Beim 1. FC Nürnberg geht der Blick nach einer erneut durchschnittlichen Saison in der 2. Bundesliga wieder nach vorne. Trotz einiger namhafter Abgänge, wie des Innenverteidiger-Duos Fabio Gruber und Luka Lochoshvili, rechnet sich der Club in dieser Spielzeit insgeheim Chancen aus, im Rennen um die Aufstiegsplätze mitzumischen.
Nürnberg-Star verrät: "Das Thema hat uns in den letzten zwei Jahren verfolgt"
„Das Thema hat uns verfolgt“
Im beschaulichen Örtchen Gais in Südtirol legte der Traditionsklub dafür die Grundlagen. Mittendrin war auch Julian Justvan, der mit seinen 28 Jahren zu den Erfahrenen im traditionsgemäß jungen FCN-Kader gehört.
Im Interview mit SPORT1 spricht der Offensivkünstler über seine besondere Rolle im Mannschaftsgefüge des Club-Kaders. Außerdem erkennt er eine zentral fehlende Eigenschaft des FCN, die zu einer Top-Platzierung in den letzten Jahren fehlte. Und auch für den großen Favoriten VfL Wolfsburg wird die Saison laut Justvan kein Selbstläufer werden.
SPORT1: Herr Justvan, letztes Jahr haben zu diesem Zeitpunkt der Vorbereitung noch einige Spieler gefehlt, die dann erst nachgekommen sind. Dieses Jahr wirkt der Kader deutlich vollständiger. Wie ist Ihr Eindruck?
Julian Justvan: Die Neuzugänge machen einen sehr guten Eindruck. Für uns war es wichtig, dass wir so früh wie möglich auch den Kader zusammenhaben, um zueinanderzufinden. Es ist gut, dass der Großteil jetzt bereits steht, weil wir uns als Mannschaft einfach besser vorbereiten können.
SPORT1: In der vergangenen Saison haben sich oft gute Phasen an schwächere Phasen gereiht. Wie wird nun an Faktoren wie Konstanz gearbeitet?
Justvan: Das ist ein schwieriges Thema, das uns in den letzten zwei Jahren verfolgt hat. Für die kommende Saison wird es wichtig sein, dass wir konstanter werden. Dafür brauchen wir eine klare Spielidee und eine klare taktische Ausrichtung. Dabei ist entscheidend, als Mannschaft aufzutreten. Dadurch kannst du, selbst wenn taktische Aspekte einmal nicht funktionieren, über Mentalität und Zusammenhalt wieder zurück ins Spiel finden. Genau in diesen Momenten brauchst du den nötigen Kampf und die entsprechende Bereitschaft.
„Möchte die Jungs mit Leistung mitnehmen“
SPORT1: Kann für Sie diesbezüglich Argentinien bei der vergangenen Weltmeisterschaft ein Beispiel sein?
Justvan: Teilweise war das bei Argentinien vielleicht schon etwas drüber. Aber was wir uns von ihnen abschauen können, ist, wie jeder Spieler für den Fehler eines anderen einsteht – unabhängig davon, ob es auf dem Platz gerade gut oder schlecht läuft. Gerade in der 2. Liga wird viel über Kampf und Härte entschieden. Da müssen wir als Mannschaft dagegenhalten.
SPORT1: Sie hatten letztes Jahr mit insgesamt 15 Scorerpunkten – sieben Tore und acht Vorlagen – wieder einen guten Scoring-Output. Haben Sie sich für die neue Saison wieder eine bestimmte Anzahl an Toren und Vorlagen als Ziel gesetzt?
Justvan: Eine konkrete Zahl habe ich mir nicht gesetzt. Mein erstes Jahr in Nürnberg war für mich persönlich ein sehr gutes Jahr. In der letzten Saison war ich nicht ganz zufrieden, auch wenn die Scorer trotzdem in Ordnung waren. Ich möchte in allen Bereichen noch eine Schippe drauflegen – bei den Scorerpunkten genauso wie bei meinen Leistungen auf dem Platz. Das halte ich mir schon vor Augen. Außerdem möchte ich die Mannschaft noch mehr mitnehmen, weil das für mich ebenfalls ein sehr wichtiger Bestandteil ist.
SPORT1: Sie sagen selbst von sich, dass Sie auf dem Platz nicht der Lauteste sind, neben dem Platz aber schon viel auf junge Spieler einwirken. Sind Sie auf dem Platz dann der introvertierte und ruhigere Spieler und außerhalb dann für jeden Spaß zu haben? Oder wie kann man sich Ihre Rolle als Führungsspieler vorstellen?
Justvan: Neben dem Platz bin ich grundsätzlich für jeden Spaß zu haben. Auf dem Feld bin ich jetzt nicht derjenige, der die ganze Zeit laut ist. Ich versuche immer, die Spieler um mich herum zu coachen – das gehört zu meinen Aufgaben. Natürlich bin ich nicht der Spieler, der große Härte und Lautstärke auf den Platz bringt. Dafür nehme ich mir die jungen Spieler oft zur Seite und spreche mit ihnen in einem ruhigen Ton darüber, was gut lief oder was sie vielleicht noch besser machen können.
2. Bundesliga: „Hoher Erwartungsdruck“ bei Wolfsburg
SPORT1: Welche Spieler nehmen Sie sich dann häufiger zur Seite?
Justvan: Bei mir sind es eher die Offensivkräfte. Wir haben viele junge Spieler und mit Marko Soldic jemanden, der eine ähnliche Position spielt. Da versuche ich schon, ihm einiges mitzugeben, auch wenn ich eben nicht der Lauteste bin und das wahrscheinlich auch nie werden werde. Auf dem Platz will ich die Jungs mit Leistung mitnehmen. Wir hatten in den letzten Jahren oftmals eine junge Mannschaft – und gerade dann ist Kommunikation extrem wichtig.
SPORT1: Wenn wir einen Blick auf die kommende Zweitligasaison werfen: Mit dem VfL Wolfsburg gibt es einen sehr finanzstarken Absteiger aus der Bundesliga. Sehen Sie den VfL etwas außer Konkurrenz oder könnten auch die Wölfe in der 2. Liga ihre Probleme bekommen?
Justvan: Jeder kann in dieser Liga seine Probleme bekommen. Natürlich hat Wolfsburg einen enormen finanziellen Vorteil, aber dadurch entsteht auch ein hoher Erwartungsdruck. Aus Wolfsburger Sicht wird es deshalb auch nicht einfach, sich dort oben zu behaupten. Vor allem auch deshalb, weil sie lange Zeit nicht mehr in der 2. Liga gespielt haben und viel Neues auf sie zukommt. Wenn man sich den Kader ansieht, werden sie aber auf jeden Fall eine gute Rolle spielen. Allgemein bleibt die Liga ähnlich wie in den vergangenen Jahren: Es kann alles passieren und für jeden in jede Richtung gehen.