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"Sein Schuss ist brutal": Torwart-Juwel schwärmt von Karl

DFB-Torwart schwärmt von Karl

Dennis Seimen hat entscheidenden Anteil an der starken Saison des SC Paderborn. Im Interview mit SPORT1 spricht der Torwart über die bisherige Spielzeit, seine anstehende Rückkehr nach Stuttgart und die "goldene Generation" beim DFB.
Leihspieler Dennis Seimen überzeugt beim SC Paderborn 07 auf ganzer Linie. Der vom VfB Stuttgart ausgeliehene Keeper spielt eine starke Saison. In Deutschland gilt Seimen längst als eines der vielversprechendsten Torwarttalente.
Dennis Seimen hat entscheidenden Anteil an der starken Saison des SC Paderborn. Im Interview mit SPORT1 spricht der Torwart über die bisherige Spielzeit, seine anstehende Rückkehr nach Stuttgart und die "goldene Generation" beim DFB.

Bevor das Interview beginnt, nimmt sich Dennis Seimen einen Moment Zeit, um seinen kleinen Hund zu knuddeln. In den folgenden eineinhalb Stunden steht aber ausnahmsweise nicht der Maltipoo im Mittelpunkt, sondern sein Besitzer. Der deutsche U21-Torhüter gewährt SPORT1 Einblicke in sein Wohnzimmer – die Home Deluxe Arena –, führt durch das Herzstück der Mannschaft, die Kabine, und spricht offen über sein neues Leben in Paderborn.

Für den gebürtigen Schwaben war der Wechsel im Sommer von Stuttgart zum SCP alles andere als einfach. Doch der Schritt hat sich gelohnt: Mit dem SC Paderborn mischt der 20-Jährige mitten im Aufstiegsrennen der 2. Liga mit. Das Ziel ist klar definiert. Dennoch könnte für Seimen im Sommer bereits wieder Schluss sein im beschaulichen Paderborn.

Auch die Zukunft von Manuel Neuer dürfte seine mittelfristige Karriere beeinflussen. Bei SPORT1 spricht der Keeper über die laufende Saison, das Erwachsenwerden und eine „goldene Generation“ beim DFB. Besonders bei Lennart Karl gerät er ins Schwärmen. Bleibt nur die Frage: Liegt auch seine Zukunft dauerhaft im Tor des DFB?

SPORT1: Herr Seimen, Sie sind aktuell vom VfB Stuttgart an den SC Paderborn ausgeliehen. Wie fühlt sich Ihr Leben dort an?

Dennis Seimen: Für mich fühlt es sich tatsächlich schon ein bisschen wie eine neue Heimat an. Schneller als ich dachte. Am Anfang war es schon eine enorme Umstellung – neue Stadt, neuer Verein, neue Mannschaft. Gerade die Distanz zu meiner Familie. Das hatte ich zuvor noch nie. Umso wichtiger war es, dass meine Freundin mitgegangen ist. Ohne sie hätte ich ehrlich gesagt gar nicht gewusst, wie ich das alles so hinbekommen hätte.

Seimen: Große Veränderungen bereits als Teenager

SPORT1: Sie wechselten 2015 – im Alter von neun Jahren – vom Karlsruher SC zum VfB, spielten zehn Jahre dort. Wie schwer war der Wechsel in einen neuen Verein, in eine neue Mannschaft?

Seimen: Überhaupt nicht. Ich wurde super aufgenommen. Die Mannschaft hat mir direkt geholfen, mich zurechtzufinden, die Leute im Verein haben mir die Stadt gezeigt. Dadurch habe ich mich sehr schnell wohlgefühlt. Hier ist es idyllisch und ruhig, sehr familiär – das macht es natürlich besonders.

SPORT1: Zu ruhig für zwei junge Menschen?

Seimen: Für mich nicht. Ich glaube, dass es für junge Fußballer gar nicht so schlecht ist, wenn im Umfeld und in der Stadt vielleicht nicht immer Halligalli ist – zumindest im Hinblick auf die Karriere (lacht). Das Einzige, was mir hier fehlt, ist die Nähe zur Familie. Aber wir stehen fast täglich in Kontakt.

SPORT1: Sie sind im Sommer direkt Stammtorhüter geworden – als 19-Jähriger bei einem Zweitligisten. War das absehbar?

Seimen: Es kam ein neuer Trainer, vieles war offen. Ich habe mich auf meine Leistung konzentriert und wusste, was ich einbringen kann. Dass ich mir dann direkt den Platz erarbeitet habe, freut mich sehr.

