Viel bitterer hätte der Start in die Basketball-WM der Frauen für Deutschland wohl kaum laufen können. Bei der 53:83-Klatsche gegen Spanien hatte das DBB-Team nicht den Hauch einer Chance.
Klatsche zum WM-Start! Ist Deutschland wirklich so schlecht?
Ist Deutschland wirklich so schlecht?
Damit ist der Traum von der direkten Viertelfinal-Qualifikation schon nach dem Auftaktspiel so gut wie ausgeträumt. Viel schlimmer als die Niederlage gegen die Medaillen-Kandidatinnen aus Spanien war aber die Art und Weise der Pleite. Statt die WM-Euphorie noch weiter zu steigern, herrschte nach dem Spiel Ernüchterung.
„Was soll man nach so einem Spiel sagen? Es war einfach ein Scheißspiel“, ärgerte sich Star-Spielerin Nyara Sabally in der Mixed Zone: „Die Offensive und Defensive waren einfach scheiße. Das ist das einzige Wort, was mir dazu einfällt. Die haben so gespielt, wie sie spielen wollten, und wir sind nur hinterhergelaufen.“
Dem Team von Bundestrainer Olaf Lange gelang es gegen starke Spanierinnen nie, die unglaubliche Energie der Halle zu nutzen. Statt mit den Fans im Rücken selbst Druck auszuüben, dominierten die Spanierinnen.
Basketball-WM: Deutschland kann Fan-Euphorie nicht nutzen
Speziell im ersten Viertel war das deutsche Team kaum anwesend. Die Offensive hakte gewaltig und die Defensive war nahezu nicht vorhanden. Nach sechs Minuten lag Deutschland so bereits mit 10:24 hinten.
„Man muss sagen, dass die Spanierinnen in allen Bereichen besser waren. Speziell das erste Viertel war schwer. Da haben sie gefühlt jeden Ball, den sie auf den Korb geworfen haben, getroffen. Wir haben aber auch sehr langsam darauf reagiert im Close-Out. Da habe ich mir schon mehr erwartet. Man sieht auch unsere Unerfahrenheit. Speziell unter Druck haben wir nicht wirklich Lösungen gefunden“, kritisierte Lange.
Im Anschluss an den schwachen Start nahm der Bundestrainer eine Auszeit und zumindest die Defensive stand. Bis zum Ende des Viertels ließ man keinen Punkt der Spanierinnen mehr zu. Aber bezeichnend für das Spiel: es gelangen auch nur drei eigene Punkte.
Immer wieder vergab Deutschland gute Würfe oder leistete sich einfache Turnover. So verpasste man es, die Halle so richtig anzuzünden. Die Fans waren eigentlich bereit, abzuheben, wie man bei den wenigen guten Aktionen merkte. Sobald Deutschland traf oder eine gute Defensiv-Aktion hatte, gingen die Zuschauer aus dem Sattel. Eine echte Euphorie-Welle entstand aber nie, weil das DBB-Team eigentlich nie mehrere gute Aktionen hintereinander hatte.
Schwache Offensive bereitet Grund zur Sorge
Deshalb kam Deutschland nie im Spiel an. Schnell lag man mit 20 Punkten, dann in der zweiten Halbzeit sogar mit über 30 Punkten zurück. Vorne lief fast gar nichts. Nur 18 der 62 Wurfversuche landeten im Korb (29 %). Der so wichtige Dreier bleibt weiter eine Problemzone. Das deutete sich schon in der Vorbereitung an und auch gegen Spanien fiel hier kaum ein Wurf aus der Distanz (4/23, 17,3 %).
Zudem zeigte sich, wie abhängig Deutschland von den WNBA-Stars Leonie Fiebich (13 Punkte) und Nyara Sabally (10) ist. Die Offensive beschränkte sich zu großen Teilen auf Einzelaktionen der beiden Leistungsträgerinnen aus den USA. Abseits davon kam wenig.
Auch die beiden anderen WNBA-Spielerinnen Luisa Geiselsöder (4 Punkte) und Frieda Bühner (4) blieben blass. Bühner erzielte ihre ersten Punkte sogar erst im letzten Viertel. Vom deutschen Top-Talent muss mehr kommen. Die gute Nachricht ist, dass sehr wahrscheinlich auch mehr kommen wird. Dafür zeigte sie in ihrer WNBA-Rookie-Saison zu gute und konstante Leistungen.
Muss sich Deutschland jetzt Sorgen machen?
