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FC Bayern: Eine Niederlage als Sinnbild einer bisher bitteren Saison

Sinnbild der bisher verkorksten Saison

Die Basketballer des FC Bayern verlieren dramatisch in der letzten Sekunde. Die bittere Niederlage zeigt deutlich die Probleme der Münchber in dieser Saison auf.
Es hätte ein bayerisches Basketballfest werden können. Am Ende folgt die große Ernüchterung in der EuroLeague gegen Anadolu Efes.
Die Basketballer des FC Bayern verlieren dramatisch in der letzten Sekunde. Die bittere Niederlage zeigt deutlich die Probleme der Münchber in dieser Saison auf.

Als der Ball knapp zwei Sekunden vor Ende des Spiels in den Händen von Cole Swider landete, war der Münchener SAP Garden kurz ganz still. Nur wenige Momente später ertönte die Schlusssirene und zum Entsetzen der Bayern-Fans war der Ball wenige Millisekunden vorher im Korb gelandet.

Swider und seine Teamkollegen von Anadolu Efes Istanbul sprangen jubelnd über den Platz, Bayern-Spieler Xavier Rathan-Mayes sank im Mittelkreis zu Boden, die Fans stöhnten vor Entsetzen laut auf. Der FCBB hatte das Spiel gegen den Vorletzten der EuroLeague tatsächlich in der Schlusssekunde vergeigt und mit 80:81 verloren.

FC Bayern vergibt wohl letzte Chance in der EuroLeague

Eine Niederlage mit Folgen, denn die 18. Niederlage im 31. Spiel dürfte auch die letzten kleinen Hoffnungen auf den Einzug in die Play-Ins der EuroLeague zerstört haben. Sieben Spiele vor Saisonende liegt Bayern jetzt vier Siege hinter dem 10. Platz, der noch für die Play-Ins reichen würde.

Mit einem Sieg hätte man wegen der zuletzt ansprechenden Form noch träumen können, doch dieser Traum ist nach dieser unnötigen Niederlage ausgeträumt. Wie vermeidbar die Niederlage war, zeigen speziell diese Zahlen: Bayern führte knapp 37:30 Minuten (höchste Führung: 16 Punkte), 2:30 Minuten stand es unentschieden, Efes führte nur im Moment zur Schlusssirene.

EuroLeague: Bayern gab zahlreiche sichere Siege aus der Hand

Blickt man auf die bisherige EuroLeague-Saison der Bayern, wird deutlich: Das Duell mit Efes war beileibe nicht die erste Niederlage, bei der die Münchner eigentlich als Sieger hätten vom Feld gehen können.

Alleine bei fünf der acht Niederlagen am Stück, die letztendlich Weltmeistercoach Gordon Herbert zum Verhängnis wurden, hätten Bayern das Spiel gewinnen können. So vergab der enttäuschenden Ex-NBA-Star Spencer Dinwiddie die Chance auf die Siege gegen Barcelona und Efes (Hinspiel), danach gab es auf dem Horror-Auswärtstrip gleich drei bittere Niederlagen.

In Belgrad unterlagen die Bayern beispielsweise einem Team, das eigentlich völlig von der Rolle war und aufgrund des Rücktritts von Trainer-Ikone Zeljko Obradovic über große Teile des Spiels von den eigenen Fans ausgepfiffen wurde. In Dubai gab man eine zweistellige Führung in kürzester Zeit aus der Hand und leistete sich wenige Sekunden vor Schluss einen Slapstick-Turnover. Zudem unterlag man gegen den abgeschlagenen Letzten aus Lyon nach hoher Führung.

Und auch unter Trainer-Legende Svetislav Pesic gab es mindestens drei vermeidbare Niederlagen, ohne die die ohnehin starke Bilanz des Serben (8:6-Siege in der EuroLeague) noch unglaublicher aussehen würde.

Doch gegen ein schwaches Team von Partizan Belgrad (verlor vor dem Duell in München sieben Spiele in Folge), gab man beim 63:67 einen vermeintlich sicheren Sieg aus der Hand. Beim Spektakel in Tel Aviv (106:111 nach Verlängerung) führte man noch bis in die Schlusssekunde, ehe man doch noch den Ausgleich kassierte und in der Verlängerung verlor. Jetzt die bittere Niederlage gegen Efes.

Fan-Frust! Zweites Saisonziel so gut wie verpasst

Hätten die Bayern nur die Hälfte der aufgezählten Spiele für sich entschieden, lägen sie aktuell punktgleich mit dem Zehnten voll im Playoff-Rennen und hätten sogar noch Chancen auf eine direkte Playoff-Qualifikation (Platz sechs steht auch aktuell bei 17 Siegen).

Stattdessen geht es in den abschließenden sieben Spielen nur noch um Schadensbegrenzung. Nach dem enttäuschenden Pokal-Aus in heimischer Halle im Halbfinale gegen Bamberg ist mit dem Verpassen der EuroLeague-Playoffs auch das zweite Saisonziel schon so gut wie futsch.

