Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) legt seine Posten im Aufsichtsrat und Verwaltungsbeirat des FC Bayern München mit sofortiger Wirkung nieder und wird die bisherigen Einkünfte aus diesen Funktionen spenden. Dies kündigte Reiter am Mittwochvormittag in einer Pressemitteilung an.
Bayern-Gelder: Münchens OB zieht Konsequenz
Bayern-Gelder: Reiter zieht Konsequenz
„Das Vertrauen der Münchnerinnen und Münchner steht für mich über allem“, stellte Reiter klar und erklärte, die Entscheidung sei ihm „als Bayern-Fan seit Kindheit definitiv nicht leicht gefallen“.
Wochenlange Kritik der Öffentlichkeit führte am Sonntag dazu, dass Reiter bei der Kommunalwahl ein überraschend niedriges Ergebnis von 35,6 Prozent aufwies. Vor sechs Jahren errang er im ersten Wahlgang noch 47,9 Prozent.
Am 22. März muss er sich bei einer Stichwahl nun gegen seinen derzeitigen Stellvertreter Dominik Krause (Bündnis 90/Die Grünen) behaupten, der 29,5 Prozent der Stimmen erhalten hatte.
Reiter will 90.000 Euro spenden
Aufgekommen war die Debatte um Reiter, die nun zur Niederlegung seiner Ämter führte, im Februar. Damals wurde der Oberbürgermeister als neuer Vorsitzender des Verwaltungsbeirats des FC Bayern bestimmt.
Bereits seit 2019 war Reiter Mitglied im Verwaltungsbeirat des deutschen Rekordmeisters. Eigenen Angaben zufolge habe er seit Ende 2021 für diese Mitgliedschaft 90.000 Euro erhalten, die er versteuert habe. Jetzt kündigte er aber an, „den gesamten Betrag“ an die sozialen Projekte „Mini München“ und „Bunt kickt gut“ spenden zu wollen.
„Das Vertrauen der Münchnerinnen und Münchner ist mir wichtiger als Mandate oder Vergütungen“, schilderte Reiter und merkte an: „Ich hoffe sehr, dass das durch diese Entscheidung deutlich wird.“
Keine Genehmigung: Reiter droht Disziplinarverfahren
Mitglied des Beirats ist auch der CSU-Landtagsabgeordnete Josef Schmidt. Auf der Internetseite des Landtags hatte er veröffentlicht, dass er als Verwaltungsbeirat 20.000 Euro pro Jahr bekomme.
Die Linke im Stadtrat hatte folglich den Druck auf Reiter erhöht und am Donnerstag gefragt, wie es um die Vergütung von Reiter stehe. Noch am selben Tag gab er schließlich zu, seit Ende 2021 ebenfalls 20.000 Euro pro Jahr bekommen zu haben.
Ein Umstand, der Reiter noch zum Verhängnis werden könnte, da sich Beamte Nebentätigkeiten ab einer Vergütung von 10.000 Euro pro Jahr genehmigen lassen müssen. Reiter, der als Oberbürgermeister den Status eines kommunalen Wahlbeamten besitzt, besaß eine solche Genehmigung nicht und könnte somit gegen seine Dienstpflichten verstoßen haben. Die Regierung von Oberbayern prüft deshalb die Einleitung eines Disziplinarverfahrens.
Dem Beratungsgremium des FC Bayern gehören unter anderem auch Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) und Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) an. Beide erhalten für ihre Tätigkeiten allerdings keine Vergütung.
Reiter erhielt auch einen Sitz im Aufsichtsrat des FC Bayern
Mit der Wahl zum Vorsitzenden des Verwaltungsbeirats war für Reiter auch ein Sitz im Aufsichtsrat der FC Bayern München AG verbunden. Trotz mehrerer Nachfragen aus dem Stadtrat und den Medien gab Reiter bisher jedoch nicht bekannt, wie viel Geld er für diese Funktion erhalten sollte.
Während einer Vollversammlung des Stadtrats am vergangenen Mittwoch erklärte er laut der Süddeutschen Zeitung lediglich: „Ich kann gar nicht sagen, ob und in welcher Höhe es eine Aufsichtsrats-Entschädigung gibt.“ Laut Jahresabschluss der FC Bayern AG erhielten die neun Mitglieder im Geschäftsjahr 2024/2025 insgesamt 680 000 Euro pro Jahr.
In seiner Pressemitteilung kündigte Reiter abschließend an, dass „die Informationen zu allen weiteren Fragen bezüglich des FC Bayern“ gesammelt würden und später „in der Beschlussvorlage für den Stadtrat sowie gegenüber der Regierung der Oberbayern beantwortet“ werden.