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DEB-Team wahrt Minimalchance

Jetzt hilft nur noch beten

Die deutsche Mannschaft erfüllt die Pflicht und hofft nun auf Schützenhilfe bei der Eishockey-WM.
Das DEB-Team gewinnt sein letztes Spiel in der WM-Gruppenphase deutlich gegen Großbritannien. Jetzt muss die deutsche Auswahl auf Schützenhilfe aus Ungarn hoffen.
Die deutsche Mannschaft erfüllt die Pflicht und hofft nun auf Schützenhilfe bei der Eishockey-WM.

Tore gegen den Frust: Mit einem Pflichtsieg hat die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft die WM-Vorrunde abgeschlossen – und sich höchstwahrscheinlich aus der Schweiz verabschiedet. Denn nach dem 6:3 (3:0, 1:1, 2:2) gegen den Auf- und Wiederabsteiger Großbritannien muss das Team von Bundestrainer Harold Kreis in Zürich auf einen Ausrutscher Lettlands am Dienstag (12.20 Uhr) gegen den Außenseiter Ungarn hoffen.

„Es ist eine sehr komische Situation für uns alle. Du hast deine Punkte geholt, jetzt heißt es abwarten und hoffen“, sagte Kapitän Moritz Seider, der zugab, „ein bisschen leer“ zu sein, bei ProSieben.

„Am Ende ist einfach wichtig, dass wir die drei Punkte geholt haben. Es wären vielleicht noch ein paar Tore mehr drin gewesen“, analysierte Leon Gawanke bei MagentaSport: „Jetzt müssen wir abwarten. Morgen werden wir alle Fern gucken und auf die Ungarn hoffen.“  

Ein Sieg der Ungarn erscheint aber alles andere als wahrscheinlich. Bisher konnten diese nur gegen die schon abgestiegenen Briten gewinnen.

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Eishockey-WM: Seider kritisiert sich und Mitspieler

Nur bei einem ungarischen Sieg ginge es im Mannschaftsbus weiter zum Viertelfinale nach Fribourg, wo am Donnerstag Rekordweltmeister Kanada mit Superstar Sidney Crosby wartet. Viel realistischer ist aber, dass die Spieler am Dienstag auf dem schnellsten Weg das Weite suchen – im Auto, Zug oder Flugzeug mit der dritten Turnier-Enttäuschung in Folge im Gepäck.

Der Frust darüber ist groß bei Deutschland. Ganz speziell Kapitän Moritz Seider haderte deutlich. Sein Fazit bei MagentaSport: „Vielleicht nicht komplett verschenkte Zeit, aber ich glaube, wir haben uns sehr viel vorgenommen und werden unserem Standard leider nicht gerecht. Wir haben in jedem Spiel viel zu viele individuelle Fehler gemacht. So kannst du auf internationalem Level nicht überleben und nicht gewinnen.“

„Du gewinnst nur gegen die vermeintlich schwächeren Gegner und dann soll die Welt wieder gut aussehen? Das ist einfach nicht die Realität und einfach nur sehr, sehr bitter. Es war eigentlich ein sehr guter Kern in der Kabine, aber mit so vielen Geschenken an die Gegner kannst du nicht hoffen, weiterzukommen“, ärgerte sich Seider.

Der NHL-Star nahm sich anschließend auch deutlich selbst in die Pflicht: „Jeder einzelne muss sich kritisch hinterfragen. Das muss bei mir losgehen und ich hoffe, das macht jeder einzelne auch. Wir haben nächstes Jahr ein sehr großes Privileg mit einer unglaublich tollen Chance zu Hause in die richtige Spur zu kommen. Da hoffe ich, dass das jeder auch so macht.“

Buhrufe begleiten DEB-Team

Allgemein ist die Stimmung rund um das deutsche Team nach der enttäuschenden WM nicht gut. Der Gegenwind für Kreis wurde schon in Zürich schärfer. Bei der Vorstellung der Mannschaft vor dem Spiel begleiteten Buhrufe der deutschen Fans seinen Namen. Ob der 67-Jährige bei der Heim-WM im kommenden Jahr in Düsseldorf, Mannheim und auf Schalke noch an der Bande stehen darf, ist äußerst fraglich.

Vor der tristen Kulisse von rund 4000 Zuschauer sorgten der Schwenninger Alexander Karachun (14.), der für den verletzten Daniel Fischbuch nachgereist war, der Berliner Frederik Tiffels (20.), der Münchner Fabio Wagner (20.), Eisbär Andreas Eder (23.), NHL-Stürmer Joshua Samanski (41.) und der Mannheimer Leon Gawanke (50.) immerhin für den dritten Sieg in Folge. Für die Briten trafen Robert Dowd in seinem letzten Länderspiel (25.), Ollie Betteridge (51.) und Robert Lachowicz (55.).

Seider mit kritischer Bilanz

Schon vorher hatte Kapitän Moritz Seider eine kritische Bilanz gezogen. „Wir haben das Turnier vorher verloren, wir haben dem Gegner viel zu viel auf dem Silbertablett präsentiert. Sowas rächt sich“, sagte der NHL-Verteidiger und verwies auf schwache Leistungen und unnötige Niederlagen zu Beginn der WM. „Jetzt stehst du da und bibberst“, sagte Seider sichtlich verärgert, „das sollte nicht unser Anspruch sein.“

Vor allem die Pleiten gegen Lettland (0:2), laut Seider „ein absoluter Pflichtsieg“, und gegen die USA (3:4 nach Penaltyschießen), als die deutsche Mannschaft bis fünf Minuten vor Schluss noch 3:2 führte, taten am Ende weh. Auch Kreis machte keine gute Figur: Erst schaffte es der Bundestrainer nicht, sein Team rechtzeitig für die ersten Spiele vor allem in der Offensive in Schwung zu bringen.

Kreis-Zukunft ungewiss

Dann verzichtete er gegen die USA beim späten, äußerst umstrittenen Ausgleich auf eine Challenge, weil er glaubte, er könne sie nicht nehmen. Mit einem Sieg gegen die schwächste amerikanische Mannschaft seit der WM 2010, als der inzwischen dreimalige Olympiasieger in Köln beinahe abgestiegen wäre, hätte die DEB-Auswahl aus eigener Kraft das Viertelfinale erreicht.

Die Diskussion um Kreis‘ Zukunft hat Fahrt aufgenommen. Schon nach der Olympia-Enttäuschung von Mailand mit allen NHL-Stars um Leon Draisaitl war der Deutsch-Kanadier in die Kritik geraten. Die Frage, ob er vor dem Turnier im eigenen Land eine neue Euphorie entfachen könnte, beantworten inzwischen viele anders als noch bei seiner Vertragsverlängerung im Dezember. Die Begeisterung nach dem Silbercoup bei seinem WM-Einstand 2023 ist längst völlig verflogen.

mit Sport-Informations-Dienst (SID)