Leonie Fiebich musste noch den schweren Gang zur Pressekonferenz antreten und zeigte ihren Ärger deutlich. Auch Bundestrainer Olaf Lange verbarg seine Enttäuschung nicht. Deutschland unterlag Frankreich im WM-Halbfinale in heimischer Halle in Berlin mit 64:86 (38:45) und war nicht nur sauer auf sich selbst.
Wut nach geplatztem Traum
Wut nach geplatztem Traum
Schnell wurde deutlich, weshalb die deutschen Gemüter durchaus erhitzt waren. Mit verschränkten Armen und finsterer Miene saß Fiebich auf der PK und wurde gefragt, wie hart es speziell psychologisch sei, nach so einer Enttäuschung schon 24 Stunden später wieder spielen zu müssen – Deutschland tritt am Sonntag um 16.30 Uhr im Spiel um Platz 3 gegen Spanien an (LIVETICKER). Da platzte die Wut über den Spielplan aus dem WNBA-Star heraus.
Fiebich wütet über den Spielplan
„Das ist jetzt nichts Neues. Es ist unser drittes Back-to-back in diesem Turnier. Ehrlich gesagt ist das doch der absolute Wahnsinn. Das ist doch verrückt, sowas bei einer WM zu haben“, schimpfte Fiebich. Zur Erinnerung: Erst am vergangenen Freitag hatte Deutschland das Eröffnungsspiel gegen Spanien bestritten und seitdem sechs Partien absolviert.
„Wir können es aber nicht ändern und wissen, was wir machen müssen“, fügte die deutsche Leistungsträgerin an: „Auch im ersten Spiel hatten wir eine extrem bittere Niederlage und haben im nächsten Spiel dann sehr gut gespielt. Das ist unser Plan und dementsprechend versuchen wir ab jetzt positiv zu sein.“
Doch damit nicht genug. Bundestrainer Lange ließ durchblicken, dass er mit der Leistung der Referees nicht einverstanden war. Der gebürtige Berliner diskutierte schon während des Spiels immer wieder über Pfiffe, rollte mit den Augen und gestikulierte nach vielen Szenen in Richtung der Schiris.
SPORT1 fragte Lange nach der Schiedsrichterleistung- „Über die rede ich nicht“, blockte er schnell ab. Seinem Gesicht war aber anzusehen, dass er durchaus unzufrieden war. Als SPORT1 nach der uneinheitlichen Linie der Referees fragte, fand Lange doch deutliche Worte.
„Man muss sich das auch verdienen auf dem Niveau“, meinte er süffisant und fügte durchaus ironisch an: „Frankreich ist die Top-Spitze. Da kann man nicht erwarten, dass man gleich im ersten Halbfinale alle Pfiffe bekommt. Das ist leider so im Sport, wohl leider auch zu Recht so. Diesen Bonus müssen wir uns über konsequentes Spielen und Erfolge erarbeiten.“
Auch die Spielerinnen schauten oft mit verdutztem Gesicht nach so mancher Entscheidung. Bezeichnend war eine Szene mit Nyara Sabally zu Beginn des Spiels. Der Foul-Pfiff kam nach dem erfolgreichen Korb der Deutschen extrem spät, weshalb sie nicht wie üblich das And-One zelebrierte, sondern mit ausgestreckten Armen zum Schiedsrichter schaute. In der Statistik standen am Ende bei Frankreich 19 Fouls, 18 Vergehen wurden für Deutschland notiert.
Gülich legt Finger in die Wunde
Und zur Wahrheit gehört, dass sich Deutschland viel zu oft selbst torpedierte. Kapitänin Marie Gülich sprach das aus, was wohl für die meiste Enttäuschung sorgte. „Es ist natürlich frustrierend mit den ganzen Turnovers. Die waren jedes Mal ein Schlag ins Gesicht und der hat uns jedes Mal sehr viel Energie und Selbstvertrauen gekostet. Das Selbstvertrauen und auch der Mut fehlten dann. Es wurde dann zu Wut. Das Verlieren ist kein Problem, die sind krass. Klar haben wir davon geträumt ins Finale zu kommen. Für mich geht es aber eher darum, wie man verliert. Das sollte ein Learning sein.“
Satte 24 Ballverluste leistete sich das deutsche Team gegen die aggressive Verteidigung der Französinnen – Negativ-Rekord! So viele Turnover gab es in einem WM-Halbfinale zuvor noch nie. Weißrussland hielt bislang mit 20 Ballverlusten gegen Tschechien 2020 in der Runde der letzten Vier die ungeliebte „Bestmarke“. Bereits zur Pause standen bei Deutschland 12 Turnover zu Buche – mehr hatte sich das Team im WM-Verlauf über die gesamte Spielzeit nie geleistet.
Nun muss all der Ärger über die Referees, den Spielplan und die eigenen Patzer schnell abgelegt werden. Emma Eichmeyer ging mit gutem Beispiel voran. „Direkt nach dem Spiel waren wir natürlich enttäuscht. Wir haben uns was anderes vorgenommen, aber nach dem Spiel, als die Halle nochmal aufgestanden ist und so laut geworden ist, ist uns klar geworden, dass der Fokus jetzt wieder nach vorne gehen muss.“
Im Spiel um Platz 3 wartet um 16.30 Uhr die große Chance zur Revanche gegen Spanien. Es wäre die erste WM-Medaille überhaupt für die deutschen Damen und ein versöhnlicher Abschluss für das Heimturnier.