Aufstiegsaussichten? „Wir wollen maximal erfolgreich sein“

SPORT1: Und sportlich läuft es – Stichwort Aufstiegskampf. Ihr steht aktuell auf dem Relegationsplatz, nur ein Pünktchen hinter Spitzenreiter Schalke 04. Wie klingt das?

Seimen: Wenn Sie das so sagen, klingt es natürlich besonders. Aber wir haben uns das als Mannschaft erarbeitet. Neue Mannschaft, neuer Trainer – da steckt immer Entwicklung drin. Wir hatten eine sehr gute Hinrunde und sind weiterhin oben dabei. Das ist ein gutes Zeichen, aber wir wollen mehr. Unser Anspruch ist klar: Wir wollen maximal erfolgreich sein.

SPORT1: Und persönlich – wie zufrieden sind Sie mit Ihrer Entwicklung? Sie standen in bisher allen 27 Ligaspielen auf dem Feld. 31 Gegentore, siebenmal zu Null gespielt.

Seimen: Dass ich so viele Spiele machen durfte, ist natürlich sehr wertvoll für meine Entwicklung. Ich genieße die Verantwortung und fühle mich in der Rolle wohl. Mit meinen Leistungen bin ich zufrieden, weiß aber auch genau, wo ich mich noch steigern kann.

SPORT1: Welchen Anteil haben Ihre Eltern an Ihrer bisherigen Karriere?

Seimen: Den größten. Meine Mutter hat selbst Fußball gespielt, sie hat diesen Aufwand von Anfang an verstanden. Aber vor allem haben meine Eltern unglaublich viel Zeit investiert, mich überall hingefahren, auf Schule und Fußball geachtet. Später bin ich ins Internat gegangen – das war für uns alle nicht einfach. Aber wir haben das gemeinsam geschafft.

Ist es schon Zeit für die Bundesliga-Rückkehr?

SPORT1: Im Sommer endet Ihre Leihe – planen Sie fix mit einer Rückkehr oder kann sich der SCP Hoffnung auf einen längeren Verbleib machen? Auch wenn das Ihre Eltern vielleicht nicht so gerne hören …

Seimen: Ich bin für ein Jahr ausgeliehen, deshalb ist der Plan grundsätzlich die Rückkehr. Aber ich habe hier noch einen Job zu erledigen. Alles Weitere wird man dann sehen.

SPORT1: Wie eng ist noch der Kontakt zum VfB Stuttgart?

Seimen: Natürlich gibt es den Austausch. Vor allem die Torwarttrainer schauen genau hin und melden sich auch immer wieder. Ich versuche natürlich jedes Spiel zu schauen. Stuttgart ist mein Heimatverein, da bin ich nach wie vor sehr verbunden.

SPORT1: Ihr großes Ziel ist die Bundesliga? Vielleicht schon im nächsten Jahr?

Seimen: Ich will immer das Maximum erreichen – und am liebsten natürlich in der Bundesliga spielen.

Neuer? „Ich bin bis heute fasziniert von ihm“

SPORT1: Haben Sie ein Vorbild?

Seimen: Ich bin mit der Generation von Manuel Neuer aufgewachsen. Er hat das Torwartspiel komplett verändert – ich bin bis heute fasziniert von ihm. Er ist definitiv mein Vorbild.

SPORT1: Als Sie geboren wurden, hat Neuer gerade seinen ersten Profivertrag unterschrieben …

Seimen: Das ist verrückt, das wusste ich gar nicht. Umso beeindruckender, dass er immer noch auf so einem Niveau spielt. Er gehört trotz seines Alters weiterhin zu den besten Torhütern der Welt.

SPORT1: Die Zukunft Ihres Vorbildes dürfte auch Ihre beeinflussen. Neuer könnte ja so etwas wie einen Dominoeffekt auslösen. Sollte er aufhören, könnte VfB-Keeper Alexander Nübel zurück nach München gehen und in Stuttgart ein Platz für Sie frei werden. Wie verfolgen Sie das?

Seimen: Natürlich lese ich darüber. Aber ich kann das ja nicht beeinflussen. Und meine Entscheidung ist das alles sowieso nicht. Die Verantwortlichen werden das intensiv beobachten und mir dann ihre Pläne mitteilen. Ich will einfach weiterhin meine Leistung bringen.

SPORT1: Sie tragen die Rückennummer 41 – hat die eine besondere Bedeutung?

Seimen: Das war meine erste Profinummer beim VfB. Als ich nach Paderborn kam, habe ich sie einfach wieder genommen. Sie wird für mich immer etwas Besonderes bleiben.

