Vor der Saison hätte es wohl kaum jemand auch nur im Geringsten für möglich gehalten, doch spätestens nach dem vorentscheidenden Treffer zum 3:0 gegen Preußen Münster brachen beim Dorfklub Elversberg endgültig alle Dämme. Partystimmung war angesagt.
Ein Dorfklub straft die Experten Lügen: "Tusche, schöne Grüße"
Dorfklub straft die Experten Lügen
Der erstmalige Aufstieg in die Bundesliga, der Höhepunkt eines Fußballmärchens und der mit Abstand größte Erfolg der Vereinsgeschichte. Mit Bambasé Conté hatte ausgerechnet ein gebürtiger Saarländer den Dosenöffner gegeben und das 1:0 erzielt (11.). Etwa anderthalb Stunden später stürmten die Fans den Rasen und der Aufstieg war perfekt. Die weiteren Treffer hatte Doppelpacker David Mokwa (14., 66.) beigesteuert.
Eine ganze Region feiert: Pure Freude in Elversberg
„Es wird noch ein paar Stunden dauern, bis wir es so richtig greifen können. Wir haben heute einfach Geschichte geschrieben. (…) Es war ein perfekter Ablauf. Wir freuen uns einfach nur, dass wir dem Saarland was geben können“, sagte der gebürtige Saarbrücker Conté im Gespräch mit SPORT1.
Nicht nur für den 22-Jährigen geht ein Traum in Erfüllung. Eine ganze Region feiert. „Ich komme von hier. Meine Familie ist hier. Meine Freunde sind hier. Ich bin einfach nur megafroh und unfassbar stolz auf diese Mannschaft, was wir diese Saison geleistet haben“, jubelte Conté.
Das Saarland kehrt in die Bundesliga zurück
Nach 33 Jahren, als der 1. FC Saarbrücken letztmals in der Bundesliga war, spielt kommende Saison mit der SVE wieder ein Verein aus dem Saarland erstklassig. Nach dem FCS, dem FC Homburg und Borussia Neunkirchen ist Elversberg erst der vierte saarländische Klub überhaupt, der es jemals in die Bundesliga geschafft hat – und der 59. in der Geschichte des Wettbewerbs.
Letzte Saison war Elversberg noch brutal knapp in der Relegation am 1. FC Heidenheim gescheitert. Leo Scienza, der mittlerweile mit dem FC Southampton um den Aufstieg in die Premier League kämpft, zerstörte die Träume der Elversberger in der Nachspielzeit.
Die Spieler saßen damals traurig in ihrem Baucontainer, der damals wie heute als Umkleidekabine dient.
Am Sonntagnachmittag war alles ganz anders. Pure Ekstase in der 13.000-Einwohner-Gemeinde – zukünftig der kleinste Spielort der Bundesliga – Bierduschen inklusive. „Ein Freund von mir hat die Woche gesagt, wenn die SVE aufsteigen kann, ist das wie wenn man zum Mond fliegt. Und die Mondlandung haben wir heute geschafft“, fasste es der überglückliche Erfolgstrainer Vincent Wagner nach den ersten Feierlichkeiten und Kaltgetränken bei Sky zusammen.
Bei SPORT1 führte Wagner aus: „Wir haben es geschafft. Nach der Relegation blickte ich in viele Augen, die auf der einen Seite frustriert waren, und auf der anderen Seite wenig Vertrauen hatten. Dann haben wir es aber geschafft zusammenzuwachsen, sogar sehr schnell. Wir haben es zusammen hingekriegt.“
TV-Experte hatte Elversberg auf Platz 18 getippt
Experte Torsten Mattuschka musste im Sky-Studio eingestehen: Ich hätte das nie für möglich gehalten. (…) Vor der Saison habe ich sie auf Platz 18 getippt“, meinte Mattuschka und verwies auf den personellen Umbruch.
So ganz weit hergeholt war Mattuschkas Prognose nicht. Zahlreiche Säulen hatten den Verein im letzten Sommer verlassen. Es gingen die Leistungsträger Fisnik Asllani, Muhammed Damar, Semih Sahin, Elias Baum, Robin Fellhauer, Maurice Neubauer und auch der langjährige Trainer Horst Steffen.
Und dann wechselte Topscorer Younes Ebnoutalib im Winter noch für stolze acht Millionen Euro zu Eintracht Frankfurt. Viel Geld für einen Verein, dessen teuerster Transfer bis zur vergangenen Saison lediglich 400.000 Euro gekostet hatte (Tom Zimmerschied). Die Kassen gefüllt, die Spieler weg. Kurz vor dem Saisonendspurt zog es obendrein Kaderplaner Ole Book noch nach Dortmund. Trotzdem ist Elversberg jetzt Bundesligist.
„Was dort für eine Leistung abgerufen worden ist, jetzt mit diesem unglaublichen Aufstieg in die Bundesliga. Wow, wow, wow. Respekt nach Elversberg an alle, die dort arbeiten. Sie haben sich diesen Aufstieg absolut verdient“, war Mattuschka begeistert.
Wagner mit Spitze gegen Mattuschka
Auf dem Elversberger Rasen stehend antwortete Wagner mit Bezug auf Mattuschkas Prognose zu Saisonbeginn scherzend: „Tusche (Spitzname von Torsten Mattuschka, Anm. d. Red.), schöne Grüße. Ist okay, er braucht sich auch nicht zu schämen.“
Auch Conté genoss es sichtlich, die Kritiker widerlegt zu haben: „Viele haben uns am Anfang der Saison abgeschrieben, haben uns ganz unten gesehen. Wir sind ruhig geblieben, haben unser Ding durchgezogen, haben vor allem an uns geglaubt. Das ist ganz wichtig. Wir haben den Kritikern gezeigt, wie es geht.“
Coach Wagner stellte bei SPORT1 klar, wie viel der Aufstieg für den Verein und die gesamte Region bedeutet: „Fernsehgelder, Infrastruktur, wie das hier wächst, ein Riesen-Step für den Verein.“
Und selbst wenn es nächste Saison wieder runtergehen sollte: „Es ist schon mal der Klassenerhalt im Jahr 2026/27 in der 2. Bundesliga“, sagte Wagner, der sich zwar kampfeslustig gab, die Bundesliga aber auch als „riesiges Brett“ und „brutale Herausforderung“ sah.