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Gefahr für Vereine: "Man muss sich stark machen"

„Man muss sich stark machen“

Stefan Geister ist Executive Board Member bei L’Oréal und Mitgründer von VEREINITY. Im Podcast „Flutlicht an!“ spricht er darüber, warum Sportvereine eine zentrale Rolle für die Demokratie spielen und worin die Gefahr für die Zukunft liegt.
Luftansicht eines Fußballfelds im Landkreis Calw
Luftansicht eines Fußballfelds im Landkreis Calw
© IMAGO/Imagebroker
Stefan Geister ist Executive Board Member bei L’Oréal und Mitgründer von VEREINITY. Im Podcast „Flutlicht an!“ spricht er darüber, warum Sportvereine eine zentrale Rolle für die Demokratie spielen und worin die Gefahr für die Zukunft liegt.

Seine Arbeit hat Stefan Geister schon an viele Ecken der Welt geführt. Aber Zugehörigkeit, die empfindet der gebürtige Ostwestfale besonders da, wo er (s)einen Verein hat – die große Liebe Arminia Bielefeld ebenso wie den lokalen Tennisverein, in dem er zum Schläger greift.

Nicht immer ist ihm das in dieser Deutlichkeit bewusst gewesen. Aber dann war ihm klar, er möchte aus dem Thema etwas machen, sich einbringen, engagieren.

Das Thema Engagement zieht sich ohnehin wie ein roter Faden durch Geisters Leben. Die feste Überzeugung, dass alle Menschen gleiche Chancen und Möglichkeiten haben sollen, sein Streben nach Gerechtigkeit, reichen zurück bis ins Kindesalter und sind auch mit der eigenen Familiengeschichte verbunden: beide Elternteile waren Flüchtlingskinder.

Engagement und Werte als Antrieb

Geister hat deswegen in seinem Berufsleben immer darauf geachtet, für Firmen tätig zu sein, die seine Werte teilen. Seit über zehn Jahre ist er mittlerweile bei L’Oréal und dort Executive Board Member. Im Unternehmen engagiert er sich für die wichtigen DEIB-Themen: Diversity, Equity, Inclusion, Belonging – Diversität, Gleichheit, Inklusion und Zugehörigkeit.

Außerhalb des Berufsalltages sieht Geister Vereine als einen wichtigen Ort und Treiber für Demokratie. Das Vereinswesen dürfe sich nicht nur auf den ihm garantierten Schutz berufen, sondern müsse auch die eigenen Verpflichtungen ernst nehmen, für die Verfassung, für das Grundgesetz. Und zudem den Fokus darauf legen, für alle Menschen offen zu sein.

VEREINITY und die Rolle der Satzungen

„Ich sehe, dass mittlerweile ein Drittel der Bevölkerung ein Problem hat mit Zugehörigkeit zu diesem Land. Von daher ist es wichtig, dass man sich da ganz stark macht. So ist es auch dazu gekommen, dass VEREINITY gegründet wurde“, sagt Geister.

Mit einer Gruppe von Mitstreiter*innen hat er den Verein im Oktober 2024 gegründet. Ihr Ziel: mit Vereinen an Satzungen zu arbeiten.

„Was wir sehen, ist, dass Vereine und Verbände sehr funktionale Satzungen haben“, erzählt Geister. Die eigenen Werte seien darin oft gar nicht gesondert verankert: „Sportliche Werte, demokratische Werte.“

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Somit sei auch die Wehrhaftigkeit nicht gegeben, wenn Mitglieder im Verein gegen diese Werte verstoßen. Hier will VEREINITY unterstützen.

Der Verein checkt die Satzung, macht Vorschläge für neu aufzunehmende Punkte, kommt ins Gespräch und rät Sportvereinen abschließend, die finale Fassung der neuen Satzung rechtlich prüfen zu lassen, bevor sie eingetragen wird. Wer seine Werte heute festschreibt, erklärt der Arminia-Fan, könne sich auch dann mit Sicherheit darauf berufen, wenn antidemokratische Kräfte (weiter) zunehmen.

Sportvereine als Kraft für Demokratie

Dabei rät er durchaus zur Eile, denn um eine neue Satzung abzunicken, braucht es in den jeweiligen Vereinen eine Zweidrittelmehrheit.

„Deshalb ist es wichtig, dass man so schnell wie möglich an das Thema rangeht.“ Diese Mehrheiten könnten in Zukunft in Gefahr sein oder sind es in einigen Regionen vielleicht schon heute.

Neben den Themen Satzung und Struktur baut VEREINITY auf Bildung, gerade der jüngeren Generation, auf Netzwerke, aber auch klassische Lobbyarbeit bei Verbänden und der Politik. Er werde nicht müde, Politiker*innen darauf hinzuweisen, dass diese mit den Sportvereinen eine riesige Kraft für Demokratie an der Hand haben.

Gleichzeitig versucht er, Menschen aus allen Gesellschaftsbereichen zu begeistern, selbst aktiv zu werden: „Sich im Sportverein zu engagieren, kann gesellschaftspolitisch einen großen Impact haben, auch für unsere Demokratie – und das funktioniert sogar schon als Mitglied.“

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