Profi-Keeper pflegt strikte Rituale

SPORT1: Erinnern Sie sich noch an Ihr Profidebüt?

Seimen: Ja, ich war extrem aufgeregt. Das war schon beim ersten Spiel in der 3. Liga so – und in der 2. Liga war es nochmal verrückter.

SPORT1: Haben Sie Rituale?

Seimen: Ja, ich ziehe immer alles zuerst links an – Stutzen, Schuhe, Handschuhe. Warum, weiß ich ehrlich gesagt gar nicht. Aber ich mache es immer so. Und ich bin noch harmlos: In einer Fußballkabine bin ich nicht der einzige mit besonderen Ticks. Bevor Sie fragen: Das bleibt in der Kabine.

SPORT1: Seit der U15 durchlaufen Sie die U-Nationalmannschaften des DFB. Ist die A-Nationalmannschaft das große Ziel?

Seimen: Auf jeden Fall. Für sein Land zu spielen, ist etwas ganz Besonderes. Die U21 ist der letzte Schritt auf dem Weg zur A-Nationalmannschaft – und ich arbeite jeden Tag hart dafür, mir diesen Traum irgendwann zu erfüllen.

Goldene Generation „etwas Besonderes“

SPORT1: Auch Werder-Keeper Mio Backhaus, der aktuell in Bremen spielt, wird dieses Ziel haben. Ihr beide konkurriert um die Position in der U21. Torwart-Duelle waren in der Vergangenheit immer äußerst brisant: Marc André ter Stegen gegen Bernd Leno, Jens Lehmann gegen Oliver Kahn. Wie ist euer Verhältnis?

Seimen: Wir verstehen uns sehr gut. Wir pushen uns im Training und lernen voneinander. Wir haben jetzt nicht ständig Kontakt, wenn wir uns aber sehen, freue ich mich. Aber klar: Wir sind Konkurrenten, am Ende kann nur einer zwischen den Pfosten stehen.

SPORT1: In der U21 spielen Sie mit Spielern wie Said El Mala, Tom Bischof, Lennart Karl, Finn Jeltsch, Brajan Gruda und vielen mehr. Ist das eine „goldene Generation“?

Seimen: Ja, wir haben extrem viel Qualität im Kader. Das ist schon etwas Besonderes.

SPORT1: Spieler wie Lennart Karl sorgen aktuell für Aufsehen. Was zeichnet ihn aus?

Seimen: Er macht sich einfach nicht so viele Gedanken und spielt frei drauflos. Und sein Schuss ist brutal – aus 16, 17 Metern knallt er fast jeden rein. Das ist schon beeindruckend.

„Deutschland ist immer meine erste Wahl“

SPORT1: Ihr ehemaliger Mitspieler Paul Wanner hat sich nach der deutschen U21 für Österreich entschieden. Sie könnten für Rumänien auflaufen. Muss sich der DFB Sorgen machen?

Seimen: Nein, bisher gab es da keinen Kontakt. Klar: Die Familie meiner Mutter lebt dort. Wir waren auch zuletzt zu Besuch. Die Sprache kann ich zumindest so gut, dass ich mich mit der Familie verständigen kann (lacht). Aber wie gesagt: Deutschland ist immer meine erste Wahl.

SPORT1: Sie sind in jungen Jahren aufs Internat gegangen, mussten früh lernen selbstständig zu sein. Wird man als Fußballprofi schneller erwachsen?

Seimen: Definitiv. Man ist früher auf sich allein gestellt und muss viel selbst regeln. Es gibt auch Spieler, die noch bei den Eltern wohnen – das hat auch seine Vorteile. Aber grundsätzlich wird man schon schneller erwachsen.

SPORT1: Sie wohnen hier mit Ihrer Freundin und einem sieben Monate alten Maltipoo (Mischung aus Malteser und Pudel; Anm. d. Red.) zusammen. Wie sieht die Arbeitsaufteilung im Haushalt aus?

Seimen: Wir sind häufig draußen, gehen viel spazieren. Im Haushalt teilen wir uns alles ganz gut auf – ich übernehme oft Staubsaugen und die Spülmaschine. Wischen mache ich nicht so gern, das geht immer auf den Rücken (lacht).

SPORT1: Und kochen?

Seimen: Da bin ich nicht der Beste. Das übernimmt meistens meine Freundin – und sie kann das wirklich sehr gut.

SPORT1: Ihr Lieblingsessen?

Seimen: Lasagne – vor allem die von meiner Schwiegermama. Aber die von meiner Freundin kommt da langsam auch ran, die ist wirklich sensationell.