Irgendwann war es Max Eberl genug. Als er am Donnerstagvormittag wiederholt auf Thomas Müller und die Meldung angesprochen wurde, dass das Urgestein keinen neuen Vertrag beim FCB bekommen werde, sagte der Sportvorstand: „Wie viele Fragen muss ich noch beantworten dazu?“ Dabei wirkte der 51-Jährige durchaus genervt von diesem Thema.
Das große Problem für Eberl
Kein Wunder, schließlich weht der Wind Eberl derzeit von vorne ins Gesicht. Die Kritik an seiner Arbeit wird lauter – und immer wieder werden seine Entscheidungen hinterfragt oder sogar einkassiert.
Der Fall Müller ist dabei exemplarisch. Während der Sportvorstand im Januar den Eindruck erweckte, der Rekordspieler könne selbst über seine Zukunft entscheiden, passte das Uli Hoeneß nicht wirklich. „Wir sind ja nicht auf dem Basar, wo jeder machen kann, was er will“, sagte der Klub-Patriarch Ende Februar.
Auch als es im Sommer um die Verpflichtung von Jonathan Tah ging oder im vergangenen Monat um Joshua Kimmichs Vertragsverlängerung, sah sich Eberl damit konfrontiert, dass der Aufsichtsrat durchaus gewillt ist, seinen Einfluss geltend zu machen. Manches Verhandlungsergebnis des Sportvorstands wurde plötzlich in Zweifel gezogen.
Für Eberl könnte das zum Problem werden. Es hilft ihm jedenfalls nicht.
Eberl will Thema wegwischen
„Egal, ob Eberls Autorität gelitten hat oder nicht: Das Gefährliche ist, dass allein der öffentliche Eindruck schon schädlich ist“, erklärt SPORT1-Chefreporter Stefan Kumberger in der aktuellen Ausgabe des Podcasts „Die Bayern-Woche“.
Und weiter: „Vereins-Funktionäre, Spieler, Berater und andere wissen nicht, ob sie sich auf Zusagen von Eberl verlassen können oder ob er nochmal nachfragen muss. Wie gesagt: Da geht es gar nicht darum, ob er wirklich Autorität eingebüßt hat, sondern welcher Eindruck entsteht.“
Dass Eberl das Thema Müller vorerst wegwischen wollte, kann Kumberger derweil nachvollziehen. Der Sportvorstandsposten beim FC Bayern sei aus seiner Sicht „der schwerste Job in Fußball-Deutschland“.
Eberl: „Keine One-Man-Show“
Eberl selbst verwies auf der Pressekonferenz übrigens darauf, dass er nicht alleinverantwortlich agiere.
„Kritik habe ich viel bekommen, seitdem ich beim FC Bayern bin. Trotzdem fällen wir zusammen Entscheidungen – deswegen sage ich bewusst wir. Es ist keine One-Man-Show, es ist ein Klub, der Entscheidungen fällt“, sagte der 51-Jährige.
„Für mich heißt das, dass Max Eberl auch die anderen Entscheidungsträger mit ins Boot holen möchte. Er sagt quasi: ‚Ich bin nicht für all das, was vermeintlich schiefläuft, allein verantwortlich‘“, so Kumberger.
Tatsächlich ist das eine beständige Marschroute des Sportvorstands. Bereits im Februar sagte er vor dem Spiel bei Celtic Glasgow auf Nachfrage von SPORT1: „Fußball ist ein Teamsport. Auf dem Platz, aber auch neben dem Platz. Du musst geschlossen sein“. Trotzdem könne es hinter den Kulissen durchaus auch mal knallen. Mittlerweile dürfte dieses Knallen aber auch für Eberl zu laut nach außen dringen.
Die ganze Diskussion um Max Eberl und die Kritik an ihm hören Sie in der aktuellen Folge des SPORT1-Podcasts „Die Bayern-Woche“ mit Moderatorin Madeleine Etti und Chefreporter Stefan Kumberger.