Als der Flieger von Stürmerstar Edin Dzeko am Mittwochabend um 21:04 Uhr in Düsseldorf landete, standen die Fans des FC Schalke 04 im Inneren bereits Schlange. Mit Sehnsucht warteten die Anhänger der Knappen auf Fotos und Unterschriften des wohl größten Zweitligatransfers aller Zeiten.
Eine Weltkarriere begann nach einer Kindheit im Krieg
Ein Weltstar auf Schalke
Dzeko kommt ablösefrei aus Florenz, unterschrieb bis zum Ende der Saison und löste in Gelsenkirchen wohl die größte Transfereuphorie seit der Verpflichtung von „Senor“ Raúl aus.
„Ich habe mich seit dem ersten Interesse sehr intensiv mit Schalke beschäftigt und mir einige Spiele angeschaut“, wurde Dzeko nach Bekanntgabe der Verpflichtung vom Verein zitiert. Während auch ein Telefonat mit Ex-Schalker und seinem Nationalmannschaftskollegen Sead Kolasinac Dzeko überzeugt haben soll, erklärte der Stürmer: „Die Gespräche mit den Verantwortlichen, Miron Muslic als Trainer und unter anderem natürlich Nikola Katic (beide ebenfalls bosnischer Herkunft, Anm. d. Red.) waren sehr gut.“
Schalke: Dzeko passt genau ins gewünschte Profil
Der technisch versierte, kopfballstarke und beidfüßige Bosnier füllt auf Schalke genau das Profil aus, das sich Muslic seit geraumer Zeit gewünscht haben soll. Medial war lange Zeit von einem „Philipp-Hofmann-Typ“ die Rede, der als große Option in der Spitze auch einmal Bälle festmachen kann.
Statt eines Spielers vom Format des aktuellen Bochum-Stürmers kommt nun jedoch – ohne Hofmann zu nahe treten zu wollen – ein echter Weltstar ins Ruhrgebiet.
„Viele Leute, die wussten, wo ich hätte hingehen können, haben gesagt: ‚Du bist krank‘“, erklärte Dzeko zu seinem Wechsel auf der Pressekonferenz am Donnerstag. Dennoch stellte er klar: „Ich bin nicht krank und zu 100 Prozent da.“ Auch den ersten Schritt auf dem Weg zum Wechsel habe er unternommen.
Dzeko: Eine Weltkarriere beginnt nach einer Kindheit im Krieg
Rund zwei Monate vor seinem 40. Geburtstag blickt Dzeko auf eine international erfolgreiche Karriere zurück, die bei vielen Fans nostalgische Gefühle hervorrufen dürfte, jedoch mit einer traumatischen Kindheit begann.
1986 in Sarajevo geboren, wuchs Dzeko mitten im Bosnienkrieg auf. „Während des Krieges gab es Zeiten, in denen ich aufhören musste, draußen Fußball zu spielen, weil die Sirenen losgingen und wir uns verstecken mussten“, blickte er 2018 bei The Players‘ Tribune zurück.
In einem verwüsteten Bosnien setzte sich die Karriere von Dzeko jedoch fort. „Ich erinnere mich, wie mein Vater mich zu meinem ersten Training bei Zeljeznicar brachte. Wir mussten zwei Busse und eine Straßenbahn nehmen. Es dauerte mehr als eine Stunde, und wir trainierten an einer Schule, weil das Stadion zerstört war“, erklärte er rückblickend.
Inmitten der Verwüstung habe Dzeko aber stets die Unterstützung seiner Eltern erhalten und es bei Zeljeznicar schließlich zum Profi geschafft. „Ich erinnere mich, wie ich mit 17 mit meinem Vater in einem Einkaufszentrum war. Ein ganz normaler Tag“, berichtete Dzeko, bis ihn plötzlich ein wegweisender Anruf des Klubs erreichte: „Morgen fährst du mit der ersten Mannschaft ins Trainingslager.“
Als Dzeko die Bayern entzauberte
Der Grundstein für eine Weltkarriere war gelegt und nach zwei Jahren in Tschechien schlug der talentierte Stürmer schließlich in der Bundesliga beim VfL Wolfsburg auf. Die Geschichten dieser Zeit dürften bis heute allen deutschen Fußballfans bekannt sein.
Schon in seiner zweiten Saison verhauten die Wölfe den Rekordmeister aus München und Dzeko schoss den VfL an der Seite seines ikonischen Sturmpartners Grafite mit 26 Toren und zehn Vorlagen in der Bundesliga zur sensationellen Meisterschaft. Beim legendären 5:1-Sieg gegen den FC Bayern traf Dzeko in der Rückrunde doppelt.
