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FC Bayern gegen BVB? "Es fehlt ein geiles Revierderby"

„Es fehlt ein geiles Revierderby“

Schalke 04 kann im Topspiel einen riesigen Schritt in Richtung Bundesliga machen. Im exklusiven SPORT1-Interview spricht Timo Becker über Druck und die Bedeutung des Aufstiegs. Der bekennende Schalke-Fan erinnert sich zudem an sein Aufwachsen unweit der Arena und einen Kindheitstraum.
Timo Becker ist nach seinem Wechsel zum Jugendverein letzten Sommer zu einer wichtigen Säule der Schalker Mannschaft geworden. Im Interview spricht über den möglichen Aufstieg seiner Mannschaft.
Schalke 04 kann im Topspiel einen riesigen Schritt in Richtung Bundesliga machen. Im exklusiven SPORT1-Interview spricht Timo Becker über Druck und die Bedeutung des Aufstiegs. Der bekennende Schalke-Fan erinnert sich zudem an sein Aufwachsen unweit der Arena und einen Kindheitstraum.

Für Timo Becker dürfte sich das alles gerade wie ein Traum anfühlen. Der 29-Jährige steht mit Schalke 04 vor dem Aufstieg in die Bundesliga – mit dem Klub, zu dem er im Alter von zehn Jahren gewechselt ist.

Dass er, seine Familie und seine Freunde brennende Schalke-Fans sind, macht die Situation hochemotional. Mit einem Sieg am Sonntag im Spitzenspiel gegen den Tabellenzweiten Paderborn könnte der Traum vom Aufstieg ganz konkrete Formen annehmen.

Doch von Druck möchte Becker nichts wissen. Im exklusiven Interview mit SPORT1 spricht der 29-Jährige über den möglichen Aufstieg, schwere Zeiten mit S04 und das Aufwachsen in direkter Nähe zur Arena.

SPORT1: Herr Becker, der 4:1-Sieg gegen Preußen Münster am vergangenen Wochenende war der höchste Heimsieg in dieser Saison. Sie sind oft minimalistisch unterwegs, was das Ergebnis angeht. Wie schön war es, nicht bis zum Ende zittern zu müssen?

Timo Becker: Gerade als Verteidiger ist das ja schon sehr angenehm, wenn du am Ende nicht immer ein 1:0 wegverteidigen musst. Und viermal jubeln hat auch was (lacht).

„Wir machen uns erst gar keinen Druck“

SPORT1: Nach dem Spiel gab es einmal mehr eine riesige Fanparty vor der Arena. Sie haben sich mit einem Bierchen in der Hand auch daruntergemischt. Was bedeutet Ihnen diese Nähe?

Becker: Ich wollte eigentlich nur meinen Freunden Hallo sagen. Von denen sind ja fast alle Schalke-Fans. Bei Heimspielen sind immer alle da, viele kommen auch von weiter weg. Da freue ich mich natürlich, wenn ich die nach dem Spiel noch sehe.

SPORT1: Man hat das Gefühl, der Druck scheint Ihnen zu gefallen. Ist das so?

Becker: Wir machen uns erst gar keinen Druck. Das klingt immer so abgedroschen, aber wir gucken wirklich von Spiel zu Spiel. Und deshalb liegt jetzt der Fokus auf Paderborn.

„Nach der ganzen Scheiße“: Schalke schielt auf Bundesliga

SPORT1: Ist das so leicht beim Blick auf die Tabelle?

Becker: Natürlich wissen wir, dass wir uns oben festgesetzt haben. Das haben wir uns in den letzten Monaten aber auch hart erarbeitet. Und genau mit dieser Art und Weise wollen wir weitermachen. Damit sind wir bislang auch nicht so schlecht gefahren.

SPORT1: Verspüren Sie mehr Druck, weil Ihre Familie und Freunde Schalke-Fans sind?

Becker: Die üben nicht mehr Druck auf mich aus. Aber klar: Wir wollen etwas zurückgeben, gerade nach der ganzen Scheiße in den letzten Jahren. Das erhöht schon den eigenen Anspruch.  Mich nimmt das alles emotional mehr positiv mit als negativ. Das gibt Kraft und Energie. Es hemmt mich nicht. Ich finde, man muss diese Euphorie und dieses Selbstbewusstsein auch mitnehmen. Das ist unser größtes Faustpfand. Das haben wir von Anfang an gemacht. Die Fans dürfen träumen, wir müssen auf dem Platz aber klar bleiben.

SPORT1: Bekommen Sie aktuell noch mehr Nachrichten als sonst aus dem Freundes- und Bekanntenkreis?

Becker: Ich hoffe, dass das jeder sieht und liest: Ich kann keine Tickets mehr besorgen (lacht).

SPORT1: Am Wochenende kommt es zum absoluten Topspiel gegen den ersten Verfolger Paderborn. Ist das schon eine Vorentscheidung um den Aufstieg?

Becker: Das Spiel muss erst noch gespielt werden. Wir stehen nur da, wo wir sind, weil wir uns gar nicht so viele Gedanken um den Aufstieg machen.

„Manche Erinnerungen habe ich aus meinem Hirn verbannt“

SPORT1: Trotzdem dürfte es für Sie als Schalke-Junge etwas ganz Besonderes sein. Ist es die wichtigste Phase Ihrer Karriere?

Becker: Ich habe schon mal um den Aufstieg gespielt. Es gibt nichts Geileres. Dass ich das nun mit meinem Verein erleben kann, ist nochmal krasser. Weil das Herz dabei ist.

