Hinter Mio Backhaus liegt ein bewegter Sommer. Mit großen Ambitionen ist er in der Vorbereitung in den Zweikampf mit Michael Zetterer gegangen, verlor diesen und steht am Ende trotzdem als Nummer eins im Kasten von Werder Bremen.
Lennart Karl? DFB-Kollege gerät ins Schwärmen!
Karl? DFB-Kollege gerät ins Schwärmen
Wie der 21-Jährige diese turbulente Zeit erlebt hat, ob ein Wechsel zum japanischen Verband vorstellbar wäre und wie er über Lennart Karl und weitere U21-Talente denkt, hat Backhaus im exklusiven SPORT1-Interview verraten.
SPORT1: Herr Backhaus, im Jahr 2018 sind Sie von Alemannia Aachen nach Bremen gewechselt, haben diverse Jugendmannschaften durchlaufen und sind mittlerweile sogar die Nummer eins im Werder-Tor. Ist der Karriereplan bis hierhin perfekt aufgegangen?
Mio Backhaus: Das war immer mein Traum und Ziel, hier Stammtorwart zu sein. Werder hat sich zu meinem Lieblings- und Herzensverein entwickelt. Hier wollte ich es unbedingt schaffen und dass ich jetzt meinen Traum so leben darf, ist etwas sehr Tolles für mich.
Backhaus: „Mein Papa war schon immer Werder-Fan“
SPORT1: Obwohl Sie gebürtig aus Mönchengladbach kommen, hatten Sie in der Familie bereits eine Verbindung zu Werder, oder?
Backhaus: Tatsächlich war mein Papa schon immer Werder-Fan. Vor allem die Jahre um 2004 sind dafür verantwortlich, als wir hier das Double feiern durften. Da hat er enorm mitgefiebert. In der Familie hatten wir schon immer einen kleinen Werder-Bezug, für mich persönlich entstand dieser vor allem dann in den Jahren, seitdem ich hier aktiv bin. Jetzt ist es ein gemeinsamer Traum, den wir leben können, von Papa und mir. Das ist schon sehr schön, wenn er mich hier besuchen kommt und spielen sieht.
SPORT1: Gibt es Berührungspunkte zu Borussia Mönchengladbach, aufgrund ihres Geburtsorts?
Backhaus: Bevor ich zu Werder gekommen bin, war ich schon Mönchengladbach-Fan gewesen. Natürlich finde ich den Verein immer noch sehr sympathisch. Aber Werder hat die Borussia dann doch sehr schnell überholt.
SPORT1: Momentan schaffen immer mehr Werder-Jugendspieler den Sprung zu den Profis. Nehmen Sie eine Vorbildrolle für jetzige Jugendspieler ein?
Backhaus: Bestimmt, auch wenn ich das nicht bewusst lebe. Wenn ich mich zurückerinnere, dann habe ich auch auf die Profispieler geschaut, die aus der Jugend kamen. Für mich waren es zum Beispiel Nick Woltemade oder Eren Dinkci, die es geschafft haben. Da schaut man als Jugendspieler genau hin. Ich hoffe, dass ich den Torhütern unserer Jugendmannschaft einen Motivationsschub geben kann mit meinem Weg.
Woltemade? „Ich habe seinen Weg stark verfolgt“
SPORT1: Sie haben Nick Woltemade bereits angesprochen. Kann sein Karriereweg auch als Vorbild für Sie dienen?
Backhaus: Nick und ich waren auf der gleichen Schule, ich habe seinen Weg stark verfolgt. Aber jeder hat so seinen eigenen Weg. Bei mir muss es nicht so explosiv hochgehen.
SPORT1: Gibt es einen Werder-Keeper, von dem Sie sich besonders viel abgeschaut haben?
Backhaus: Ich war natürlich ein großer Pavlenka-Fan. Als ich dann das erste Mal mit 17 mit trainieren durfte, war das schon eine Nummer. Er war 29 Jahre und wie er die Bälle rausgekratzt hat, da habe ich gedacht, dass ich da noch einen ordentlichen Schritt machen kann.