Egal ob Champions League oder Bundesliga, Dzeko netzte auch in den kommenden Jahren weiter und empfahl sich 2011 somit für einen Wechsel zu Manchester City, wo ihm gleich das nächste Kunststück gelang.
Am letzten Spieltag der Saison 2011/12 lag City in der Nachspielzeit völlig überraschend bei den abstiegsbedrohten Queens Park Rangers zurück und drohte, den ersten Titel des Klubs seit 44 Jahren ausgerechnet an den Stadtrivalen Manchester United zu verspielen.
Erster Titel seit 44 Jahren! Dzeko ließ auch City jubeln
Der berühmte „Aguerooooo“-Schrei im englischen Live-Kommentar, als der argentinische Stürmer in der vierten Minute der Nachspielzeit den 3:2-Siegtreffer zur Meisterschaft erzielte, geht in den sozialen Medien bis heute viral. Nur zwei Minuten zuvor war es allerdings Dzeko, der nach seiner Einwechslung den Ausgleich erzielte und den Coup erst ermöglichte.
„Citys erster Titel seit 44 Jahren, gewonnen auf diese Art? Verrückt. Dieses Spiel hat mir gezeigt, dass man im Fußball und im Leben niemals aufgeben darf. Wenn du aufgibst, bist du der tote Mann. Wir waren tot, und wir kamen aus dem Nichts zurück“, schilderte Dzeko bei The Players‘ Tribune die damaligen Ereignisse.
Auch in den Jahren darauf gehörte Dzeko zur Weltspitze und feierte Erfolge bei der AS Rom, Inter Mailand und Fenerbahce Istanbul, bevor er in dieser Hinserie für die AC Florenz auflief. Insgesamt 856 Pflichtspiele absolvierte der Stürmer für seine Klubs und erzielte dabei 371 Tore.
Dazu ist er bis heute Kapitän der Nationalmannschaft, führte diese zur WM 2014 und erzielte weitere 72 Tore. Seit 2000 konnten weltweit nur zehn Spieler für Klub und Nationalmannschaft häufiger treffen als der 1,93 Meter große Torjäger.
Schießt Dzeko Schalke zurück in die Bundesliga?
Bei Schalke steht er nun vor einer neuen Herausforderung: Erstmals wechselte Dzeko in eine unterklassige Liga. Beim deutschen Traditionsklub soll er die viertschwächste Offensive der 2. Bundesliga beleben, die Tabellenführung festigen und so im Optimalfall die Rückkehr ins Oberhaus perfekt machen.
In dieser Saison musste Dzeko zuletzt aber mit einer Fußverletzung pausieren und kam in Florenz oft nicht über eine Joker-Rolle hinaus. In 18 Spielen erzielte er je ein Tor in der Conference League und der Qualifikation für den Wettbewerb.
Aus dem enttäuschenden Jahr in Florenz habe Dzeko aber seine Lehren gezogen. „Das ist auch eine andere Erfahrung, dass man passen muss. Ich bin jetzt hier und schaue nur nach vorne. Jetzt will ich nur Schalke helfen und nicht mehr zurückblicken“, stellte er klar.
Dzeko hat das Toreschießen nicht verlernt
Dass der ehemalige Torschützenkönig der Bundesliga, Serie A und Europa League aber auch im Herbst seiner Karriere noch weiß, wo das Tor steht, bewies er zwischen 2023 und 2025 für Fenerbahce, wo er in 99 Spielen auf 46 Tore und 18 Vorlagen kam.
In der Champions League spielte er noch 2023 57 Minuten für Inter im Finale gegen Manchester City und erzielte zuvor im Halbfinale einen wichtigen Treffer.
Angesprochen auf sein fortgeschrittenes Alter zeigte sich Dzeko selbstbewusst. „Für mich ist das Einzige, was zählt, auf dem Platz. Klar, ich bin 39. In zwei Monaten werde ich 40, das ist auch wahr“, meinte er und erklärte: „Auf dem Platz muss man 100 Prozent geben und dann werden die Leute vielleicht nicht mehr über mein Alter reden, sondern über etwas anderes.“
Großer Schalke-Hype um Dzeko
Schon am Donnerstagmittag absolvierte Dzeko individuell die ersten Schritte im königsblauen Trainingsdress, während sich die Fans bereitmachten, die Fanshops zu stürmen und ein Trikot der neuen Nummer 10 zu ergattern.
Am Sonntag (13.30 Uhr im LIVETICKER) könnte Dzeko gegen den 1. FC Kaiserslautern debütieren, nachdem er am Freitag erstmals vor mehr als 1.000 Fans mit der Mannschaft trainierte. Dennoch sagte der Stürmer: „Wir müssen erstmal sehen, was der Trainer geplant hat.“
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