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Wie kann sich dieser Klub Salah leisten?

Woher kommt eigentlich das Geld?

Mit Mohamed Salah wechselt ein weiterer Weltstar in die Türkei. Wie kann Trabzonspor sich das leisten und wird die Süper Lig bald noch größer? Ein Szene-Insider erklärt es SPORT1.
Mohamed Salah ist in der Türkei angekommen und sorgt bereits vor seinem offiziellen Wechsel für riesige Begeisterung.
Mit Mohamed Salah wechselt ein weiterer Weltstar in die Türkei. Wie kann Trabzonspor sich das leisten und wird die Süper Lig bald noch größer? Ein Szene-Insider erklärt es SPORT1.

Das Staunen über die Transfers der türkischen Süper Lig ist zum wiederkehrenden Phänomen in der Fußball-Welt geworden.

Im vergangenen Jahr verblüffte Galatasaray Istanbul, der Klub von Leroy Sané und Ilkay Gündogan, indem er einen 75 Millionen Euro teuren Rekorddeal mit Stürmer-Star Victor Osimhen einfädelte. Nun ist Trabzonspor wegen Mohamed Salah in aller Munde.

Die Liverpool-Legende aus Ägypten wechselt zwar ablösefrei in die Hafenstadt Trabzon, soll aber ein fürstliches Jahresgehalt von 17 Millionen Euro kassieren – beim Tabellen-Dritten der Vorsaison.

Wie ist das möglich? SPORT1 hat nachgefragt beim türkischen Sportreporter und Süper-Lig-Experten Muhammet Duman, der für die große Istanbuler Tageszeitung Türkiye Gazetesi schreibt und früher unter anderem für Hürriyet aktiv war.

SPORT1: Herr Duman, warum hat sich ein Weltstar wie Mo Salah für Trabzonspor entschieden?

Muhammet Duman: Salah hat mitbekommen, welchen Aufschwung der türkische Fußball zuletzt hingelegt hat. Während der Transferphase erhielt er Angebote mit hohen Summen aus Asien und Nordamerika. Von einem Klub aus Saudi-Arabien etwa wurde er mit einem Jahresgehalt von 50 Millionen Euro gelockt. Salah hatte anderes im Sinn, nach eigenen Angaben wollte er in erster Linie wieder mit Leidenschaft Fußball spielen und erleben – und Salah weiß, dass er das in der Türkei geboten bekommt. In Sachen Wettbewerbsfähigkeit und Qualität hat die Süper Lig zuletzt auch immer mehr Fortschritte gemacht.

SPORT1: Die Leidenschaft war bei Salahs Empfang in Trabzon definitiv spürbar …

Duman: Ja, er wurde wie ein König empfangen. Bei der Vertragsunterzeichnung waren 30.000 Fans auf den Tribünen – das hat auch bei ihm Eindruck hinterlassen. Trabzonspor ist ja auch sportlich kein unbeschriebenes Blatt, auch in der Vergangenheit haben dort große Namen wie Florent Malouda, José Bosingwa und Marek Hamsik gespielt und den Verein vorangebracht.

SPORT1: Wie beurteilen Sie die sportlichen Auswirkungen des Transfers? Verändert Salah das Kräfteverhältnis in der Süper Lig, macht Trabzonspor nun den Topklubs Galatasaray und Fenerbahçe Konkurrenz?

Duman: Sicher ist: Nach Salahs Wechsel spricht einmal mehr die ganze Welt über den türkischen Fußball. Für Trabzonspor ist es ganz klar der beste Transfer der vergangenen Jahre, selbst Fans der Konkurrenten haben dafür Anerkennung gezollt. Bei Salahs Vertragsunterzeichnung wurden Zehntausende Trikots verkauft – selbst Fans mit begrenzten finanziellen Mitteln nahmen nach Salahs Wechsel Bankkredite auf, um Trikots und Dauerkarten für die neue Saison zu kaufen, so dass das 41.000 Fans fassende Stadion bei jedem Spiel gefüllt sein soll. Bei den Anhängern von Trabzonspor ist die Zuversicht, den ersten Meistertitel seit 2022 bejubeln zu können, auf hundert Prozent gestiegen. Auch ich glaube: Trabzonspor ist mit Galatasaray und Fenerbahçe gleichgezogen, die Konkurrenz ist definitiv beunruhigt. Auch Fenerbahçe und Galatasaray haben in dieser Saison zwar beeindruckende Neuverpflichtungen getätigt, aber Salah ist eine andere Dimension.

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Der Weltstar war auch mit Besiktas im Gespräch

SPORT1: Salah war auch mit Trabzons Ligakonkurrent Besiktas Istanbul in Verhandlungen. Warum ging er letztlich nicht dorthin?

Duman: Besiktas hatte eine Grundsatzvereinbarung über ein Jahresgehalt von 20 Millionen Euro und eine Vermittlerprovision von 5 Millionen Euro getroffen. Berichten zufolge forderte Mohamed Salahs Agent, Ramy Abbas, etwa 50 Prozent des Vereinsanteils an den Einnahmen aus dem Verkauf von Salah-Fanartikeln in der Türkei sowie den gesamten Gewinn aus den Verkäufen in Salahs Heimat Ägypten. Besiktas empfand das als maßlos und zog sich aus den Gesprächen zurück. Sportdirektor Önder Özen sprach von Forderungen, die in der Geschichte des Vereins beispiellos gewesen wären – und dass der Klub dazu eine „realistische“ anstelle einer „populistischen“ Haltung eingenommen hätte.

