Fast auf den Tag genau vor knapp drei Monaten erlebte der FC Bayern Basketball einen der bittersten Abende der Vereinsgeschichte. Nach einer Halbzeitführung mit 20 Punkten gab man Spiel fünf in der BBL-Finalserie noch aus der Hand und musste mit ansehen, wie der Rivale ALBA Berlin in der eigenen Halle feierte.
FC Bayern will Katastrophen-Saison vergessen machen
FC Bayern will Katastrophen-Saison vergessen machen
„Die vergangene Saison hat einen sehr bitteren Nachgeschmack hinterlassen“, hatte Andi Obst auf der PK vor der Saison deutlich herausgestellt. Der Top-Star war in Spiel fünf selbst zur tragischen Figur geworden. Nach einer schier unglaublichen Saison konnte er dieses Spiel nicht, wie so häufig zuvor, im Alleingang retten. Nach dem Spiel saß er mit leerem Blick zusammengekauert an der Bande.
Genau diese bittere Niederlage soll jetzt Flügel verleihen, unterstrich Kapitän Vladimir Lucic: „Wir sind hoch motiviert. Speziell die harten Niederlagen, die wir in der vergangenen Saison verkraften mussten, treiben uns an, es in dieser Saison besser zu machen.“
Hoeneß und Hainer mit deutlichen Worten zur Katastrophen-Saison
Und besser machen müssen sie es in München. Eine erneute Katastrophen-Saison darf es bei den hohen eigenen Ansprüchen nicht geben. Das macht auch Obst klar: „Wir wollen und müssen die nationalen Titel gewinnen. Da gibt es nichts zu diskutieren.“
Diese Ansprüche sind nicht neu. Schon vor der vergangenen Saison wurden das nationale Double und der Kampf um die EuroLeague-Playoffs als Ziel ausgegeben. Unter dem Strich stand das Aus vor den Playoffs, die peinliche Halbfinalniederlage im Pokal gegen Bamberg und die bittere Final-Niederlage in der Meisterschaft.
Das schmeckte auch den Bayern-Granden so gar nicht, wie Uli Hoeneß am Rande der Geburtstagsfeier „80 Jahre FC Bayern Basketball – never done“ auf SPORT1-Nachfrage sagte: „Der Titel ist nicht immer alles Entscheidende. Aber die Art und Weise, wie wir die Spiele verloren haben – ich denke an das Pokalhalbfinale, ich denke an das letzte Spiel gegen ALBA Berlin, als wir mit 20 Punkten geführt haben. Das ist nicht Bayern München. Ich glaube, da muss sich etwas ändern.“
„Man kann immer ein Spiel verlieren. Aber wenn man mit 20 Punkten führt, dann darf das nicht passieren. Das hat nicht unbedingt etwas mit der Klasse der Mannschaft zu tun, sondern mit der Mentalität. Und die hat mir im letzten Jahr nicht gefallen“, erklärte Hoeneß deutlich.
So sieht es auch Bayern-Präsident Herbert Hainer. Er habe schon nach der Vorsaison eine deutliche Ansage an die Mannschaft gerichtet und klar gesagt, dass „die Erwartungshaltung und was am Ende dabei herausgekommen ist“ nicht zusammengepasst hat: „Ich werde vor dem Saisonstart auch noch einmal zur Mannschaft sprechen und klarmachen, welche Erwartungshaltung der FC Bayern in diesem Bereich hat“, hatte Hainer klargestellt.
Gavel und Leibenath wollen neue Ära prägen
Eben jene Anforderungen sollen jetzt ganz speziell die neuen sportlichen Köpfe, Cheftrainer Anton Gavel und Geschäftsführer Sport Thorsten Leibenath, erfüllen. Beide unterschrieben langfristige Verträge und sollen in München eine neue Ära prägen.
Das machte das Duo auf der PK vor der Saison auch sehr deutlich. Immer wieder war von „a new chapter“ beim FC Bayern die Rede. Und dieses neue Kapitel soll ein äußerst erfolgreiches werden.
