Moritz Seider nimmt kein Blatt vor den Mund. Das Team sei beim WM-Debakel gegen die Schweiz „schnell kollabiert“, sagte der Kapitän der Eishockey-Nationalmannschaft, es fehle „dieser Killerinstinkt“. Doch bei allem Frust betätigt sich der NHL-Star auch als Diplomat. Es gebe „genug Charaktere, die in solchen Momenten spielen wollen“.
Eishockey-WM: Moritz Seider zwischen Frust und Diplomatie
Sein Klartext soll Wirkung zeigen
Bei seiner zweiten Weltmeisterschaft mit dem „C“ auf der Brust zeigt der 25-Jährige, wie sehr er in den vergangenen Monaten gereift ist. Auf dem Eis in der NHL, wo er sich zum vielleicht besten Allround-Abwehrspieler der Welt entwickelt hat, aber auch als Führungsfigur auf der anderen Seite der Bande, die den Buchstaben auf dem Trikot nicht mehr als Bürde empfindet.
Eishockey-WM: Seider machte Vorrunden-Aus 2025 schwer zu schaffen
Nach dem Vorrunden-Aus 2025 hatte Seider noch zugegeben, dass er sich als jüngster WM-Nationalmannschaftskapitän seit über 50 Jahren nicht immer wohl gefühlt habe. „Das erste Mal der zu sein, der es mit den Jungs nicht erreicht hat, wiegt gerade sehr schwer“, sagte er nach dem K.o. gegen den Außenseiter Dänemark und einer WM, bei der er „die Kacke am Schläger“ gehabt habe.
Damals, stellte auch Bundestrainer Harold Kreis fest, habe Seider ebenso wie NHL-Stürmer Tim Stützle zu viel gewollt, man habe ihnen zu erklären versucht, „dass sie die Spiele nicht alleine gewinnen können“.
Eishockey-WM 2026: Seider ärgert sich über Auftaktpleiten
Seider, der in der NHL gerade die beste Saison seiner Karriere bestritten hat, sagt selbst, er habe gelernt, „das manchmal weniger mehr ist“. Nicht nur auf dem Eis, wo er „nicht alles mit der Brechstange machen“ müsse, sondern eben auch daneben.
„Man lernt, Dinge anders anzugehen, auch mal nein zu sagen“, sagte er in Zürich, „nicht jedes Interview machen zu müssen“. Er wolle „die WM genießen“ und „etwas Tolles für den Eishockeysport tun“.
Der Genuss hielt sich bei den Niederlagen in den ersten drei Spielen allerdings in Grenzen. Wie sehr ihn das ärgert, lässt sich heraushören, wenn er sagt: „Das geht einfach nicht.“ Oder wenn er an die Professionalität seiner Teamkollegen appelliert, um „wieder in die Spur zu finden“.
Eishockey-WM 2026: Seider verspürt „sehr viel Spaß“
Doch Seider weiß, dass die anderen zu ihm aufblicken. Im Umfeld der Nationalmannschaft wird seine „positive“ Ausstrahlung selbst in kritischen Phasen gelobt. Dass er gerne für Deutschland spielt, ist bei ihm kein Lippenbekenntnis. Trotz Verletzung nach dem enttäuschenden NHL-Aus mit den Detroit Red Wings sagte er seine bereits sechste WM-Teilnahme nach Reha in Mannheim zu.
„Ich habe immer sehr viel Spaß“, sagte Seider, „weil es eine Seltenheit ist, dass du über einen so langen Zeitraum mit Jungs zusammenspielen kannst, die du schon seit der U16 kennst, mit denen du in Mannheim schon zusammengespielt hast. Es ist eine engere Verbindung da als mit den Teamkameraden aus Detroit.“
Dass andere Nationalspieler – teilweise aus weitaus geringeren Gründen – absagten, hat er registriert. Dennoch bleibt er diplomatisch. „Jeder versucht, jedes Jahr dabei sein zu können, den Status haben wir uns langsam erarbeitet“, erklärte er und nahm dann doch ein wenig das Blatt vom Mund: „Wenn jemand was hat, dann hat er meistens wirklich was.“
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