Am letzten DEL-Spieltag geht es für die Augsburger Panther und die Düsseldorfer EG um alles. Nach dem 5:1-Sieg der Panther im direkten Duell am Dienstag haben sie die bessere Ausgangslage, doch der Klassenerhalt ist noch nicht gesichert.
„Eine verzwickte Situation“
Während Augsburg am Freitagabend bei den Iserlohn Roosters antritt, empfängt die DEG die Grizzlys Wolfsburg (ab 19.30 Uhr im LIVETICKER) – es kommt zum Fernduell um den vorletzten Platz in der Liga.
Einer, der die brisante Situation bestens einschätzen kann, ist Christoph Ullmann. Der ehemalige Nationalspieler und frühere Spieler der Augsburger Panther war am Dienstag vor Ort und hat sich selbst ein Bild von den beiden Teams gemacht.
Im Interview mit SPORT1 spricht er über den Druck im Abstiegskampf, die Ausgangslage beider Mannschaften und den Wechsel von Nico Sturm in der NHL.
SPORT1: Sie waren am Dienstag beim direkten Duell der Düsseldorfer EG und Augsburg Panthers vor Ort. Wie haben Sie die Stimmung im Umfeld wahrgenommen? Glauben Sie, dass die Mannschaften heute mental bereit sind für das Fernduell gegen den Abstieg?
Christoph Ullmann: Auf jeden Fall sind beide Mannschaften bereit für das, was da ansteht. Das ist eine besondere Situation, die du so als Sportler bisher wahrscheinlich noch nicht hattest. Von jedem einzelnen Spieler ist das Ziel immer Playoffs – du greifst immer nach oben. Dass du jetzt am letzten Spieltag so mit dem Rücken zur Wand stehst, erfordert schon ganz schön viel von den Spielern. Augsburg hat am vergangenen Dienstag das bessere Spiel der beiden Mannschaften gemacht. Auch in der in der Höhe verdient gewonnen, obwohl sie ein bisschen Startschwierigkeiten hatten. Für mich wirken beide Mannschaften so, dass sie den Kampf annehmen und dass sie auch bereit sind für diese überlebenswichtige Aufgabe.
SPORT1: Sehen Sie Augsburg in der besseren Ausgangssituation?
Ullmann: Es ist tatsächlich eine verzwickte Situation, weil Augsburg am Dienstag im Heimspiel gegen Düsseldorf von den eigenen Fans einen wahnsinnigen Euphorie-Schub bekommen hat. Augsburg ist ein bisschen holprig ins Spiel gestartet, waren dann 1:0 hinten, aber sind dann völlig nach vorne gepeitscht worden. Augsburg spielt heute auswärts, was natürlich schon ein Faktor ist und sie spielen gegen eine Mannschaft die nichts mehr zu verlieren hat, also für die es um überhaupt nichts geht, die komplett locker und befreit aufspielen kann. Das macht die Sache auf der einen Seite vielleicht ein bisschen einfacher, weil du einen Gegner auf der anderen Seite hast, für den es um nichts mehr geht. Auf der anderen Seite hast du aber auch die Iserlohn Roosters, die natürlich einen tollen Saisonabschluss mit ihren eigenen Fans feiern wollen, weil die ja auch erst letzte Woche den Kopf aus der Schlinge gezogen haben. Von daher liegt es aus meiner Sicht wirklich einzig und allein am AEV, dem Spiel den Stempel aufzudrücken und das Spiel auch von Anfang an mit hoher Intensität, hoher Laufbereitschaft, Körperspiel, Druck zum Tor auf ihre Seite zu ziehen.
SPORT1: Düsseldorf muss jetzt gegen Wolfsburg ran, die noch um die Playoffs kämpfen. Wie schätzen Sie die Situation für die DEG ein?