Eine passende Visitenkarte können beide vorweisen. Leibenath entwickelte ratiopharm Ulm erst zu einem etablierten Erstligisten und dann sogar zum Top-Team in der BBL. Gemeinsam mit Gavel als Trainer holte man 2023 sensationell die Meisterschaft. Gavel wiederum gewann mit Underdog Bamberg ausgerechnet in München in der vergangenen Saison den Pokal.
Beide Erfolge waren Überraschungen, in München werden diese Titel erwartete. Für Gavel kein Problem: „Der Druck ist natürlich höher, man weiß aber von Anfang an, wenn man zu so einem Verein kommt, dass die Erwartungshaltung eben größer ist, als bei anderen Klubs. Wir wollen besser sein als in der letzten Saison, das ist klar.“
Leibenath sieht es eh pragmatisch: „Ich halte es erstmal für wichtig, dass der Funke von der Mannschaft zu den Fans überspringt. Wir wollen begeisternden Basketball spielen, der die Fans überzeugt, immer wieder in die Halle zu kommen. Wenn uns das gelingt, erhöht sich auch die Wahrscheinlichkeit, dass wir die Ziele erreichen.“
Bayern Basketball feiert 80. Geburtstag
Davon ist übrigens auch die Vereinsspitze überzeugt, wie Hoeneß sagte: „Herr Leibenath hat auf mich einen sehr guten Eindruck gemacht. Anton Gavel kenne ich ja noch als Spieler. Die sind jetzt gemeinsam mit Adrian Sarmiento in der Verantwortung, eine tolle Mannschaft zu bilden.“
Dass diese Saison eine besondere werden soll, machten die Bayern bereits knapp eine Woche vor dem Saisonstart deutlich. Unter dem Motto „80 Jahre FC Bayern Basketball – never done“ lud der Verein in die Sporthalle an der Säbener Straße ein, den Ort, der über Jahrzehnte die Heimspielstätte des FC Bayern Basketball war.
Neben Hoeneß und Hainer folgten zahlreiche Größen des FC Bayern, aber auch des Münchener Basketballs der Einladung. So tauchte Jan-Christian Dreesen genau wie Svetislav und Marko Pesic oder Holger Geschwindner in die Geschichte der Basketball-Abteilung der Bayern ein.
Auf der Bühne wurde in der erfolgreichen Vergangenheit geschwelgt, aber auch der Münchener-Basketball-Legende Ernie Butler, der kurz vor der Veranstaltung verstorben war, würdevoll gedacht. Und es wurde ein Buch über die Geschichte der Basketball-Abteilung vorgestellt.
Bayern will München zur europäischen Basketball-Hauptstadt entwickeln
Zu diesem Buch sollen in dieser Saison, aber natürlich auch in der Zukunft, neue Erfolgskapitel hinzukommen. „München soll der Basketball-Hub in ganz Europa werden“, verkündete Bayerns kaufmännischer Geschäftsführer Adrian Sarmiento.
Sein sportlicher Kollege Thorsten Leibenath stimmte ihm zu. Ein durchaus ambitioniertes Ziel – in einem wahnsinnigen Wettbewerb wird es sicher schwer, eine solch zentrale Rolle zu übernehmen. Aber in München denken sie eben gerne groß.
Der Auftakt in die neue Saison 2026/27 war direkt ein dickes Ausrufezeichen. Mit einem 108:72-Sieg zerlegte Bayern beim Gavel-Wiedersehen den Gast aus Bamberg. Die Fans im BMW Park kamen auf ihre Kosten und gingen vollends zufrieden nach Hause. Das Potenzial, dass der FC Bayern wieder erfolgreichen Basketball zeigen kann, ist ohne Frage vorhanden. Gegen Bamberg zeigten die Münchner den Basketball, den Hoeneß und Co. sehen wollen.