Bei der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Hoffenheim trat Nuri Sahin mit Blick auf Julien Duranville noch einmal auf die Euphoriebremse. „Er hatte eine große Leidensgeschichte, jetzt müssen wir ihn stabil bekommen,“ sagte Dortmunds Trainer über den erst 18-Jährigen, der schon eine gefühlte Ewigkeit beim BVB ist, aber weiter auf seinen Durchbruch warten muss.
Aus dem Lazarett ins Rampenlicht
Eine gefühlte Ewigkeit sind übrigens 686 Tage. Denn genau so lange ist es her, dass der BVB den jungen Belgier im Januar 2023 für die stolze Ablösesumme von 8,5 Millionen Euro aus Anderlecht verpflichtete.
Duranville aus dem Lazarett in die Startelf
Von seinen 686 Tagen als Dortmunder Profi war Duranville 481 Tage verletzt. Diese Horror-Bilanz von 70 Prozent Ausfallzeit ließ nach außen hin leise Zweifel aufkommen, ob der Hype um den 1,73 Meter großen Flügelflitzer gerechtfertigt sei.
Dann schenkte Sahin seinem jungen Schützling ausgerechnet gegen den großen FC Barcelona die Startelf-Premiere im BVB-Dress. Duranville zahlte das Vertrauen früh zurück.
In der 18. Spielminute ließ er den spanischen Nationalspieler Alejandro Baldé mit einer Körpertäuschung ins Leere laufen, zog dann unwiderstehlich von rechts nach innen in den Strafraum und bediente Marcel Sabitzer, der die mustergültige Vorlage aber nicht zur Führung nutzen konnte.
In Belgien ist die Euphorie um Duranville riesig
Duranville verdiente sich mit Elan, Spielwitz und Technik dennoch die SPORT1-Note 2 und war damit neben Gio Reyna bester Dortmunder gegen Barca. Nach dem Schlusspfiff schlenderte Sahin mit seinem Schützling über den abgegrasten Rasen, legte behutsam den Arm um die Schulter des Youngsters.
In der Heimat von Duranville kennt man diese Dortmunder Vorsicht nicht. Kein Geringerer als der jetzige Bayern-Coach Vincent Kompany sagte 2023 in einem Interview, er sehe den Teenager als künftigen Gewinner beim Ballon d’Or. Er war vom Talent des BVB-Juwels also schon früh überzeugt.
Belgiens Nationaltrainer Domenico Tedesco nominierte Duranville im September sogar für die A-Nationalmannschaft, wo er neben Stars wie Kevin De Bruyne und Jérémy Doku erste Einsatzminuten sammeln durfte.
Im Ruhrgebiet sieht das ganz anders aus. „Wir wollen nicht in Euphorie verfallen“, sagte Sahin schon im vergangenen Sommer, als Duranville bei Dortmunds US-Tournee auftrumpfte.
Jamie Gittens zeigt den Dortmunder Weg
Euphorisierende Kostproben seiner Klasse liefert Duranville immer wieder. Zum Beispiel in der ersten Runde des DFB-Pokals, als der Belgier drei Minuten nach seiner Einwechslung gegen Phönix Lübeck mit seinem linken Fuß den Torwart tunnelte und zur Entscheidung traf.
„Wenn er den Ball berührt, hat man das Gefühl, da passiert etwas Besonderes“, schwärmte Sahin damals. Gleichzeitig betonte er, dass Duranville noch Zeit brauche, um die richtige Balance zwischen Spielfreude und taktischer Disziplin zu finden.
Sahins Warnung an Duranville vor der Saison: „Er muss genau wie Jamie (Gittens, Anm. d. Red.) lernen, wann man den Ball abspielen und wann man ins Dribbling gehen muss. Da muss er klarer bleiben.“
Seitdem hat Gittens nicht nur fünf Tore für den BVB erzielt, sondern auch drei Vorlagen gegeben. Der Engländer, selbst nur zwei Jahre älter als Duranville, zeigt, wohin der Weg gehen kann.
Sahin: “Was Jamie macht, wird Juju auch machen”
So sagte Sahin nach der 2:3-Niederlage gegen Barca über Duranvilles Leistung: „Ich erwarte noch viel mehr von ihm. Ich erwarte viel Torgefahr. Aber das wird kommen. Was Jamie Gittens jetzt macht, wird Juju (Duranville, Anm. d. Red.) auch machen, da bin ich mir sicher.
Vielleicht bekommt der Belgier schon am Sonntag gegen Hoffenheim die Chance, seinen guten Eindruck zu bestätigen. Die wichtigste Voraussetzung dafür, so der Trainer: “Er muss nur gesund bleiben.”