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"Ich bin Real-Madrid-Fan - der Zug ist wohl abgefahren"

Werders große Konstante erklärt Misere

Werder-Leistungsträger Jens Stage spricht im exklusiven SPORT1-Interview über den Trainerwechsel zu Daniel Thioune, die fünf aufeinanderfolgenden Abstiegsduelle, wie er zum Toptorjäger wurde und seine anhaltenden Nicht-Nominierungen für Dänemark.
In Bremen stehen entscheidende Wochen an: Der SV Werder steckt im Abstiegskampf und hat in den kommenden Partien alle direkten Konkurrenten vor der Brust.
Werder-Leistungsträger Jens Stage spricht im exklusiven SPORT1-Interview über den Trainerwechsel zu Daniel Thioune, die fünf aufeinanderfolgenden Abstiegsduelle, wie er zum Toptorjäger wurde und seine anhaltenden Nicht-Nominierungen für Dänemark.

Wie bodenständig Jens Stage ist, wird wieder einmal deutlich, als er den Raum für das SPORT1-Exklusivinterview betritt. Keine Sporthose, keine Sneaker - Stage erscheint in Jeans und Anzugsschuhen pünktlich zum verabredeten Termin. Stellt sich zudem höflich per Handschlag bei jedem im Raum vor.

Kaum ein Spieler steht in Bremen so sehr für Konstanz und Leistungen wie der Däne. Stage hat sich bei Werder unverzichtbar gemacht. In der vergangenen Saison entdeckte der Sechser zudem seinen Torjägerinstinkt und erzielte ganze zehn Treffer. Mehr als jeder andere Bremer und das ohne einen einzigen Elfmeter. Und auch in dieser Spielzeit setzt der 29-Jährige genau dort an und führt mit sechs Toren die interne Torschützenliste an.

Wie Stage über den Trainerwechsel von Horst Steffen zu Daniel Thioune denkt, wie groß der Druck im Abstiegskampf ist, wie er seine Torgefahr entdeckte und warum Werders Entwicklung rückläufig ist, das erklärt er im exklusiven SPORT1-Interview.

SPORT1: Herr Stage, mit Daniel Thioune hat ein neuer Coach übernommen. Beschreiben Sie mal: Wie tickt er als Trainer?

Jens Stage: Er ist sehr klar in dem, was er will und was er von der Mannschaft verlangt. Wir haben sehr intensive Trainingseinheiten unter ihm, das gefällt mir. Er ist richtig engagiert und macht einen super Eindruck. Das Wichtigste ist, dass die Entwicklung weiter nach oben geht und dass wir jetzt die Punkte holen.

SPORT1: Wie groß ist der Kontrast zu Horst Steffen?

Stage: Jeder Trainer hat seine Qualitäten. Manches wirkt bei manchen Mannschaften besser, manches schlechter. Ich will Horst und Daniel nicht miteinander vergleichen. Beide sind super Trainer und können einer Mannschaft viel geben. Ich bin dankbar für meine Zeit mit beiden.

Thiounes Emotionalität soll Belohnung bringen

SPORT1: Passt die Emotionalität von Daniel Thioune dennoch besser zur Mannschaft als der ruhigere Horst Steffen?

Stage: Ich würde sagen, dass das Emotionale und das Engagement von Daniel Thioune super für die Truppe sind. Er macht vieles richtig, er will alle mitnehmen. Hoffentlich kriegen wir die Belohnung am Wochenende.

SPORT1: Schauen wir auf die Gesamtsituation: Werder wartet seit zwölf Spielen auf einen Sieg. Wie sehr belastet das die Mannschaft?

Stage: Ich glaube, jeder ist sich der Situation bewusst. Jeder will unbedingt den Sieg einfahren. Die Situation ist nicht gut, aber wir können es am Wochenende ändern. Wir müssen alles für die drei Punkte investieren.

„Ich überlege nicht, was passiert, wenn wir verlieren“

SPORT1: Wie wegweisend ist das Duell mit dem FC St. Pauli? Ist dieses Abstiegsduell ein klassisches Sechs-Punkte-Spiel?

Stage: Nein! Es gibt drei Punkte, wie bei allen anderen Spielen auch. Ich gehe jeden Tag fokussiert zur Arbeit, damit wir die drei Punkte holen. Ich überlege nicht, was passiert, wenn wir verlieren.

SPORT1: Seit Ihrem Wechsel 2022 nach Bremen ging es eigentlich stetig bergauf. In den vergangenen Jahren haben Sie oft an Europa gekratzt. Dieses Jahr ist die Entwicklung erstmals rückläufig. Wie ist das zu erklären?