SPORT1: Der Sommer muss für Sie turbulent gewesen sein. Erst wurde Zetterer zur Nummer 1 erklärt, dann wechselte er nach Frankfurt und Sie wurden Stammtorwart. Wie haben Sie das erlebt?
Backhaus: Tatsächlich war die Woche sehr aufregend. Die Entscheidung wurde mir nach dem letzten Testspiel mitgeteilt. Da war die Enttäuschung erst groß. Trotzdem wusste ich, dass die Möglichkeit besteht, dass Zetti noch geht. Die Woche verging super schnell, ich kann mich an alle Wendungen gar nicht mehr richtig erinnern. Es war definitiv sehr wild.
Neuer-Trikot „hat einen besonderen Platz“
SPORT1: Sie haben die ersten vier Saisonspiele absolviert und dann eine Schulterverletzung erlitten, sind für zwei Spiele ausgefallen und haben ausgerechnet das Spiel gegen den FC Bayern München verpasst. Besonders ärgerlich?
Backhaus: Das wäre sicherlich ein tolles Spiel gewesen. Gegen Manuel Neuer zu spielen, ist etwas Besonderes. Die Enttäuschung war aber größer, dass ich überhaupt ein Spiel verpasse, vor allem, weil ich auch nicht wusste, wie lange ich ausfalle. Es hätte ein paar Monate sein können oder wenige Tage. Diese Unsicherheit hat überwogen.
SPORT1: Sie haben bereits in anderen Interviews verraten, dass Manuel Neuer jemand ist, zu dem Sie aufschauen. Ist die Hoffnung da, ihn im Rückspiel kennenzulernen?
Backhaus: Er hat mir tatsächlich letztes Jahr in München sein Trikot gegeben, als wir dort gespielt haben. Groß ins Gespräch sind wir nicht gekommen, aber es hat mich trotzdem sehr gefreut. Das Trikot hat einen besonderen Platz bei mir.
SPORT1: In den deutschen U-Nationalmannschaften haben Sie mit vielen Talenten bereits zusammengespielt. Wer kann noch richtig explodieren von den Jungs?
Backhaus: Keke Topp, der ist definitiv ein Kandidat! (schmunzelt) Ich glaube schon, dass Brajan Gruda eine unglaubliche Qualität hat. Auch Justin Diehl hat mich beeindruckt. Leider hat er mit vielen Verletzungen zu kämpfen.
SPORT1: Lennart Karl haben Sie im November auch kennengelernt…
Backhaus: Stimmt! Es war bisher nur ein Lehrgang, aber der Junge hat eine enorme Qualität. Tom Bischof übrigens auch! Lennart ist ein ganz ruhiger Charakter, aber total sympathisch! Und wenn Lennart auf dem Platz ist, hat der eine unglaubliche Qualität, das Spiel an sich zu ziehen oder auch zu entscheiden. Da tut sich jeder Gegenspieler schwer, ihn zu verteidigen.
Japan? „Könnte ich mir auf jeden Fall vorstellen“
SPORT1: Ihre Mutter ist Japanerin. Neben dem DFB könnten Sie somit auch für die japanische Nationalmannschaft spielen. Wie sehen Ihre Gedanken dazu aus?
Backhaus: Ich könnte es mir auf jeden Fall vorstellen. Da brauche ich noch etwas Zeit, um das zu entscheiden. Aktuell spiele ich in der U21 von Deutschland. Da habe ich weniger Reisestress und kenne die Jungs. Ich bin da sehr glücklich erstmal. Für mich zählt es, dass ich im Verein performe und die richtige Entscheidung treffe. Und aktuell ist das klar die U21 Deutschlands.
SPORT1: Gibt es mit dem deutschen Torwarttrainer der Nationalmannschaft, Andreas Kronenberg, einen Austausch oder einen Entwicklungsplan?
Backhaus: Wir haben bisher nur im Rahmen der U21 gesprochen. Vielleicht bin ich ein Kandidat, vielleicht auch nicht. Erstmal muss ich bei Werder noch ein paar gute Spiele machen, um da auf dem Zettel zu stehen.
SPORT1: Aber ein Traum wäre es, für den DFB zu spielen?
Backhaus: Ein Traum wäre es, für eine Nationalmannschaft zu spielen.