Eigentlich hätten die ersten zwei Wochen bei der Darts-WM in London für Callan Rydz kaum besser laufen können: In der zweiten Runde hat er einen Nervenkrimi gegen Daryl Gurney (3:2) für sich entschieden und sich damit wohl ab Beginn des kommenden Jahres wieder einen Platz in den Top 40 der Welt gesichert.
Darts-WM: Für ihn ist das Turnier zum zweiten Mal tragisch überschattet
Die tragische Geschichte des „Riot“
Doch all das ist Rydz derzeit egal. Seine Gedanken sind fernab des Ally Pally. Bei seinem Opa. Denn der Mann, der ihn zum Darts brachte, ist nicht mehr da. Verstorben, nur wenige Stunden nachdem er den zweiten Sieg seines Enkels bei der WM 2026 noch am Tablet im Krankenhaus verfolgt hatte.
Was für den ohnehin sensibel auftretenden Rydz nach seinem Zweitrundenmatch passierte, erschütterte ihn im Innersten. So wurde aus dem traditionellen, weihnachtlichen Pub-Besuch mit seinem Opa ein Weihnachtsfest der Bestürzung.
Trauer während Darts-WM: Rydz mit emotionalem Post
In einem emotionalen Post auf Instagram, in dem der 27-Jährige mehrere private Bilder mit seinem Großvater teilte, schrieb er: „Weihnachten war ohne dich nicht dasselbe, mein Freund. Es gibt nicht genug Worte, um zu beschreiben, wie sehr mich das getroffen hat. Ich werde mein Bestes geben, um dich stolz zu machen, mein großer Freund. Ich liebe dich, mein bester Freund.“
Das Siegerinterview mit SkyUK musste Rydz bereits abbrechen, die Emotionalität und Trauer übermannten ihn. Auch im TV-Gespräch mit SPORT1 wirkte er sichtlich mitgenommen.
Es ist die Schere zwischen sportlicher Leistung, dem Streben nach Erfolg und dem Zulassen der Trauer. Doch wie geht Rydz selbst mit dem Trauerfall um? Ausgerechnet ein möglicher WM-Gegner, vor allem aber guter Freund, steht ihm zur Seite: Luke Woodhouse. „Callan kommt morgen vorbei. Er macht eine harte Zeit durch. Es wird schön, ihn zu sehen“, erzählte der Engländer am Samstagabend bei SPORT1. Aufbauen, ablenken, Trauerarbeit leisten.
Rydz durchlebt Trauer nicht zum ersten Mal
Dass Rydz dieses Schicksal nicht zum ersten Mal durchleben muss, ist tragisch. Bereits unmittelbar vor der WM 2021 verlor „The Riot“ seine Oma, zeigte sich schon damals schwer getroffen und kämpfte in diversen Medienrunden mit den Tränen. Das enge Verhältnis zu seinen Großeltern emotionalisiert zudem: „Sie haben mich zum Dartsport gebracht. Alles, was ich tue, tue ich für sie“, sagte Rydz einmal.
Auch am Montagabend bei der 1:4-Niederlage gegen Josh Rock wirkte er emotional angefasst. „Der ist wie in Trance. Der ist mit den Gedanken woanders“, sagte SPORT1-Experte Robert Marijanovic über Rydz. Passend dazu auch sein Abgang. Nach dem Spiel hatte man als Zuschauer das Gefühl, als könne er die Bühne nicht schnell genug verlassen.