So viel ist klar: Die Probleme bei RB Leipzig sind weitaus größer, als ihnen recht ist. Dass die Leipziger im Saisonendspurt kurzfristig und hektisch den Trainer wechseln, ist ein schrillendes Alarmsignal und schrumpft sie zu einem sehr normalen Bundesligaklub. Diese Saison offenbart eine ernstzunehmende Identifikationskrise beim wichtigsten Fußballunternehmen des RB-Konzerns.
Für RB eine mittelgroße Katastrophe
Es lässt sich sehr einfach auf den Punkt bringen: Leipzig hat das Besondere verloren. Was sie über Jahre ausgezeichnet hat, wofür sie standen, das frühzeitige Scouting junger und hochtalentierter Spieler im Ausland sowie Hochgeschwindigkeitsfußball nach Balleroberung, machen und können längst auch andere. Diese Ideen reichen nicht mehr, die so genannte „RB-Schule“, aus der viele Trainer und Verantwortliche stammen, die mal in Salzburg oder später Leipzig gearbeitet hat, ist längst weit verbreitetes Kulturgut.
RB, das ja auch in Österreich den Fußball nicht mehr dominiert, braucht dringend etwas Neues. Einen besonderen Ansatz wieder, für den sie stehen und der sie einzigartig macht. Dass das, was sie liefern, in den letzten Jahren, austauschbar und beliebig ist, ist für die Weltmarke Red Bull, für die sie jede Woche auflaufen, eine mittelgroße Katastrophe. In der Champions League, der wichtigsten Liga des Fußballs, sang- und klanglos nach der Vorrunde auszuscheiden, hat mit den Ansprüchen der Adrenalin-Marke nichts zu tun. „Wenn wir etwas machen, dann machen wir es richtig“, hat Didi Mateschitz, der 2022 verstorbene Red-Bull-Macher, gern gesagt.
Im letzten Jahr hat Red Bull Jürgen Klopp unter Vertrag genommen. Ein Fußball-Schwergewicht, der nun einerseits als Markengesicht weltweit für Sympathien sorgen soll, andererseits in seiner Funktion als „Head of Global Soccer“ alle großen Entscheidungen begleitet und, zumindest für die Öffentlichkeit, auch verantwortet. Die Klopp-Verpflichtung war ein Paradigmenwechsel. Red Bull hatte im Fußball zuvor nie auf große Namen und deren besondere Strahlkraft gesetzt. Der Fußballkonzern muss nun lernen, das ist zu hören, sich nach dem Fixstern Klopp auszurichten. Er schwebt über allem. Das ist neu, das gab es vorher nicht.
RB braucht dringend neue Energie
Die Leipziger Trainerbank ist, nach der Trennung von Marco Rose, seit dieser Woche mit zwei Klopp-Leuten besetzt. Chefcoach Zsolt Löw, 45, holte er im Januar in sein Team, als Entwicklungschef, und dessen Assistent Peter Krawietz, 53, war zuletzt über neun Jahre Klopps Co-Trainer in Liverpool.
Vielleicht ist das Klopp-Red-Bull die neue große Idee, die auch Leipzig wieder zu etwas Besonderem macht. Es wäre extrem wichtig für sie. RB, das sehen alle, die ein bisschen was von Fußball verstehen, braucht dringend neue Energie.