SPORT1: Und wie kann es sich Trabzonspor leisten, die Forderungen Salahs zu erfüllen?

Duman: Trabzonspor erhält Sponsoring-Unterstützung von einigen der wichtigsten Unternehmen der Türkei. Zudem hat Trabzonspor in dieser Saison bisher beträchtliche Transfererlöse erzielt. Allein durch den Verkauf von Christ Inao Oulaï an die Fiorentina hat Trabzonspor 30 Millionen Euro eingenommen. Trabzonspors Präsident Ertugrul Dogan hat auf die Transfererlöse der beiden vergangenen Saisons verwiesen und erklärt: Ein Klub, der so viel einnehme, könne „jeden Spieler verpflichten, den er will“. Man muss auch die Vermarktungsmöglichkeiten bedenken, die ein Weltstar wie Salah mit sich bringt: Trabzonspor wird außerordentliche Einnahmen aus den Werbespots erzielen, in denen er auftreten wird. So gesehen ist der Transfer für Trabzonspor finanziell tatsächlich gar kein so großes Problem.

Ist Salah zu gut für die Süper-Lig?

SPORT1: Wie schätzen Sie das aktuelle Niveau der Süper Lig im Vergleich zur Premier League ein? England-Legende Jamie Carragher findet, die Türkei sei für Salah „eine Klasse zu niedrig“.

Duman: Sehe ich anders. Die Süper Lig hat sich zu einer der härtesten und wettbewerbsintensivsten Ligen Europas entwickelt. Viele Starspieler, die hierher gewechselt sind, haben von der harten Konkurrenz in der Türkei berichtet – vor allem auch der immense Druck seitens der Fans wird als Herausforderung beschrieben. Die Süper Lig verlangt – durchaus ähnlich wie die Premier League – körperliche Härte und eine größere mentale Belastbarkeit. Glauben Sie mir: Salah wird das Gefühl haben, in der Premier League zu spielen, wenn er in der Türkei auf dem Platz steht. Die Atmosphäre hier ist anders als in den meisten anderen Ligen. Salah wird es hier nicht leicht haben.

SPORT1: Der Eindruck vieler anderer ist, dass Salah sich mit 34 Jahren eine weniger große Herausforderung gesucht hat.

Duman: Seien Sie versichert: Wenn Salah sich leistungsmäßig nicht mehr auf der Höhe fühlen würde, wäre er nicht in die Türkei gekommen – dafür ist die Intensität hier zu hoch. Ich halte es im Gegenteil für mutig, sich diese Liga mit all ihren Herausforderungen auszusuchen. Diesen Mut hätte nicht jeder aufgebracht.

SPORT1: Im vergangenen Jahr Osimhen, in diesem Jahr Salah: Sehen Sie einen sich entwickelnden Trend, dass immer mehr Weltstars in die Türkei wechseln, anstatt nach Saudi-Arabien oder in die USA?

Duman: Auf jeden Fall! Die Türkei ist auf dem besten Weg, ein Land zu werden, das Starspieler immer wieder ansteuern. Wäre ich ein 35 Jahre alter Starspieler: Ich würde den Gedanken aufgeben, in die USA oder nach Saudi-Arabien zu gehen, um dort meine Karriere zu beenden. Wäre ich Ronaldo oder Messi an diesem Punkt meiner Karriere: Ich würde in die Türkei gehen, um neue Freude am Fußball zu bekommen. Ernsthaft: Ich glaube, die Transfers von Osimhen und Salah sind erst der Anfang. Die Süper Lig wird bald zu einer Liga werden, in der wirklich jeder gerne spielen möchte. Diese Liga mit ihrer speziellen Atmosphäre ist ein Jungbrunnen: Wenn Spieler hierherkommen, fühlen sie sich so energiegeladen wie 20-Jährige. Und das wird sich weiter herumsprechen.

SPORT1: Wo sehen Sie die türkische Liga im Vergleich zu den Top-5-Ligen – England, Spanien, Deutschland, Frankreich, Italien?

Duman: Meiner Meinung nach hat die Türkei es in puncto Qualität mehr als verdient, zu den fünf besten Ligen der Welt gezählt zu werden. Im Vergleich zur Ligue 1 und auch zur Serie A bewerte ich die Süper Lig als qualitativ hochwertiger und spannender. Meine Rangfolge wäre: England, Deutschland, Spanien, die Türkei, Italien. Meiner Meinung nach konkurriert die türkische Liga mit Deutschland um den ersten Platz, wenn es um die Fan-Atmosphäre geht. Und das Gesamtpaket erreicht von Tag zu Tag ein höheres Niveau. Daher würde es uns nicht überraschen, wenn die türkische Liga in sehr kurzer Zeit an die Spitze der Rangliste aufsteigen würde. Die türkische Liga steht anderen Ligen in keiner Weise nach. Die ganze Welt wird in naher Zukunft noch mehr über die türkische Süper Lig sprechen und sie noch mehr zu schätzen wissen.