Hinter den Kulissen des FC Bayern brodelt es. Geht es nach Lothar Matthäus, liegen derzeit vor allem Sportvorstand Max Eberl und Ehrenpräsident Uli Hoeneß nicht auf einer Wellenlänge.
Darum brodelt es bei den FCB-Bossen
Der Rekordnationalspieler machte dies unter anderem an der brisanten Personalie Thomas Müller fest. „Ich glaube, Max Eberl und Uli Hoeneß sprechen nicht alles ab. Es sieht so aus, als würde die Chemie nicht ganz stimmen, als sei es nicht so harmonisch in der Führung, wie man es sich in einem Unternehmen, das der FC Bayern ja ist, wünscht“, analysierte Matthäus in der Bild.
TV-Experte Dietmar Hamann legte bei „Sky90“ nach: „Im Moment ist der Verein schwach. Der Aufsichtsrat und der Sportvorstand sind zu oft unterschiedlicher Meinung.“ Doch wo genau liegen die Probleme?
FC Bayern: Aufsichtsrat um Hoeneß und Rummenigge mischt mit
Zunächst lässt sich festhalten, dass das interne Machtgefüge des FC Bayern schon immer sehr komplex ist.
Neben dem dreiköpfigen Vorstand um Vorstandsboss Jan-Christian Dreesen, Stellvertreter Dr. Michael Diederich und Sportvorstand Max Eberl mischt der neunköpfige Aufsichtsrat mit.
Aus diesem Gremium üben Ehrenpräsident Uli Hoeneß und der langjährige CEO Karl-Heinz Rummenigge den großen Einfluss aus - so geschehen schon im Fall Joshua Kimmich (dazu später mehr).
Besonders deutlich werden die internen Spannungen nun wieder in der Causa Müller. Der Vertrag des Bayern-Urgesteins läuft am Saisonende aus, zuletzt mehrten sich die Anzeichen, dass der Verein die Zusammenarbeit nicht verlängern möchte.
Hoeneß widerspricht Eberl bei Müller
Dabei hatte Sportvorstand Eberl Müller im Januar einen Freifahrtschein ausgesprochen: „Die Gespräche mit Thomas werden sicher sehr kurz sein. Wir haben mit ihm schon gesprochen und uns auf die Zukunft vertagt. Thomas braucht nicht großartig zu verhandeln. Wenn er Lust hat weiterzumachen, werden wir uns tief in die Augen schauen und dann wird es weitergehen.“
Die Aussagen riefen Uli Hoeneß auf den Plan. Der Ehrenpräsident pfiff den Sportvorstand Ende Februar ausgerechnet am Rande der Kinopremiere der Thomas-Müller-Doku „Einer wie keiner“ öffentlich zurück.
„Ich glaube schon, dass der FC Bayern und Thomas Müller gemeinsam eine Entscheidung treffen müssen, denn wir sind ja nicht auf dem Basar, wo jeder machen kann, was er will“, stellte Hoeneß auf SPORT1-Nachrage klar.
Der langjährige Bayern-Patron ging sogar einen Schritt weiter: „Ein Thomas Müller, der ständig auf der Bank sitzt, das kann auch nicht eine Lösung sein.“
Differenzen gab es bereits bei Kimmich
Die strikte Linie des Aufsichtsrats gegenüber Eberl ist keineswegs neu. Bereits im zähen Vertragspoker mit Joshua Kimmich wurde das Spannungsverhältnis sichtbar.
Ende Februar zog das Kontrollgremium um Hoeneß und Rummenigge das Vertragsangebot an Kimmich zurück. Der Grund: Der Nationalspieler zögerte nach Ansicht der Ex-Bosse zu lange.
Am Ende gelang es Eberl dennoch, alle Parteien unter einen Hut zu bringen und Kimmich unterzeichnete ein neues Arbeitspapier bis 2029.
Finanzsorgen beim FC Bayern
Ein zentraler Grund für die internen Differenzen ist die finanzielle Situation der Münchner. „In Uli brodelt etwas, das merkt man. Auch, weil er sich Sorgen um die Finanzen macht. Das Festgeldkonto wird immer weniger, damit ist er nicht zufrieden“, führte Matthäus aus.
Die hohen Gehaltskosten beschäftigen den FC Bayern schon länger. Der Klub knackte beim Umsatz zwar die Milliarden-Schallmauer, doch ein Sparzwang scheint unumgänglich. Um es mit den Worten von Uli Hoeneß aus dem vergangenen Sommer zu beschreiben: „Der FC Bayern hat keinen Geldscheißer!“
Nach SPORT1-Informationen würden die Bayern ohne die Teilnahme an der Klub-WM im Sommer sogar mit einem Verlust aus dem Geschäftsjahr gehen. Beim Turnier in den USA beträgt allein die Antrittsgebühr 30 Millionen Dollar, für den Titelgewinn winken sogar 125 Millionen.
Angesichts der gestiegenen Gehaltskosten - auch bedingt durch die jüngsten Verlängerungen mit Jamal Musiala, Alphonso Davies und Kimmich - wäre das Preisgeld ein echter Segen. „Es ist wichtig, dass man dort mit der Motivation hinfliegt, dieses Turnier gewinnen zu wollen“, betonte Rummenigge zuletzt im SPORT1-Interview.
