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FC Bayern: Eine Sucht bedrohte seine Karriere

Sucht-Geständnis von Ex-Bayern-Star

Ex-Bayern-Star Zé Roberto spricht offen über die schwierige Anfangszeit seiner Karriere. Nächtelange Videospiel-Sessions und schlechte Ernährung warfen ihn zurück – heute steht der Brasilianer für Fitness, Disziplin und einen gesunden Lebensstil.
Unglaublich - der Ex-Bayern-Star Zé Roberto verblüfft mit 49 Jahren mit irrem Klimmzug-Workout.
Ex-Bayern-Star Zé Roberto spricht offen über die schwierige Anfangszeit seiner Karriere. Nächtelange Videospiel-Sessions und schlechte Ernährung warfen ihn zurück – heute steht der Brasilianer für Fitness, Disziplin und einen gesunden Lebensstil.

Vier Spielzeiten lief Zé Roberto für den FC Bayern München auf, in denen er in 248 Pflichtspielen 20 Tore und 64 Vorlagen beisteuerte. Dabei war der Start der Karriere des Brasilianers in Europa zunächst alles andere als optimal verlaufen.

Bereits 1997 erfüllte sich der Mittelfeldspieler aus Sao Paulo im Alter von 21 Jahren seinen Kindheitstraum und wechselte zu Real Madrid. Doch der erhoffte Durchbruch unter Trainer Jupp Heynckes blieb aus.

Im Interview mit O Globo hat Zé Roberto nun offen über die Gründe für sein schnelles Aus bei den Königlichen gesprochen. „Videospiele haben mich völlig aus dem Tritt gebracht. Ich war jung, frisch verheiratet und hatte eine Playstation gekauft“, erzählte der Brasilianer.

Zé Roberto: Mit Augenringen zum Real-Training

Der damalige Lebensstil hatte spürbare Folgen für seine Leistung. „Ich verlor mein komplettes Leistungsvermögen, ich nahm zu, ich kam mit dunklen Ringen unter den Augen zum Training“, fuhr Zé Roberto fort und verriet offen: „Ich habe bis in die frühen Morgenstunden gespielt, habe mich schlecht ernährt und sehr wenig geschlafen.“

Die langen Nächte vor der Konsole bedingten eine mangelhafte Ernährung. „Dann kamen andere Snacks, Limonaden. Und ich war gestresst vom Videospielen“, berichtete der frühere brasilianische Nationalspieler. Aus einzelnen Keksen seien schnell ganze Packungen geworden.

Sportlich blieb seine Bilanz bei den „Königlichen“ entsprechend überschaubar. Nur ein Tor gelang Zé Roberto für Real Madrid. Im September 1997, beim 4:1-Sieg in der Champions League gegen Rosenborg BK, traf er zum zwischenzeitlichen 2:1. Den späteren Triumph im Finale gegen Juventus Turin – den ersten Champions-League-Titel des Klubs nach 30 Jahren – erlebte Zé Roberto nicht mehr mit.

Bereits zehn Monate nach seinem Debüt verließ er Madrid wieder und wechselte in der Winterpause zurück nach Brasilien zu CR Flamengo. Retrospektiv bezeichnet der ehemalige Nationalspieler diese Phase als wichtigen Wendepunkt. „Es war sehr schwierig, all das zu verarbeiten. Das Videospielen hat mich sehr behindert, weil ich ein Wildfang war“, meinte Zé Roberto.

„Abgestürzt und zurückgekommen“: Ein neuer Anlauf in Europa

Heute blickt der 51-Jährige reflektiert auf diese Zeit zurück: „Ich bin abgestürzt und dann wieder zurückgekommen, weil ich nicht vorbereitet war. Als ich 1998 auf Leihbasis nach Brasilien zu Flamengo zurückkehrte und dort sechs Monate blieb, konnte ich viele Punkte analysieren, die ich ändern musste, um dort lange zu bleiben.“

Mit dieser Erkenntnis startete er einen neuen Anlauf in Europa und fand zunächst bei Leverkusen und schließlich beim FC Bayern sein sportliches Zuhause. Der Brasilianer wechselte 2002 gemeinsam mit Michael Ballack von Bayer 04 Leverkusen zum Rekordmeister und erlebte in München die erfolgreichste Phase seiner Karriere.

„Als ich zu Bayern kam, hatte ich einen ganz persönlichen Antrieb: Ich wollte endlich Meister werden“, sagte der viermalige deutsche Meister und Pokalsieger.

In München begann für Zé Roberto auch ein grundlegendes Umdenken. Fitness und Gesundheit wurden fortan zur Priorität seiner Karriere. „Für meine Entwicklung war die Zeit in München total wichtig, denn ich habe verstanden: Ich bin nicht nur Fußballspieler, ich bin ein Athlet“, erklärte er: „Ich verstand, dass mein Körper mein Arbeitsinstrument war. Ich begann, sie wie eine Maschine zu behandeln, die täglich gewartet werden muss.“

Zé Roberto will „eine Referenz für die neue Generation sein“

Seine professionelle Lebensweise verlängerte letztlich auch seine Laufbahn als Profifußballer. Erst mit 43 Jahren beendete Zé Roberto seine Karriere bei Palmeiras Sao Paulo. „Für mich war das Schwierigste die Entscheidung, aufzuhören und zu wissen, dass ich noch ein bisschen weiter gehen könnte“, erläuterte er.

Heute vermisst der inzwischen 51-Jährige den Profifußball nicht mehr, auch weil er weiß, dass er in seiner Karriere alles gegeben hat. Stattdessen widmet sich der frühere Mittelfeldstar inzwischen einem neuen, alten Lebensinhalt: Als Fitness-Influencer inspiriert Zé Roberto Millionen Menschen mit Trainingsvideos und Gesundheitstipps.

„Der einzige Wunsch, den ich heute habe, ist, weiterhin für mich selbst zu sorgen, meinen Lebensstil zu haben und eine Referenz für die neue Generation zu sein. Das ist für mich ein Leben mit Sinn“, schilderte er.

Was einst seine Karriere gefährdete, ist für den Brasilianer zum Lebenselixier geworden. „Ich möchte weitergeben, was einen Unterschied macht. Mein Lebensstil motiviert viele Menschen“, betonte Zé Roberto.