2. Bundesliga>

Miroslav Klose zum DFB: “Wir dürfen nicht alles in die Tonne kloppen“

Klose mit klarer DFB-Forderung

Miroslav Klose schildert im SPORT1-Interview seine Eindrücke von der Fußball-Weltmeisterschaft. Für die Spielweise Argentiniens findet er lobende Worte. In Deutschland fordert er eine andere Grundhaltung.
Nürnbergs Trainer Miroslav Klose spricht über die aktuelle Situation des DFB-Team und äußert sich zu Jürgen Klopp als möglichen Bundestrainer.
Miroslav Klose schildert im SPORT1-Interview seine Eindrücke von der Fußball-Weltmeisterschaft. Für die Spielweise Argentiniens findet er lobende Worte. In Deutschland fordert er eine andere Grundhaltung.

Miroslav Klose bereitet sich mit dem 1. FC Nürnberg auf die neue Zweitligasaison vor. Während des Trainingslagers in Gais/Südtirol nahm sich der ehemalige Weltklasse-Stürmer, der als Trainer des FCN in seine dritte Saison geht, Zeit für ein Gespräch mit SPORT1.

Der 48-Jährige gab Einblicke in die Transferpläne seines Vereins und erklärte, welche Erkenntnisse er aus der Weltmeisterschaft ziehen konnte. Zudem stellte er klar, worauf es für das deutsche Team unter dem designierten Bundestrainer Jürgen Klopp ankommen wird.

Darauf kommt es für Klose in der Transferphase an

SPORT1: Herr Klose, der 1. FC Nürnberg hat wieder einmal große Summen auf dem Transfermarkt eingenommen, diese aber bisher nur geringfügig in Neuverpflichtungen investiert. Muss sich in den kommenden Wochen noch was tun oder ist dies auch Teil der Vereinsausrichtung?

Miroslav Klose: Was Transfers angeht, sind wir sportlich Verantwortlichen viel im Austausch. Es ist mir wichtig, dass es nicht nur eine Person ist, sondern dass da mehrere involviert sind und dass wir die Entscheidungen, die zu treffen sind, gemeinsam treffen. Wir wissen, was die Vor- und Nachteile von den Spielern sind. Wir wissen, was die Vor- und Nachteile des Vereins sind und wie weit wir gehen können. Und dann schauen wir, was wir realisieren können.

Argentinien zu ruppig? „Ich mag es“

SPORT1: Die WM ist gerade vorbei und war sicherlich auch für Sie und die Spieler interessant – auch wenn der FCN keine WM-Fahrer stellte. Konnten Sie trotzdem Erkenntnisse gewinnen, die Sie in die Vorbereitung auf die neue Saison mitnehmen können?

Klose: Ich habe am Anfang des Turniers sehr wenig gesehen, da war ich selbst noch im Urlaub und die Zeiten waren nicht so, dass ich mitten in der Nacht Fußball schauen konnte. Da habe ich schon geschlafen. Später wurde es mehr und ich habe interessante Spiele gesehen. Der spanische Fußball dominiert sowieso, schon länger. Ich habe oft genug gegen Spanien gespielt und weiß, wie schwer es ist, gegen sie zu spielen. Die ein oder andere Mannschaft hat sehr körperbetont gespielt. Argentinien gehört da dazu.

SPORT1: Schlug Argentinien womöglich teilweise über die Stränge?

Klose: Das ist die Art von Fußball, die sie auszeichnet. Da muss man sich wehren, da gehört es auch dazu, ein bisschen zu provozieren. Das ist extrem körperbetont, aber ich mag es. Du musst dich wehren. Letztendlich hat man im Finale gesehen, dass es am Anfang recht ausgeglichen war, obwohl man wusste, dass Spanien recht viel den Ball haben will. Argentinien hat versucht, körperlich dagegenzuhalten. Es war nicht das unterhaltsame Spiel, was wir uns gewünscht haben bei zwei solchen Mannschaften. Das ist aber völlig normal, weil es ein Finale ist. Da kommt es auf so viele Kleinigkeiten an, auf die Tagesform von den Spielern, da muss viel zusammenkommen.

Elfmeter? „Gab viele Spieler, die es besser konnten“

SPORT1: Nach dem deutschen WM-Aus im Elfmeterschießen wurde unter anderem über die Wahl der Schützen diskutiert. Sie hatten zuletzt bereits betont, dass Sie nicht derjenige waren, der in solchen Momenten in der ersten Reihe stehen wollte. Wie erinnern Sie sich diesbezüglich an Ihre Profizeit zurück und können Sie es verstehen, dass sich einige Spieler bei einem solch wichtigen Schuss nicht danach fühlen?

Klose: Nach dem Gefühl zu gehen, ist das Falsche. Wenn Druck dazukommt, ist jeder anders. Ich musste am Anfang in Kaiserslautern Elfmeterschießen, hatte da nicht wirklich eine gute Quote. Es gab viele Spieler, die es besser konnten. Deswegen habe ich mich gerne zurückgehalten und die anderen schießen lassen. Wenn man mit dem Verein und der Nationalmannschaft das ein oder andere Elfmeterschießen gewinnt, in dem man nicht geschossen hat, wird das ein bisschen zum Aberglauben. Aber wenn es hart auf hart kommt, war ich immer einer, der sich sofort die Kugel nimmt. In meiner Zeit waren aber eben genug da, die selbst schießen wollten. Denen habe ich dann natürlich den Vortritt gelassen.

Klose mit klarer Forderung an Fußball-Deutschland

SPORT1: Deutschland freut sich auf Jürgen Klopp. Was kann er dem Nationalteam geben, was zuletzt womöglich gefehlt hat?

Klose: Es freut mich, dass wir wieder eine andere Stimmung in Deutschland reinbekommen. Das muss auch so sein, weil ich das Gefühl habe, dass jeder gerade ein bisschen negativ und pessimistisch denkt. Das ist auch völlig normal, wenn man sich die letzten drei Turniere anschaut.

SPORT1: Worauf wird es nun in Fußball-Deutschland ankommen?

Klose: Wir dürfen nicht alles in die Tonne kloppen und dürfen nicht vergessen, dass wir immer noch Deutschland sind. Wir wissen, was wir können. Da können Argentinien und auch andere Mannschaften ein gutes Vorbild sein: Wir müssen wieder ein bisschen mehr Körperlichkeit in unser Spiel bringen.