Unter Salihamidzic und Kahn stiegen die Ausgaben
Allerdings hat Eberl diese Situation in Teilen auch geerbt: Bereits unter dem ehemaligen Sportvorstand Hasan Salihamidzic und Ex-CEO Oliver Kahn hatten die Bayern begonnen, auch im internationalen Vergleich sehr gut zu bezahlen. Die Verträge einiger Stars wurden zu deutlich besseren Konditionen verlängert.
Salihamidzic und Kahn agierten zwar unter dem Segen des Aufsichtsrats, allerdings wurden die neuen Verträge unter dem Eindruck des Champions-League-Titels 2020 abgeschlossen. Kurzum: Der Klub hatte das Geld und die (erfolgreichen) Bayern-Stars meldeten berechtigte Ansprüche an.
Im Anschluss konnten die Spieler die Summen aber nicht immer rechtfertigen. 2023 holten die Münchner mit Glück die Meisterschaft, 2024 blieb der Klub sogar komplett titellos.
Eberl sah sich daher schon zu seinem Amtsantritt im März 2024 mit dem Sparkurs konfrontiert. „Auch Bayern München ist nicht frei davon, Einnahmen zu generieren. Darum gibt es auch Verkäufe von Spielern. Wir können nicht alle Top-Spieler behalten – auch wenn es die Menschen gerne hätten“, gab er im vergangenen August zu.
„Transfers wie die von Lucas Hernández, Sadio Mané oder Joao Palhinha hatte man in dieser Größenordnung vorher nie gesehen, nicht nur was die Ablösesummen angeht, sondern auch was die Gehälter betrifft“, mahnt Matthäus in seiner Sky-Kolumne an und schlägt die Brücke zwischen Salihamidzic/Kahn und Eberl.
Die jüngsten Aussagen von Hoeneß „zeigen, dass er besonders mit der wirtschaftlichen Situation des Vereins nicht zufrieden ist. Das betrifft nicht nur aktuell die Zeit mit Max Eberl, sondern schließt auch die Zeit davor mit Oliver Kahn und Hasan Salihamidzic ein - auch wenn er diese damals selbst eingestellt hat. Transfers, Abschlagszahlungen für entlassene Trainer. Es gab so viele Baustellen in den vergangenen Jahren, und das nagt an Hoeneß.“
Müller als Opfer des Sparkurses?
Nun könnte ausgerechnet Müller, der 2000 zur D-Jugend der Bayern wechselte, ein Opfer des Sparkurses werden. Der 35-Jährige zählt nach wie vor zu den Topverdienern, was mit seinen reduzierten Einsatzzeiten unter Vincent Kompany schwer zu rechtfertigen ist.
Dass sein Vertrag am 30. Juni ausläuft, begünstigt einen potenziellen Abschied natürlich. Doch Müller ist nicht irgendwer.
Er ist Rekordspieler des Vereins, zweimaliger Champions-League-Sieger und hat sich als Identifikationsfigur in die Herzen der Fans gespielt. Zudem würde Müller dem Vernehmen nach gerne noch eine Saison in München dranhängen.
Müller lässt nicht alles mit sich machen
Die Vergangenheit zeigt, dass er sich nicht davor scheut, öffentlich Druck auszuüben. Unter Ex-Trainer Niko Kovac tauchten 2019 plötzlich Abschiedsgerüchte auf.
„Ich habe dem Verein gesagt, wenn sich meine Situation nicht ändert, würde ich gern die Option eines Wechsels im Winter prüfen“, erinnerte sich Müller in einem Spiegel-Interview.
Auch unter Thomas Tuchel war der Ur-Bayer zunehmend nur Reservist. Der Coach hatte mit seiner Aussage vor dem Champions-League-Viertelfinale gegen Manchester City („Das ist kein Thomas-Müller-Spiel“) eine Steilvorlage für Debatten über Müllers Zukunft geliefert.
Fest steht: Der FC Bayern will Müller nach seiner aktiven Karriere an den Verein binden. „Ich habe ihm schon ein paar Mal gesagt, dass ich es begrüßen würde, wenn wir ihn in irgendeiner Form behalten“, bekannte Hoeneß.
Allerdings nicht sofort: „Ich würde ihm aber raten, erstmal eine Pause zu machen, um Distanz zu bekommen.“
Matthäus warnt Bayern
Zunächst muss ohnehin geklärt werden, wie es für Müller als Spieler weitergeht. Die Kommunikation diesbezüglich verlief bislang eher unglücklich.
„Thomas ist vielleicht sauer, weil ein Gespräch zu wenig stattgefunden hat“, mutmaßte Matthäus: „Mit verdienstvollen Spielern muss man offen und ehrlich umgehen.“
Daher warnte er: „Bayern darf es auf keinen Fall verpassen, die Beziehung mit Thomas so zu pflegen, dass er später bereit ist, einen wichtigen Posten im Verein zu übernehmen.“