Vor der Saison hatte Präsident Herbert Hainer ganz klar das Double in Deutschland als Zielsetzung ausgegeben, in der EuroLeague sollten es mindestens die Play-Ins werden. Einzig die Meisterschaft ist jetzt noch möglich. Dort steht Bayern aktuell souverän an der Spitze der BBL.

Doch der Anspruch in München ist höher als „nur“ Meister zu werden. Das zeigt sich auch in den Kommentar-Spalten in den sozialen Medien, wo einige Fans ihren Unmut äußern.

„Zwei Top-Trainer schaffen es nicht, diesen Kader stabil zu bekommen: EuroLeague schlecht, Pokal-Top-Four ohne Worte“, schrieb ein Fan auf Instagram exemplarisch. Ein weiterer ergänzte: „Respekt an alle, die sich das regelmäßig geben. Ich habe nach ein paar Wochen mal wieder reingeschaut, reicht auch wieder!“

Auch Bayern-Star ist Sinnbild einer unglücklichen Saison

Viel Kritik unter dem Ergebnis-Post des FC Bayern Basketball musste auch Guard Xavier Rathan-Mayes einstecken, der in der Schlussphase gegen Efes viele unglückliche Entscheidungen traf und mit für die Niederlage verantwortlich war.

Auch der Kanadier ist ein klares Sinnbild der bisher so enttäuschenden Bayern-Saison: Vor der Spielzeit kam er von Real Madrid und sollte Top-Star Carsen Edwards ersetzen, doch dies gelang ihm nie. Zwischenzeitlich rutschte er komplett aus der Rotation, saß entweder 40 Minuten auf der Bank oder war gar nicht im Kader.

In den letzten Spielen kämpfte er sich dann plötzlich zurück, war beim Sieg in Belgrad und auch über weite Strecken gegen Efes (15 Punkte) ein wichtiger Faktor. Doch in der Schlussphase übertrieb er es dann erneut, versuchte plötzlich wieder, alles im Alleingang zu regeln, und scheiterte dabei kläglich.

Erst dribbelte er fast 20 Sekunden auf der Stelle, dann zog er unvorbereitet zum Korb und versuchte es alleine, anstatt den Mitspieler zu finden. Die Folge war ein bitterer Turnover und auch in der Defensive sah er vor dem entscheidenden Korb von Efes alles andere als gut aus.

„Wir haben in der Offensive viele Optionen und eigentlich alles unter Kontrolle. Dann spielen wir leider aber eins gegen fünf. Das ist nicht gut“, wurde Pesic deutlich: „Vorher hat er eigentlich ein gutes Spiel gemacht, aber wenn man nur dribbelt, wird es schwer. Wir wollten den Angriff eigentlich so spielen, wie es Efes gemacht hat, also den Korb attackieren und dann einen freien Spieler in der Ecke finden.“

Bayern-Probleme: Zu viele Verletzte, zu abhängig von Obst

Rathan-Mayes ist aber ganz sicher nicht allein schuld an der bisher doch verkorksten Bayern-Saison. Zwei Probleme, die deutlich herausstechen, sind das Verletzungspech und die Abhängigkeit von Top-Star Andi Obst.

Dass die Sterne für Bayern schlecht stehen könnten, wurde schon vor dem Saison-Start deutlich, als sich der als Schlüsselspieler eingeplante Rokas Jokubaitis bei der EM das Kreuzband riss. Zudem fallen immer wieder wichtige Spieler mit kleineren Verletzungen oder Krankheiten aus.

Diese Ausfälle machten es erst Coach Herbert und aktuell auch Pesic schwer. In voller Kapelle einspielen konnten sich die Bayern so in dieser Saison noch nie.

Auch deshalb hängt vieles an Obst, der das meist fantastisch löst und Spiele im Alleingang entscheiden kann. Fehlt er aber mal, wie in der EuroLeague bei Real Madrid oder im Heimspiel gegen Partizan, geht für Bayern offensiv wenig.

Gleiches gilt, wenn der Nationalspieler von der gegnerischen Defensive über 40 Minuten gejagt wird oder einen schwächeren Shooting-Tag erwischt. Mit diesem Matchplan gelang Bamberg die Pokal-Sensation und auch Efes rund um Defensiv-Monster und Ex-Bayern-Star Nick Weiler-Babb hielt Obst bei 13 Punkten (1/7 Dreiern).

Meisterschaft kann Saison noch retten

Auch wenn die Saison bisher alles andere als optimal verläuft, können die Bayern sie aber noch retten. Dafür müssen sie aber unbedingt Meister werden.

In der BBL läuft bisher alles nach Plan. Mit einer Bilanz von 20:2 liegt der FCBB vier Siege vor dem Zweiten souverän an der Tabellenspitze. Das Aus im Pokal und die Playoffs der vergangenen Saison sollten aber eine Warnung sein. Der Meistertitel ist ganz sicher kein Selbstläufer.