Nach der Sommerpause spielt Schalke 04 wieder in Deutschlands Spitzenklasse. Gegen den FC Bayern, den HSV und natürlich Borussia Dortmund. Die „Mutter aller Derbys“ ist zurück! Es besteht kein Zweifel: Dieser Aufstieg ist so ziemlich das Beste, was der Bundesliga passieren konnte. Schalke ist Fußball pur, Leidenschaft pur und Emotion pur. War immer so, wird immer so bleiben.
Schalke: Er ist der stille Held des Bundesliga-Aufstiegs
Frank, der Bau-Mann!
Und trotzdem kommen die Königsblauen wie chemisch gereinigt zurück. Denn ein Mann hat den Schalke-Wahnsinn rationalisiert. Er hat geplant, konstruiert, gestaltet und etwas sehr Besonderes geschaffen. Frank, der Bau-Mann!
Schalke: Baumann brachte Ruhe in den Klub
S04-Sportvorstand Frank Baumann, in Bremen nach 25 Jahren als Spieler und Funktionär eine Werder-Legende, hat Schalke mit großer Ruhe und viel Kraft schon in seinem ersten Jahr neu erfunden. Oder, besser: Er hat Schalke neu entfacht. Die königsblaue Flamme war zuletzt immer kleiner geworden.
Schalke ist kein normaler Verein. Schalke war auch alles andere als ein normaler Zweitligist. Schalke war immer ein Verein im dauerhaften Ausnahmezustand! Emotional überhitzt, wirtschaftlich auf Kante genäht, sportlich oft orientierungslos. Trainerwechsel, Schnellschüsse, Größenwahn trotz leerer Kassen: Der Klub taumelte jahrelang zwischen Nostalgie und Panik.
Baumann hat diesen Kreislauf durchbrochen. Seine wichtigste Leistung war nicht ein Transfer, nicht Edin Dzeko oder Dejan Ljubicic. Auch nicht, dass er mit Miron Muslic den wohl perfekten Cheftrainer bei Englands Zweitliga-Absteiger Plymouth Argyle fand. Das Wichtigste, was Baumann nach Schalke brachte, war und ist die Ruhe.
Kein Gerede über die „Schalker DNA“
Ging in dieser Saison mal ein Spiel verloren, insgesamt 5 Niederlagen sind es bis jetzt, war das keine Staatskrise mehr. Wie früher ja meistens, als in den Folgetagen alles hinterfragt wurde. Baumann installierte auf Schalke wieder eine klare und deutlich erkennbare Linie. Keine Parolen, keine Selbstdarstellung, kein populistisches Gerede über „Schalker DNA“.
Stattdessen: nüchterne Analyse, klare Zuständigkeiten und vorausschauende Planung. Mit seiner Art, eben auch unangenehme Themen auf die eigene Agenda zu nehmen, hat Baumann die Mitarbeiter nicht nur schnell hinter sich gebracht, sondern auch motiviert. Hier wächst wieder etwas! Wir können etwas erreichen!
Baumann arbeitete gegen die üblichen Schalke-Reflexe – und gewann genau damit das Umfeld. Das ist fast eine größere Leistung als der Aufstieg selbst. Schalke spielte im Baumann-Jahr definitiv nicht den emotionalsten Fußball der Liga, aber den erwachsensten. Die Mannschaft war extrem stabil, keine Kernschmelze mehr nach Rückschlägen. Mental war Schalke schon sehr früh Meister dieser Zweitliga-Saison. In der Ruhe, wie abgedroschen, lag die königsblaue Kraft.
Die Bundesliga freut sich auf Schalke
Viele seiner Vorgänger wollten Schalke „anzünden“, emotionalisieren, aufpeitschen. Baumann dagegen entdramatisierte den Verein. Fast unspektakulär. Und gerade dadurch entstand Glaubwürdigkeit. Und ein Vertrauen, das die Schalker schon lange nicht mehr fühlten. In ihre Macher, ihren Verein, in sich selbst.
Die Bundesliga darf sich auf dieses S04 extrem freuen. Der Aufstieg, an dem der bescheidene Baumann einen gewaltigen Anteil hat, ist viel mehr als ein sportlicher Erfolg.