Stage: Dafür gibt es mehrere Gründe. Der Kader hat größere Veränderungen erfahren. Wir haben viele neue Spieler, viele sind hingegen gegangen. Das kann dauern, bis alles klappt. Wir hatten vorher eine Mannschaft, die über viele Jahre zusammengespielt hat. Das ist jetzt anders. Wir müssen einfach als Gruppe zusammenstehen und weiterarbeiten. Die Situation ist nicht gut. In den vergangenen Jahren war sie besser. Man muss aber auch sagen: In vielen der nicht gewonnenen Spiele war die Leistung in Ordnung. Die Leistung war besser als es die Punkteausbeute aussagt.

Entscheidende Veränderungen durch sieben Leihspieler

SPORT1: Welche Rolle spielt es, dass Werder diese Saison sieben Leihspieler hat? Ist es schwerer, eine Mannschaft zu werden, wenn so viele Spieler nur für kurze Zeit da sind?

Stage: Das ist wie bei normalen Transfers, der eine funktioniert besser, der andere vielleicht weniger. Es wäre zu einfach zu sagen, dass Leihspieler grundsätzlich weniger engagiert sind. Im Großen und Ganzen spielt es aber ebenfalls eine Rolle, dass wir viele Veränderungen hatten. Beispielsweise haben viele Wortführer den Club verlassen, da müssen nun andere Spieler hineinwachsen.

SPORT1: In Bremen haben Sie zusätzlich Ihre Torjägerqualitäten entdeckt. Vergangene Saison waren Sie Toptorjäger und hatten sogar noch mehr Tore als Marvin Ducksch. Und auch dieses Jahr führen Sie die Torjägerliste an …

Stage: In meiner ganzen Karriere habe ich immer die Chance auf Tore gehabt. Ich bin ein Spieler, der sich gerne im Strafraum aufhält. Die letzten Jahre waren natürlich recht erfolgreich. Ich weiß, dass die Chance auf Tore groß ist, wenn ich vorne mit reinlaufe. Wenn man mit Selbstvertrauen spielt, ist es einfacher, Tore zu schießen.

SPORT1: Damit dürften Sie ja sicherlich bald Anspruch auf die Rückennummer neun anmelden?

Stage: Es gibt ganz sicher bessere Neuner als mich! (lacht)

Welche Zukunftspläne hat der Real-Fan?

SPORT1: Wie schaut die Karriereplanung von Jens Stage aus? Welche Ziele haben Sie noch?

Stage: Ich habe auf jeden Fall noch mehrere Ziele. Die werde ich aber sicherlich nicht alle umgesetzt bekommen. Ich überlege von Tag zu Tag mit meiner Familie, was wir wirklich wollen und wo wir uns wohlfühlen. Bis jetzt sind wir alle happy. Aktuell ist mein primäres Ziel, die letzten zwölf Spiele gut zu bestreiten und in der 1. Bundesliga zu bleiben.

SPORT1: Gibt es dennoch einen Verein, der Sie reizen würde, wenn er anruft? Beispielsweise Ihr Lieblingsklub aus der Jugend?

Stage: Das ist unrealistisch! (lacht) Ich bin Real-Madrid-Fan, der Zug wird wohl abgefahren sein.

SPORT1: Welche Real-Madrid-Ära war es, in der Sie zum Fan geworden sind?

Stage: Das kam von meinem Vater, als ich ein Kind war. Damals war ich wirklich ein großer Real-Fan. Das ist mit der Zeit weniger geworden, aber wenn es zeitlich passt, schaue ich mir immer noch die Spiele an.

SPORT1: Gab es damals einen Spieler, der Sie besonders beeindruckt hat?

Stage: Ich würde sagen, ich war ein riesiger Zinédine Zidane-Fan. Aber auch Sergio Ramos hat mich beeindruckt.

„Jeder strebt nach dem Höchsten“

SPORT1: Mit Kopenhagen haben Sie bereits europäisch gespielt. Ist das etwas, was Sie noch mal erleben wollen?

Stage: Natürlich will ich noch mal europäisch spielen. Aber welcher Spieler will das nicht? Jeder strebt nach dem Höchsten.

SPORT1: Das Thema Nationalmannschaft ist für Sie sicher kein leichtes. Trotz Ihrer starken Entwicklung in Bremen haben Sie nur zwei Länderspiele für Dänemark. Wie kann es sein, dass ein Spieler Ihrer Qualität nicht regelmäßig dabei ist?

Stage: Da bin ich der falsche Ansprechpartner. Meine Meinung dazu ist eigentlich auch egal. Der Nationaltrainer trifft die Entscheidung. Das akzeptiere und respektiere ich.

SPORT1: Aber gab es wenigstens mal Kontakt?

Stage: Ja, wir haben einmal geschrieben… Aber es gab keine Nominierung.