Besteht nach dem enttäuschenden Auftakt jetzt Grund zur Sorge vor dem Mega-GAU? Noch nicht! Denn die Chancen auf das Weiterkommen sind weiter gut, zumal die starken Spanierinnen eine unglaubliche Galavorstellung boten.
„Das war heute natürlich unvorteilhaft, aber es war auch ein kleiner Wake-up Call für uns. Die Fans können von uns erwarten, dass wir morgen rauskommen und alles in unserer Kraft tun werden, um dieses Spiel zu gewinnen“, zeigte sich Kapitänin Marie Gülich kämpferisch.
Und auch Fiebich versprach Besserung: „Die Stimmung darf bei solch einem Event gar nicht erst in den Keller gehen, bei so vielen Leuten, die hier hinkommen und uns unterstützen. Da gibt es die Option gar nicht.“
Fans beeindrucken das DBB-Team
Speziell den deutschen Fans ist das Team eine deutliche Leistungssteigerung auch schuldig. Denn trotz des enttäuschenden Auftrittes standen die Zuschauer für 40 Minuten hinter dem Team. Es gab kein Murren, keine Pfiffe oder kein Buhen. Stattdessen wurde trotz eines deutlichen Rückstandes jede gute Aktion bejubelt.
„Was mich beeindruckt hat ist, dass die Fans uns weiter unterstützt haben, obwohl wir wirklich nicht gut gespielt haben. Da hat sich Deutschland ganz schön verändert. Früher wären wir ganz sicher nicht bejubelt worden, wenn wir verloren haben. Aber speziell in solchen Momenten die Fans hinter sich zu spüren ist beeindruckend und wird uns auch für morgen unglaublich viel Kraft geben“, lobte Olaf Lange.
Sabally-Rückkehr macht Hoffnung auf mehr
Gut für den Bundestrainer: WNBA-Star Sabally konnte nach ihrer Wadenverletzung mehr spielen als zunächst gedacht. Die Berlinerin stand knapp 17 Minuten auf dem Feld.
„Ich bin optimistisch, dass sie von Spiel zu Spiel noch besser wird, weil ihr aktuell einfach die Spielpraxis fehlt. Sie hat die Belastung sehr gut vertragen. Es gab keine Probleme mit dem Körper“, freute sich Lange.
Eine starke Sabally wird es am Samstag gegen Japan (ab 18 Uhr im LIVETICKER) auch brauchen, denn speziell in der Zone muss Deutschland gegen die kleiner gewachsenen Japanerinnen dominieren. Wenn die 26-Jährige denn überhaupt spielen kann. Nach ihrer hartnäckigen Verletzung wird erst kurzfristig entschieden, ob das Risiko eines harten Back-to-Back-Spiels überhaupt eingegangen wird.
Vorsicht vor selbstbewussten Japanerinnen
Klar ist, dass die Defensive an der Dreierlinie deutlich besser werden muss. Spanien bekam viele offene Würfe. Das könnte sich gegen die Japanerinnen, die zum Auftakt 20 Dreier trafen und damit einen neuen WM-Rekord aufstellten, rächen.
Ganz besonders gefährlich ist Saki Hayashi. Die Shooting Guard traf beim Sieg gegen Mali unglaubliche neun Dreier und knackte ebenfalls einen über 20 Jahre alten WM-Rekord.
Durch den Sieg strotzt Japan nur so vor Selbstvertrauen, wie Trainer Corey Gaines nach dem Spiel auf SPORT1-Nachfrage verriet: „Dieses erste Spiel hilft uns wirklich sehr. Ich hätte nicht gerne zum Start gegen Deutschland gespielt. Meine Gedanken sind so: Wir haben heute gegen Mali gespielt, Deutschland spielt heute noch. Normal spielen wir im zweiten Spiel noch schneller als im ersten Spiel und wir spielen morgen schon wieder. Was hätte ich mir Besseres wünschen können? Deutschland kann sich nicht ausruhen und wir werden bereit sein und schnell spielen.“
Deutschland muss also gewarnt sein, damit aus der so großen Euphorie nicht doch das große Entsetzen wird. Gegen Japan braucht es eine klare Leistungssteigerung, um einen drohenden Super-Gau bei der Heim-WM abzuwenden.
Denn leichter wurde die Aufgabe am Samstag nicht: Durch den sensationellen Sieg von Mali gegen Spanien (82:73) war Deutschland zwischenzeitlich sogar letzter in Gruppe A. Bei der WM erreichen nur die Gruppenersten direkt das Viertelfinale. Die Teams auf den Plätzen zwei und drei müssen in eine Playoff-Runde, der Vierte scheidet aus.