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Trauer um den "König von Giesing": 1860 München verliert besonderen Menschen

Servus, „König von Giesing“

Die Fußballwelt trauert um Trainer-Legende Karsten Wettberg. SPORT1-Reporter Reinhard Franke berichtet in seinem Nachruf über seine prägenden Begegnungen mit einem besonderen Menschen.
Karsten Wettberg feierte 1991 mit 1860 München den Aufstieg in die 2. Bundesliga
Karsten Wettberg feierte 1991 mit 1860 München den Aufstieg in die 2. Bundesliga
© IMAGO/WEREK
Die Fußballwelt trauert um Trainer-Legende Karsten Wettberg. SPORT1-Reporter Reinhard Franke berichtet in seinem Nachruf über seine prägenden Begegnungen mit einem besonderen Menschen.

Der „König von Giesing“ ist tot. Karsten Wettberg ist am Sonntagnachmittag im Alter von 84 Jahren friedlich eingeschlafen. Und obwohl ich wusste, dass es ihm zuletzt nicht mehr gut ging, trifft mich diese Nachricht.

Mit ihm verliert der TSV 1860 München nicht nur eine Trainer-Legende, sondern einen Menschen, der den Verein wie kaum ein anderer geprägt hat. Zuletzt war er nicht mehr so oft im Grünwalder Stadion, weil es ihm einfach nicht mehr gut ging. Vielleicht schenken ihm die Löwen ja den Aufstieg in die 2. Liga?

Wettberg war der „König von Giesing“

Für viele war Wettberg der „König von Giesing“. Für mich war er vor allem Karsten – herzlich, direkt, mit diesem besonderen Schmäh, den man nicht lernen kann.

Ich denke gerne zurück an unser Treffen 2017 im Café Münchner Freiheit. Wir saßen draußen zusammen, es war ein milder Oktobertag, haben gesprochen, gelacht. Und natürlich kam auch immer mal der Grantler durch, denn seine Löwen nahm sich Wettberg gerne zur Brust. Es war eines dieser Interviews, die sich gar nicht wie ein Interview anfühlen. Griabig war’s (gemütlich, angenehm).

„Sollen wir uns nicht neben Monaco Franze (Statue der Münchener Kultfigur; Anm. d. Red.) setzen? Dann bist du mit zwei Legenden hier“, sagte er damals und lachte herzlich. Immer wieder spürte man seine Leidenschaft für die Löwen, die aus jedem seiner Sätze sprach.

Vor nicht allzu langer Zeit habe ich ihn noch einmal zuhause in Elsendorf bei Mainburg besucht. Vieles war schon ruhiger geworden. Wir saßen zusammen in seinem Stüberl, und auf dem Fensterbrett stand ein Marmor-Löwe – natürlich.

Diese Begegnung mit Wettberg ist es, die bleibt

Ein Interview war nicht mehr möglich, aber das spielte keine Rolle. Ich rief in der Redaktion an und sagte, dass wir es besser lassen sollten. Denn dieser Besuch bedeutete mir mehr als jedes Interview.

Karsten war da – aufmerksam, freundlich, herzlich wie immer. Man spürte seine Präsenz, auch ohne große Worte. Diese Begegnung ist es, die bleibt. Bei der Verabschiedung sagte er zu mir: „Bis bald.“ Leider sollte es das letzte Treffen sein.

Wettberg war keiner, den man in ein paar Zahlen oder Stationen pressen kann – auch wenn seine Karriere beeindruckend genug war. Unvergessen bleibt der Zweitliga-Aufstieg mit Sechzig 1991 nach neun Jahren in der Bayernliga, das 2:0 gegen Hessen Kassel – wohl das wichtigste Spiel seiner Trainerlaufbahn.

Dazu kommt eine sensationelle Serie von 54 Pflichtspielen ohne Niederlage und insgesamt mehr als 50 Titel, die er im Laufe seiner Karriere gewann. Weitere Stationen führten ihn unter anderem zum FC Augsburg, zum SSV Jahn Regensburg und zur SpVgg Landshut.

Auch abseits des Platzes übernahm er Verantwortung. Schon 2006 wurde ihm für sein vielfältiges Engagement das Bundesverdienstkreuz verliehen. Er war einfach ein großartiger Mensch. Bei den Löwen brachte er sich ebenfalls ein: Von 2007 bis 2008 war er Vizepräsident des Vereins.

Emotionen, Ehrgeiz und Ehrlichkeit

Aber das Entscheidende war etwas anderes: die Art, wie er Fußball lebte. Mit Emotionen, mit Ehrgeiz, mit einer Ehrlichkeit, die manchmal unbequem war, aber immer echt.

In einem Gespräch mit ihm gab es immer Klartext. Er war einer, der sich eingemischt hat, der Haltung gezeigt hat – auf und neben dem Platz. Einer, der nicht einfach nur Trainer war, sondern Persönlichkeit. Und einer, der auch im hohen Alter noch den Ball am Fuß hatte und den Wettbewerb suchte.

Und natürlich war da immer dieses eine Zitat von ihm, das alles erklärt: „1860 ist wie eine Droge. Dieser Verein ist so verrückt – du willst nie mehr davon loskommen. Ich bin stolz, ein Löwe zu sein.“

Wettberg hat diesen Verein so sehr geliebt. Und genau so wird man ihn auch in Erinnerung behalten. Mit Wettberg verliert der TSV 1860 München weit mehr als einen ehemaligen Trainer. Der Verein verliert ein Stück seiner Seele.

Ich erinnere mich gerne an einen lieben Menschen. Servus, Karsten. Du warst einer der Guten.