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"Mach's gut, Leon – würdevoll ohne Ende"

Goretzkas Abschied „tut richtig weh“

Leon Goretzka wird den FC Bayern im Sommer verlassen. Bei den Fans sorgt das für gemischte Gefühle. SPORT1 hat sich umgehört.
Nachdem nun klar ist, dass Leon Goretzka den FC Bayern im Sommer verlassen wird, reagieren nun Sportvorstand Max Eberl und Teamkollege Manuel Neuer.
Leon Goretzka wird den FC Bayern im Sommer verlassen. Bei den Fans sorgt das für gemischte Gefühle. SPORT1 hat sich umgehört.

Die Entscheidung ist gefallen: Leon Goretzka wird den FC Bayern nach der laufenden Saison verlassen. Bei vielen Fans sorgt diese Nachricht für gemischte Gefühle. Über Jahre hinweg war der Nationalspieler eine feste Größe im Münchner Mittelfeld und stand für Physis, Mentalität sowie wichtige Tore in entscheidenden Momenten.

Bestätigt wurde die Entscheidung nun von Goretzka selbst über Instagram. „So sehr mich das Interesse von internationalen Top-Klubs ehrt, so klar habe ich für mich entschieden, dass ich bis zum Saisonende beim FC Bayern bleiben möchte“, schrieb der Mittelfeldspieler, der 2018 an die Isar gewechselt war.

Zugleich erklärte er, dass Verein und Spieler in „guten und konstruktiven Gesprächen“ beschlossen hätten, die gemeinsame, erfolgreiche Zeit im Sommer zu beenden. In den vergangenen beiden Spielzeiten hatte sich Goretzkas Rolle zunehmend verändert. Die Konkurrenz im zentralen Mittelfeld wuchs, zugleich befindet sich die Spielweise des FC Bayern im Umbruch. Nach dem Ende der laufenden Saison sucht der 30-Jährige nun eine neue sportliche Herausforderung.

Goretzka-Abschied geht vielen nah

SPORT1 hat sich bei fünf Bayern-Fanclubs umgehört, wie sie den Abschied Goretzkas bewerten. Zwischen großer Wehmut, Verständnis für seine Situation und Kritik an der sportlichen Entwicklung des Klubs zeigen die Reaktionen deutlich: Der mögliche Abgang des Mittelfeldspielers geht vielen näher, als es ein gewöhnlicher Transfer vermuten ließe.

Manu Hillwig (Fanclub Stern des Südens Lippe): „Ich bin unfassbar traurig. Das muss ich erst einmal verarbeiten. Goretzka war so ein netter, bodenständiger Typ. Ich habe ihn als Mensch, mit seiner Haltung und seiner Einstellung, und als Spieler sehr geschätzt. Wahnsinn – das tut richtig weh, das muss man erst einmal sacken lassen.

Ich bin wirklich angeschlagen seitdem diese Entscheidung feststeht. Goretzka hat immer etwas Besonderes verkörpert. Ich kann es aber auch verstehen, weil er zuletzt nicht mehr so oft gespielt hat. Und die Spielweise der Bayern hat sich durch die jungen Kerle um Olise sehr verändert. Goretzka ist ein Kämpfer – über diesen Schritt hat er sich lange und intensiv Gedanken gemacht. Umso trauriger macht es mich, dass er geht.“

Georg Haas (Podcast und Blog „Miasanrot“): „Leon Goretzka ist menschlich ein Verlust für den FC Bayern: Er steht glaubwürdig für die Werte des Vereins, zeigt klare Kante gegen Rassismus und hat sich letzte Saison mit einer echten Cinderella-Story noch einmal ins Team zurückgekämpft.

Der sportlich beste Goretzka war der Box-to-box-Spieler mit Strafraumpräsenz, Torgefahr und starkem Gegenpressing unter Flick und Nagelsmann. In Vincent Kompanys System gibt es die Rolle so nicht mehr, zudem ist die Konkurrenz im Mittelfeld groß.

Deshalb ist ein Abgang im Sommer ein würdiger Abschied, der für beide Seiten Sinn ergibt und diesmal auch klar und konsistent vom FC Bayern kommuniziert wurde. Goretzka wird nächste Woche 31, ein gutes Alter, um noch ein paar Jahre eine neue Erfahrung im Ausland zu machen. Mach‘s gut, Leon - würdevoll ohne Ende.“

Michael Böhler (Präsident Krebsbacher Bayern Fan-Club e.V. und Sprecher der Fanclubregion Bodensee): „Leon Goretzka hat sich immer vorbildlich verhalten. Ich bin ein sehr großer Fan von Leon. Er hat auf die vielen Diskussionen der letzten Monate und Jahre immer mit sportlichen Leistungen geantwortet und nie lamentiert. Er hat für unseren Verein stets alles gegeben, und ich finde seine sportliche Einstellung, bis zum Sommer weiter für den FC Bayern zu spielen und alles zu geben, sehr lobenswert.

Es wird mir ohne ihn etwas fehlen. Er ist nun aber 30 Jahre alt und sagt selbst, dass er noch einmal etwas anderes machen möchte. Ich glaube, diese Lösung passt für beide Seiten ganz gut. Der FC Bayern ist auf dieser Position natürlich auch top besetzt, und sicher muss man die Situation von allen Seiten beleuchten. Der Verein hat kein Hehl daraus gemacht, dass es für ihn wohl besser wäre, zu gehen. Das konnte ich nicht immer nachvollziehen. Leon hat sich immer zurückgekämpft und mit Leistungen gezeigt, wie wertvoll er sein kann – scheinbar jedoch nicht so viel wert, dass sich das mit seinem Gehalt deckt. Ich wünsche ihm weiterhin viel Erfolg und viele Titel, sowohl beim FC Bayern als auch in der deutschen Nationalmannschaft.

Hans Gehrlein (13 Höslwanger): „Leon ist ein Top-Profi, der sich auch mit seinem Verein identifiziert. Solche Spieler möchte man als Fan immer lange bei sich haben. Die Verantwortlichen und auch Leon werden schon gute Gründe haben, dass die Zusammenarbeit im Sommer endet. Dann ist das auch in Ordnung so. Wichtig ist, dass alles ehrlich und offen kommuniziert wird – und das scheint hier auch der Fall zu sein.

Bis zum Ende der Saison haben wir noch einiges vor, und jetzt werden alle schauen, dass wir gemeinsam mit Leon noch einmal etwas ‚reißen‘ können, um ihm nach acht sehr erfolgreichen Jahren einen würdigen und schönen Abschied beim FC Bayern zu bereiten.“

Michael Buttlinger (Bayernfreaks Hohentengen): „Es war absehbar, dass Leon den FC Bayern verlässt, da er einfach zu wenig Einsatzzeiten bekommen hat und bei Vincent Kompany nicht gesetzt ist. Aktuell sind Joshua Kimmich und Aleksandar Pavlović gesetzt. Ich finde, dass ihn für sich selbst ein neues Kapitel weiterbringt – auch persönlich.

Für die Rückrunde und die vielen englischen Wochen tut ein Spieler mit so viel Erfahrung ebenfalls gut. Es ist gut, dass wir ihn nicht schon in der Winterpause abgegeben haben. Wenn er gespielt hat, hat er immer seine Leistung abgerufen. Wir bedanken uns bei Leon für die letzten acht Jahre.“