Der frühere Eishockey-Nationalspieler Yannic Seidenberg blickt kritisch auf seine inzwischen verbüßte Dopingsperre zurück. Im SPORT1-Podcast Deep Dive machte er nun deutlich, dass er die lange Auszeit bis heute nicht vollständig nachvollziehen kann.
"Ich weiß, dass ich es nicht bewusst gemacht habe"
Doping? Ex-Nationalspieler deutlich
„Ich weiß, dass ich es nicht bewusst gemacht habe. Habe ich einen Fehler gemacht? Ja. Aber bin ich deshalb schuld, dass ich zweieinhalb Jahre zuschauen muss? Ich weiß es nicht. Ich würde sagen: nein“, betonte der 42-Jährige offen.
Seidenberg war kurz vor Beginn der DEL-Saison 2022/23 während seiner Zeit beim EHC Red Bull München nach einem positiven Dopingtest suspendiert worden. Im November 2023 folgte die Sperre: vier Jahre, rückwirkend ab September 2022.
Der Olympiasilber-Gewinner von 2018 akzeptierte die Sanktion sowie einen Strafbefehl. Nach einer Einigung mit NADA und WADA wurde die Strafe zwar um 18 Monate verkürzt, am Ende stand dennoch eine Zwangspause von zweieinhalb Jahren.
Der Auslöser der positiven Probe lag in einer Behandlung aus dem Jahr 2021. Damals kämpfte Seidenberg mit Depressionen und suchte medizinische Hilfe. Ein Arzt verschrieb ihm stimmungsaufhellende Mittel, ohne ihn allerdings nach eigener Aussage auf mögliche Risiken für Leistungssportler hinzuweisen. „Der Arzt hat mir eine homöopathische Creme aus der Yamswurzel empfohlen, die alles wieder regulieren würde“, berichtete Seidenberg: „Die habe ich mir abends auf den Arm geschmiert.“
Eishockey: Seidenberg kehrte nach Dopingsperre noch einmal zurück
Was Seidenberg nicht wusste: Die Substanz enthielt Testosteron, einen verbotenen Wirkstoff im Sport. Für den ehemaligen Nationalspieler hatte das drastische Folgen: Es kam zu einer Hausdurchsuchung.
Dabei sei ihm anfangs noch gar nicht bewusst gewesen, etwas Unerlaubtes eingenommen zu haben. Erst als das Thema Doping erstmals konkret zur Sprache kam, zog Seidenberg die Verbindung. Später konfrontierte er den behandelnden Arzt: „Ich habe ihn gefragt, ob ihm eigentlich bewusst ist, dass er gerade mein Leben zerstört hat.“
Sportlich kehrte Seidenberg erst Anfang 2025 aufs Eis zurück. Bei den Kassel Huskies aus der DEL2 nahm er im Januar wieder das Training auf und erhielt im Februar einen Vertrag bis Saisonende 2024/25. In den Playoffs feierte der Routinier schließlich sein Comeback nach fast drei Jahren Pause. Im darauffolgenden Sommer zog er aber endgültig einen Schlussstrich unter seine Karriere.