Es war einer der Nachmittage, an denen Leroy Sané gezeigt hat, warum ihn die Bayern auch in Zukunft brauchen können. Mit zwei Treffern brachte er den Rekordmeister am Samstag gegen St. Pauli auf die Siegerstraße und bestätigte damit seine aktuell gute Form.
Die Probleme im Sané-Poker
Im Kalenderjahr 2025 erzielte er in der Bundesliga bereits sechs Treffer und sammelte drei Assists. Zudem feierte er gegen die Hamburger einen persönlichen Rekord: In dieser Saison hat er bereits neun Tore auf dem Konto – so viele wie bisher noch nie in der Bundesliga in einer Spielzeit.
Sané bleibt gelassen
Pünktlich zur heißen Phase ist Sané wieder da und sammelt weiter Argumente für eine Verlängerung seines Vertrags, der im Sommer ausläuft. „Mich interessiert mehr, dass wir gewonnen haben und dass ich der Mannschaft helfen kann. Mir geht es darum, dass wir als Mannschaft ein gutes Spiel spielen“, sagte der 29-Jährige nach der Partie zu SPORT1.
Sané wirkte dabei gelassen und gut gelaunt. Er bringt mit seinen Leistungen eine besondere Brisanz in die Verhandlungen um seine Zukunft. Schließlich ist es kein Geheimnis, dass sich die Bayern-Bosse lange mit der Entscheidung schwertaten, ob sie ihn überhaupt in München behalten wollen.
Der Klub hat sich selbst einen Sparkurs auferlegt, die geschätzt 20 Millionen Euro Jahresgehalt, die Sané kassiert, würden dem Konto des Rekordmeisters guttun.
Sané trotzt der Kritik
Doch der Nationalspieler ließ die teilweise sehr laute Kritik an seiner Person an sich abprallen und befindet sich jetzt im Aufwind. Auch in der Nationalmannschaft ist er wieder eine feste Größe.
Und: Sané führt seine Charmeoffensive, die er bereits im vergangenen Herbst gestartet hatte, fort: „Ich fühle mich wohl und genieße es, auf dem Platz zu stehen. Mit der Mannschaft zu spielen, macht Spaß. Ich versuche, meine Leistung weiterhin zu bringen“, sagt Bayern-Star, der erneut deutlich signalisiert, dass er weiter ein Bayer bleiben will. „Am Ende kommen wir alle zusammen und finden eine Lösung“, prophezeite er bei Sky.
Fakt ist: Mit seinem klaren Bekenntnis liefert er genau das, was sich die Klub-Verantwortlichen und Fans immer wünschen. Sané pokert nicht, flirtet nicht mit anderen Vereinen und bietet keine Angriffsfläche.
Fakt ist aber auch: Dass er sich so deutlich seinem aktuellen Arbeitgeber anbietet, birgt auch ein Risiko in sich. Sollten die Bayern und er sich nicht auf eine weitere Zusammenarbeit einigen können, wäre es der Spieler, der als „Verlierer“ aus den Verhandlungen geht.
Dreesen lobt nur ein bisschen
Dass der Nationalspieler sich auf seiner Leistung gegen St. Pauli nicht ausruhen kann, bewies die Reaktion von CEO Jan-Christian Dreesen nach der Partie. Der 57-Jährige ließ auf ein kurzes Lob sofort Tadel folgen: „Er hat mir gut gefallen, insbesondere in der zweiten Halbzeit. Die erste war jetzt nicht unbedingt seine beste.“
Für die Klub-Strategen ist die Verhandlungslage kompliziert. Sané hat mit seiner Bereitschaft, auf Geld zu verzichten, bereits einen Schritt auf sie zugemacht. Gleichzeitig wissen sie, dass ein Abgang des 29-Jährigen eine teure Angelegenheit werden könnte. Schließlich würde man keinerlei Ablöse erzielen und ein Ersatzmann wäre unter 60 Millionen Euro vermutlich nicht zu bekommen.
Beispiel Nico Williams: Den Bayern wird seit einiger Zeit reges Interesse am 22-jährigen Spanier nachgesagt, der aktuell noch bei Athletic Bilbao unter Vertrag steht. Sein Marktwert liegt aber bereits bei 70 Millionen Euro, zudem reißen sich auch andere Top-Klubs um ihn. Sein Gehalt läge wohl in den Sphären von Sané.
Bosse loten Möglichkeiten aus
Noch spielen die Bayern offenkundig auf Zeit und loten ihre Möglichkeiten auf dem Transfermarkt aus. Doch wie lange haben sie noch Zeit dafür? Nach all den klaren Bekenntnissen von Sané wäre es klug vom Rekordmeister, seinerseits ein positives Signal an den 29-Jährigen auszusenden. Schließlich dürfte der als ablösefreier Spieler kein Problem haben, schnell einen zahlungskräftigen neuen Verein zu finden. Wie lange bleibt Sané also geduldig?
SPORT1-Informationen zufolge verliefen die bisherigen Gespräche zwischen ihm und den Bayern-Bossen um Sportvorstand Max Eberl und Sportdirektor Christoph Freund durchaus konstruktiv und positiv. Alle Beteiligten vertrauen sich und kennen die Nöte des jeweils anderen. Ein Durchbruch ist aber noch relativ weit entfernt.
„Im Hintergrund läuft schon alles. Wir besprechen alles“, sagte Sané am Samstagabend lächelnd dazu. Und weiter: „Wie gesagt: Ich versuche einfach, meine Leistung zu bringen. Wir sind jetzt in einer Phase, in der es wichtig wird. Darauf arbeiten wir in einer Saison immer hin. Ich versuche, es zu genießen und das Beste daraus zu machen.“
Sollte Sané sich weiterhin so präsentieren wie in der zweiten Hälfte gegen St. Pauli, dürften die Bayern kaum mehr an ihm vorbeikommen. Doch bis es soweit ist, bleibt es ein brisanter Poker.