zu schwelgen und mir jeden Tag auf die Schulter zu klopfen und zu sagen: Geil, was wir da erreicht haben.

SPORT1: Haben Sie einen Moment im Kopf, der Ihnen besonders hängen geblieben ist, vom letzten Sommer?

Da Silva: Das Finale natürlich, die große Freude und dieses Gefühl, den Gipfel erklommen zu haben. Aber sonst denke ich viel an das Trainingslager zurück, unser erstes in Malaga in Spanien. Da haben wir viel Zeit auch mit unseren Familien und insgesamt alle zusammen als Team miteinander verbracht. Das waren sehr schöne Tage. Das war auf jeden Fall ein Highlight meiner Nationalmannschaftskarriere bisher.

Europameister mit Bruder Tristan? „Noch immer surreal“

SPORT1: Sie haben die Familie schon angesprochen. Ihr Bruder Tristan war auch dabei. Wie besonders war das dann nochmal, das alles mit dem Bruder zu erleben?

Da Silva: Sehr besonders. Das war wie ein Kindheitstraum, den man früher mal vorm Fernseher sitzend ausgeheckt hat. Und dann ist man da auf einmal wirklich in Riga miteinander auf dem Feld und spielt um die Goldmedaille. Das war ein bisschen surreal und ist auch ehrlich gesagt auch jetzt noch immer ein bisschen surreal. Aber wir haben es sehr genossen miteinander.

SPORT1: Sie sind beide super viel beschäftigt in der Saison. Sie in München, er in Orlando. Wie oft stehen Sie im Austausch mit ihrem Bruder?

Da Silva: Ja, wir sind im Austausch, so viel wie es geht. Manchmal erreicht man sich dann zwei Wochen lang nicht, das kommt schon mal vor (lacht). Aber wir sind schon im Austausch und schauen nach dem Rechten beim jeweils anderen. Ich würde ihn diesen Sommer auch gerne mal in Amerika und in Orlando besuchen. Da sind wir gerade dabei, den Trip zu planen.

SPORT1: Vor so wichtigen Spielen wie jetzt am Wochenende für Sie oder wenn er wichtige Spiele in der NBA hat: Melden Sie sich dann speziell beieinander oder sind Sie einfach regelmäßig im Austausch?

Da Silva: Ich bin da nicht so und ich glaube, er auch nicht. Wenn er jetzt ein wichtiges Spiel hat, dann will ich ihm da nicht auch noch auf den Keks gehen (lacht). Ich glaube, der kann sich da schon alleine in seine Zone bringen. Also wir kommunizieren da weniger vom Spielplan abhängig, sondern so wie es uns reinpasst.

SPORT1: Viele ihrer Familienmitglieder und Freunde dürften am Wochenende in der Halle sein. Mussten Sie viele Karten besorgen?

Da Silva: Gar nicht so viele, tatsächlich. Da habe ich Glück gehabt. Wir haben ohnehin jetzt kein Riesenkontingent. Ich habe ein paar extra dazukaufen müssen, aber hat sich alles im Rahmen gehalten.

„Das Ziel ist ganz klar: Den Pokal zu gewinnen“

SPORT1: Wir haben ja schon ein bisschen über den deutschen Basketball gesprochen. Nach der EM hatte ich schon das Gefühl, dass so eine Art Hype in Deutschland um Basketball entstand. Haben Sie das Gefühl, dass das gut genutzt wurde und immer noch spürbar ist?

Da Silva: Ich glaube, es ist ein bisschen abgeflacht. Das ist aber auch normal. Ich hoffe, dass es gut genutzt wurde und sich das dann in der langfristigen Entwicklung im Basketball zeigen wird. Spätestens dann werden wir sehen, ob diese Energie genutzt wurde oder nicht. Insgesamt muss die Energie von der Nationalmannschaft ausgehen. Das ist speziell in Deutschland sehr wichtig für den Sport. Ob jetzt diesen Sommer eine Million kleine Jungs und Mädels den Basketball in die Hand genommen haben und sich bei Vereinen angemeldet haben, kann ich schwer einschätzen. Aber wenn es so war, wird es ganz bestimmt auch nachhaltig einen positiven Effekt für den Basketball in Deutschland haben.

SPORT1: Haben Sie denn das Gefühl, jetzt in der Saison hier in München, dass schon mehr Kinder in die Halle kommen und Sie vielleicht auch speziell als Europameister erkennen?

Da Silva: Ja, es sind schon viele Kids da. Auch generell ist die Halle bisher, selbst in der Phase, in der wir nicht gut gespielt haben, fast immer ausverkauft gewesen. Also das Publikum und das Interesse am Basketball ist auf jeden Fall da und das ist schön zu sehen.

SPORT1: Dann abschließend nochmal zurück zum Wochenende. Was sind Ihre persönlichen Ziele und was wollen Sie mit der Mannschaft erreichen?

Da Silva: Das Ziel ist ganz klar: Den Pokal zu gewinnen. Ich möchte mit Energie spielen, in der Verteidigung vor allem solide sein und mich einfach im Spiel verlieren. Das wird dann hoffentlich dafür sorgen, dass ich der Mannschaft genau das gebe, was sie für den Pokalsieg braucht.