Ullmann: Düsseldorf hat vor zwei Spielen einen Sieg vor heimischer Kulisse gefeiert - ein Sieg nach Verlängerung gegen die Nürnberger Ice Tigers. Da hat Düsseldorf auch gemerkt, wie wichtig es ist, zu Hause vor heimischen Publikum zu gewinnen und auch das Gefühl zu Hause zu haben, ein Spiel erfolgreich gestalten zu können. Jetzt ist Düsseldorf mit der Auswärtsniederlage angefressen, aber heute wahrscheinlich vor ausverkaufter Hütte wieder extrem motiviert - auch mit dem Wissen, die eigenen Fans im Rücken zu haben. Auf der anderen Seite halt den Gegner gegenüber zu haben, die auch noch mal alles in die Waagschale schmeißen müssen, weil es für die um die Playoffs geht.
Die Frage ist für beide Teams: Wer von den Jungs hat den Charakter? Wer von den Jungs ist derjenige, der dann auch die Verantwortung übernehmen will? Der dem Druck am Schläger haben will, der sich dann auch bereit erklärt, den Schuss nehmen zu wollen, um da wirklich Verantwortung zu übernehmen.
SPORT1: In den letzten zwei Jahren hatte Augsburg Glück, weil es keinen sportlichen Absteiger gab. Dieses Jahr scheint es anders zu sein. Wie verändert diese Ausgangslage den Showdown heute Abend?
Ullmann: Die Situation, dass es dieses Jahr fünf Teams sind unter den Top 6 in der DEL 2, die hochwollen, gestaltet die ganze Situation in diesem Jahr dann so: Wer heute in diesen großen Abstiegsshowdown dann als Verlierer vom Eis geht, wird sehr wahrscheinlich auch die Segel in der DEL streichen müssen und dann auch tatsächlich runtergehen. Das erschwert die ganze Thematik und macht das Ganze aber auch so extrem spannend.
SPORT1: Was bedeutet ein Abstieg für einen der beiden Vereine aus der Liga - auch für die DEL?
Ullmann: Was die Liga auf jeden Fall verlieren wird, egal ob Augsburg oder die DEG, ist ein absoluter Traditionsverein - da ist so viel Historie drin. Augsburger EV ist Gründungsmitglied der Deutschen Eishockey Liga. Die DEG hat einige Meistertitel gefeiert und eine wahnsinnige sportliche Historie in der DEL. Wenn ich da an das Derby gegen Köln denke, würde da ein ganz, ganz großes Gesicht verloren gehen.
Es ist nicht nur eine Stecknadel auf irgendeiner Landkarte - einer Eishockey-Landkarte - sondern es wird definitiv einen riesengroßen Verlust geben. Ich habe auch in beiden Stadien sehr oft gespielt. Von meinem ersten Tag an in der Liga sowohl gegen Augsburg als auch gegen Düsseldorf und kann mir das fast gar nicht vorstellen, dass einer der beiden Klubs dann womöglich in der nächsten Saison nicht mehr dabei ist.
SPORT1: Nico Sturm ist in der NHL überraschend zu den Florida Panthers gewechselt. Wie bewerten Sie den Wechsel für ihn auch mit Blick auf seine Zukunft in der NHL?
Ullmann: Allein in der NHL zu spielen ist was ganz Besonderes. Ein neues Team bringt neue Herausforderung, aber doch auch immer wieder Chancen mit sich. Nico ist ein super Eishockeyspieler. Er weiß, was er kann. Wenn die Florida Panthers sich entschieden haben, ihn zu holen, dann hat es sicherlich auch Gründe. Ich glaube, wenn man von sich behaupten kann, zum einen in der NHL zu spielen, aber dann auch noch in Florida, würde ich aus deutscher Sicht sagen, gibt es definitiv schlechtere Standorte, um seinem Hobby und seinem Job nachzugehen. Also ich drücke ihm da für die Zukunft alle Daumen. Er hat bewiesen, was er kann, was er draufhat und ich freu mich darauf, ihn demnächst im Trikot der Florida Panthers zu sehen.