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In der Branche glauben nicht wenige: Sie können den FC Bayern packen

Teil 1 der Vision nimmt Gestalt an

Hoffenheim ist bei vielen Fans der Bundesliga nicht besonders beliebt. Doch die erfolgreiche Arbeit der Verantwortlichen ist beeindruckend, meint SPORT1-Kolumnist Tobias Holtkamp.
Beim 3:1-Sieg in Frankfurt zeigt Hoffenheim erneut eine starke Leistung. TSG-Trainer Christian Ilzer ist sich der Möglichkeit bewusst, in der kommenden Saison in der Champions League zu spielen, drückt trotz allem aber auf die Bremse.
Hoffenheim ist bei vielen Fans der Bundesliga nicht besonders beliebt. Doch die erfolgreiche Arbeit der Verantwortlichen ist beeindruckend, meint SPORT1-Kolumnist Tobias Holtkamp.

Hoffenheim zählt unter Bundesliga-Fans nicht gerade zu den beliebtesten Adressen. Kaum Tradition, wenig Fans, für viele der Inbegriff eines künstlich hochgezogenen Retortenclubs.

Problem: Dieses Hoffenheim spielt gerade den schönsten Fußball und ist seit der Länderspielpause im Oktober die Nummer zwei der Bundesliga. Gewinnt die TSG das Nachholspiel heute Abend in Bremen (ab 20.30 Uhr im LIVETICKER), sind sie in dem Zeitraum punktgleich mit den Bayern. 32 Zähler aus 13 Spielen – da kommt sonst keiner mit. Trainer Christian Ilzer und Sportchef Andreas Schicker haben vorher schon bei Sturm Graz zusammengearbeitet. Und in Österreich, wo sie das Double holten, die Dominanz von Red Bull Salzburg durchbrochen.

Eine Meisterleistung der Hoffenheim-Bosse

Dieses Top-Duo zu ihrem Klub zu lotsen, war eine Meisterleistung der Hoffenheim-Entscheider um Mehrheitsgesellschafter Jörg Albrecht, der von seinem Amt als Vereinsvorsitzender im letzten November aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten war. Bei dem Ex-Bürgermeister der Stadt Sinsheim war im Herbst 2024 eine unheilbare ALS-Erkrankung diagnostiziert worden.

Von Schicker versprach sich Albrecht, genau wie Klub-Mäzen Dietmar Hopp, eine Menge. Der Österreicher war ihre „absolute Wunschlösung“, gerade seine „geschickten Transfers von jungen Talenten“ hatten es ihnen angetan.

Schicker sollte aus Hoffenheim wieder Hoffenheim machen. Also das Hoffenheim, das sie unter Ralf Rangnick, der gerade Österreich zur Fußball-WM geführt hat, schon einmal waren. Als sie mit jungen Top-Talenten wie Demba Ba, Carlos Eduardo oder Luis Gustavo die Bundesliga stürmten und zu einer Marke wurden.

Schicker und Ilzer überraschen sich selbst

Es ist Schicker und Ilzer, der seinem Freund im November 2024 zur TSG folgte, viel schneller gelungen, als sie selbst gedacht hätten. Im März letzten Jahres, als der Klub gegen den Abstiegssumpf kämpfte, formulierte Ilzer im Interview mit dem kicker: „Ich will Hoffenheim in drei Jahren zurückbringen ins internationale Geschäft. Und ich will in fünf Jahren um die Deutsche Meisterschaft spielen mit Hoffenheim.“

Keine elf Monate später sind Ilzer und Schicker auf Kurs Champions League. Sie punkten und punkten. Teil 1 der großen Vision nimmt Gestalt an.

Am 8. Februar fordert die Überraschungs-Mannschaft des Jahres die Bayern, in der Branche glauben nicht wenige, dass sie den Meister in dieser Phase packen können. Sie stehen kompakt, schalten sehr schnell um und sind extrem torgefährlich.

„Brutaler Zusammenhalt“ bei Hoffenheim

Aber vor allem kämpfen sie so sehr füreinander, dass dieses Miteinander auch bei den Gegnern ein Thema ist. Ilzer nannte es im ZDF-Sportstudio einen „brutalen Zusammenhalt“, darauf hätten sie sich verständigt, „dass du sagst: Du bist bereit für Blut, Schweiß, Tränen!“

Die Erklärung schob er nach: „Mit Blut meine ich den körperlichen Einsatz, mit Schweiß die tagtägliche Arbeit - und mit Tränen das Emotionale: Dass du auch schwierige Phasen in einer Saison hast und trotzdem immer ein Team bleibst.“

Dass das unglaubliche Hoffenheim bald in die Champions League stürmt, würde sehr sicher vielen Fans nicht gefallen. Aber sie hätten es sich dann eben mehr als verdient!