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Darts-Boykott? Verband reagiert auf Drohungen

Verband reagiert auf Boykott-Drohung

Jonny Clayton und Gary Anderson drohen mit dem Boykott der European Tour, wenn sich an der langen Wartezeit an den Flughäfen nichts ändert. Die PDC Europe kann den Ärger der Darts-Stars verstehen, reagiert aber gelassen auf die jüngsten Aussagen.
Die verbliebenen vier deutschen Starter beim German Darts Grand Prix präsentieren sich am Ostersonntag in starker Form. Nicht für alle reicht es zum Sieg - aber ausgerechnet ein Außenseiter bringt mit einem Beinahe-9-Darter die Halle in München zum Kochen.
Jonny Clayton und Gary Anderson drohen mit dem Boykott der European Tour, wenn sich an der langen Wartezeit an den Flughäfen nichts ändert. Die PDC Europe kann den Ärger der Darts-Stars verstehen, reagiert aber gelassen auf die jüngsten Aussagen.

Das lange Warten an Flughäfen bei den Grenz- und Passkontrollen sorgt bei einigen Darts-Stars aus Großbritannien für Ärger. Mit Jonny Clayton und Gary Anderson haben zwei große Namen schon mit dem Boykott der European Tour gedroht, wenn sich daran nichts ändert. Der Chef der PDC Europe, Werner von Moltke, reagiert bei SPORT1 auf die zuletzt immer größer werdende Thematik.

„Es ist angekommen und es sind auch nicht die einzigen, die es betrifft. Michael Smith beispielsweise hatte auch Probleme mit der Einreise nach Deutschland“, verriet er am Rande des German Darts Grand Prix (Über Ostern LIVE auf SPORT1).

Darts-Ärger: „Boykott ist ein großes Wort“

Von Moltke erklärte, dass es diesbezüglich zuletzt Themen beim Zoll gegeben hat, aber er auch nichts Genaueres darüber wisse. „Boykott ist ein großes Wort. Es sind Leute, die aus der Verärgerung etwas herauslassen und das geht immer sehr schnell“, meinte der PDC Europe Chef zu den jüngsten Aussagen der beiden Topstars.

Sie hatten sich unabhängig voneinander über die sehr langen Wartezeiten an den Grenz- und Passkontrollen beklagt und angedroht, nicht mehr auf der European Tour zu erscheinen, wenn sich die Situation an den Flughäfen nicht verändert.

„Ich glaube nicht, dass es mal so dramatisch sein wird. Natürlich ist es ein Ärgernis, aber letztlich ist es immer noch ihr Beruf. Ich gehe nicht davon aus, dass die großen Spieler ihren Beruf nicht mehr ausüben wollen“, zeigte sich von Moltke. Er könne die Spieler aber verstehen: „Vor allem bei den Premier-League-Spielern, die eigentlich gar keinen freien Tag mehr haben. Da nervt das natürlich.“

Brexit? „Das ist eine der negativen Folgen“

Schuld an den Problemen ist der vor über sechs Jahren durchgeführte Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union (Vorgang unter ‚Brexit‘ bekannt, Anm. d. Red.), wodurch es zu den längeren Wartezeiten an den Grenz- und Passkontrollen kommt.

„Viele haben den Brexit nicht begrüßt und verfluchen ihn. Das ist eine der negativen Folgen. Für Leute, die viel hin und her reisen, ist das sehr nervig. Das ist bei den PDC-Verantwortlichen und den Spielern der Fall“, schilderte der PDC Europe Chef, aber unterstrich: „Wir haben keine Angst, dass die European Tour an ihrem Charme verliert.“

Beim German Darts Grand Prix in München über das Osterwochenende sind mit Luke Littler, Luke Humphries, Stephen Bunting, Gerwyn Price, Gary Anderson und Chris Dobey sechs Top-16-Spieler nicht an den Start gegangen. Von Moltke erklärte, dass dies am persönlichen Stress der Spieler liege. Vor allem die Premier-League-Spieler wie Littler, Humphries, Bunting und Price hätten kaum noch einen Tag mehr zu Hause bei ihren Familien.

European Tour „wird immer ihren Charme haben“

„Es ist klar, dass Spieler dieses Kalibers die Turniere auswählen müssen. Nach einem Premier-League-Spieltag dann nochmal am Wochenende in eine andere Stadt zu reisen, um dadurch die Familie fünf oder sechs Tage nicht zu sehen, ist anstrengend“, kann von Moltke die Absagen verstehen.

Dennoch stellte er klar, dass die European Tour immer größer werde und eigentlich, wie ein Major-Event sei. „Sie wird immer ihren Charme haben. Nicht umsonst sagt Dan Dawson (Englischer Journalist und PDC-Kommentator, Anm. d. Red.) immer: ‚Die European Tour ist die beste Turnierserie in der Welt des Sports.‘ Da führt kein Weg vorbei.“

Von Moltke ergänzte, dass sich die PDC Europe nicht in die Reisekalender der Spieler einmische. „Wir stellen einen breiten Kalender zur Verfügung. Um Profisport zu entwickeln, musst du den Spielern jede Woche die Möglichkeit geben, mit ihrem Beruf Geld verdienen zu können“, betonte er und meinte abschließend: „In anderen Sportarten ist das nicht möglich. Das unterscheidet uns von den großen olympischen Sportarten. Wir haben den Ansatz, eine Plattform und eine Infrastruktur zu bieten, und was dann jeder daraus macht, ist jedem selbst überlassen.“