SPORT1: Blicken wir zurück: Vor fünf Jahren ist Schalke aus der Bundesliga abgestiegen. Sie waren auch dabei. Es schien, als würde eine Welt zusammenbrechen. Es gab Tumulte und Ausschreitungen nach dem Spiel. Welche Erinnerungen haben Sie daran?

Becker: Ich weiß nur noch, dass wir in Bielefeld abgestiegen sind und viele – auch erfahrene Spieler – mit Tränen in der Kabine saßen. Das sieht man nicht gerne. Jeder kennt auch das Bild von mir …

SPORT1: … als Sie ganz allein weinend auf der Bielefelder Bank saßen?

Becker: Genau. Das zeigt: Ich habe schon viel in dem Verein erlebt. Viele Höhen, aber mindestens genauso viele Tiefen. Manche Erinnerungen habe ich auch schon aus meinem Hirn verbannt. Ich will nur noch das Schalke, das wir jetzt haben, in Erinnerung behalten.

Becker schwärmt vom Schalker Teamgefüge

SPORT1: Was ist in diesem Jahr anders als in den Jahren zuvor?

Becker: Wir hatten von Anfang an eine super Chemie im Team und mit allen Personen drumherum. Jeder hat Bock zu arbeiten, auch mit dem Trainerteam macht es unglaublich viel Spaß. Jeder Tag ist ein Genuss.  Wir haben eine homogene Truppe, jeder steht hinter dem anderen. Es hängt aber auch stark mit dem Umfeld hier zusammen. Jeder, der mit dem Verein zu tun hat, egal ob Staff oder Mitarbeiter, die im Profileistungszentrum arbeiten, bringt eine positive Energie rein. Das passt einfach alles. Das habe ich auch schon anders erlebt. Und deshalb bin ich froh, dass es jetzt so ist. Da sieht man, was Schalke auf die Beine stellen kann.

SPORT1: Gab es den besonderen Moment in dieser Saison, in dem Sie gespürt haben, dass das ganz Große möglich ist?

Becker: Zum Ende der Hinrunde hat jeder gemerkt, dass das etwas Besonderes werden kann. Auch wegen der Art und Weise, wie wir Fußball spielen. Wir haben wieder eine Schalker DNA, Mannschaften haben Angst, in unseren Kessel zu kommen und hier zu spielen. Das war mir auch beim Wechsel enorm wichtig. Und nach der Hinrunde war uns allen klar: Wir wollen hier oben bleiben und nach dem ganz Großen greifen.

SPORT1: Was würde Ihnen persönlich der Aufstieg bedeuten?

Becker: Das kann ich jetzt noch gar nicht beschreiben. Das werden Emotionen sein – wenn es denn so passiert – für die ich jetzt noch gar keine Worte habe und vermutlich nie haben werde. Ich wollte Schalke aus dieser schwierigen Zeit führen, deshalb bin ich wieder gewechselt. Dass es im ersten Jahr so funktioniert und am Ende vielleicht wirklich reicht … ich würde sagen: alles richtig gemacht.

Schalke-Aufstieg? „Diesmal wäre es besonderer“

SPORT1: Dabei wurden Sie ja vor vier Jahren schon Zweitligameister mit Schalke …

Becker: In dem Jahr habe ich nicht so viel gespielt. Zur Rückrunde habe ich mich deshalb nach Rostock ausleihen lassen, das war für mich überhaupt nicht leicht. Alle wussten, wie sehr ich an diesem Verein hänge. Natürlich habe ich mich dann beim Aufstieg nicht so gefühlt, als hätte ich komplett durchgespielt oder einen großen Anteil daran gehabt. Aber auf der Feier hat man dann schon gesehen, dass ich dazugehöre (lacht). Diesmal wäre es schon noch ein bisschen besonderer. Der Fokus liegt aber ganz klar auf den letzten vier Spielen.

SPORT1: Sie sind einen Steinwurf von der Arena aufgewachsen, im Alter von zehn Jahren zu Schalke gewechselt. Nach zwischenzeitlichen Stationen bei RW Essen, Kiel und Rostock spielen Sie jetzt um den Aufstieg in die Bundesliga. Wie oft müssen Sie sich kneifen?

Becker: Sehr oft (lacht). Ich konnte immer aus dem Garten meiner Eltern hören, wenn das Dach der Arena offen war und Tore gefallen sind. Ich habe hier von klein auf gespielt, da hinten auf dem Kunstrasenplatz (deutet Richtung Geschäftsstelle; Anm. d. Red.). Und immer hochgeguckt, wenn der Manager auf dem Balkon der Geschäftsstelle stand. Da haben wir schon immer gesagt: ´Heute musst du Gas geben, vielleicht kriegst du einen Vertrag. ´ Da waren wir zehn, da haben wir natürlich Witze darüber gemacht. Aber ich habe meinem Papa immer gesagt: Mein größtes Ziel und mein größter Traum ist es, irgendwann da drüben in der Arena zu spielen. Als das dann geklappt hat – und mit der Phase, die wir aktuell haben – ist es das Schönste, was passieren kann.

„Es fehlt ein geiles Revierderby“

SPORT1: Ein Aufstieg mit Schalke würde auch ein Revierderby gegen den BVB bedeuten …

Becker: Ich habe schon einige gespielt, es ist oft nicht ganz so gut gelaufen.

SPORT1: Mit Kiel haben Sie im Januar 2024 gegen den BVB aber schon gewonnen – 4:2 hieß es am Ende.

Becker: Stimmt, mit Kiel habe ich letztes Jahr gegen Dortmund gewonnen. Trotzdem: Ein Revierderby ist eines der größten Spiele, die es in Deutschland gibt. Man sieht und spricht immer vom deutschen „El Clásico“ zwischen Dortmund und Bayern. Aber es fehlt ein geiles Revierderby.