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"Es ist wirklich ein gewisser Ausnahmezustand in Österreich"

„Ein Ausnahmezustand in Österreich“

Leipzigs Nationalspieler Christoph Baumgartner und Benjamin Henrichs sprechen im exklusiven SPORT1-Interview über das große Ziel Europa und ihre Ambitionen für die WM im kommenden Sommer.
Nach seiner schweren Verletzung an der Achillessehne bestreitet Benjamin Henrichs nun wieder seine ersten Spiele für RB Leipzig. Mit dem Ziel bei der  WM dabei zu sein, startet der ehemalige DFB-Verteidiger in sein Fußballjahr 2026. Dort sind auch die Österreicher um Teamkollege Christoph Baumgartner mit vertreten.
Leipzigs Nationalspieler Christoph Baumgartner und Benjamin Henrichs sprechen im exklusiven SPORT1-Interview über das große Ziel Europa und ihre Ambitionen für die WM im kommenden Sommer.

Die Vorfreude auf die Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Mexiko und Kanada ist in RB Leipzigs Kabine längst angekommen. Gleich mehrere Profis machen sich Hoffnungen, beim großen Turnier dabei zu sein. Während die Nominierung bei Christoph Baumgartner für Österreich als unumstrittener Stammspieler höchstwahrscheinlich ist, muss Benjamin Henrichs nach seinem Achillessehnenriss noch zittern, ob er den Anruf vom DFB bekommt.

Wie Henrichs über seine Nominierung denkt und welche Sticheleien Baumgartner in der RB-Kabine an die DFB-Jungs austeilt, darüber sprechen die beiden Nationalspieler im exklusiven SPORT1-Interview.

Baumgartner: „Die europäischen Plätze sind unser Ziel“

SPORT1: Herr Baumgartner, der Start ins Jahr 2026 ist sicherlich nicht ganz so verlaufen, wie Sie sich das erhofft haben. Die Champions-League-Qualifikation ist allerdings immer noch in Reichweite. Wie sehen Sie die Ausgangslage aktuell?

Christoph Baumgartner: Ich denke, wir haben in dieser Saison schon einiges gesehen. Wir wissen, dass wir in der Lage sind, eine Serie zu starten und viele Spiele zu gewinnen. Aber wir müssen dafür immer auf höchstem Niveau agieren. Die Liga ist unfassbar eng, die Qualität ist enorm hoch. Die europäischen Plätze sind unser ganz klares Ziel.

SPORT1: Herr Henrichs, Christoph Baumgartner spricht es an. Was braucht es, um das Ziel zu erreichen?

Benjamin Henrichs: Wir brauchen Konstanz. Ähnlich wie in der Hinrunde, als wir eine Serie gestartet haben. Da hat man unsere Qualität gesehen. Nach dem Auftakt gegen die Bayern war es der beste Saisonstart, den wir in der Bundesliga je hatten. Wir wollen zurück zu dieser Konstanz und punkten, denn unser großes Ziel sind die europäischen Plätze.

SPORT1: Sie sind mittlerweile fast fünf Jahre in Leipzig, haben einige Spieler kommen und gehen sehen. Der Fokus bei RB liegt oft auf den Toptalenten, aktuell sind dies sicherlich Yan Diomande oder auch Antonio Nusa. Was macht die beiden so speziell?

Henrichs: Ich glaube, dass es für die Arbeit von RB Leipzig spricht, dass wir immer wieder Spieler entdecken und entwickeln, die hier einen großen Schritt machen. Yan und Toni sind unfassbar gute Spieler, im Eins-gegen-Eins unglaublich schwer zu verteidigen. Man sieht es auch im Training: Es ist besser, wenn man die beiden Jungs in seiner Mannschaft hat (lacht). Die Jungs können Spiele für uns entscheiden. Sie haben die Qualität, Situationen zu kreieren und Tore zu schießen, Assists zu geben. Das ist genau die Qualität, die wir brauchen.

WM 2026: Ausnahmezustand und große Ziele

SPORT1: Herr Baumgartner, wir sind in einem WM-Jahr. Mit Österreich haben Sie sich qualifiziert, die Stimmung dürfte dort ganz besonders sein. Wie groß ist die Vorfreude?

Baumgartner: Die Vorfreude ist riesengroß! Nicht nur bei uns Spielern, sondern im ganzen Land. Wir waren 28 Jahre nicht dabei. Das heißt, seitdem ich geboren bin, habe ich Österreich nie bei einer WM gesehen. Das zeigt, was wir da geschafft haben. Jetzt sagen viele wahrscheinlich: Mit dem Kader musst du es auch schaffen – aber es ist trotzdem nicht so einfach. Man muss immer am Limit sein, man darf sich keine Ausrutscher leisten. Das haben wir geschafft, wir sind absolut verdient dabei. Und nun haben wir pure Vorfreude, weil das ein Erlebnis ist, das man nur ein- oder zweimal im Leben hat. Es ist wirklich ein gewisser „Ausnahmezustand“ in Österreich (lacht).

SPORT1: Was nehmt ihr euch vor für die WM?

Baumgartner: Wir haben eine spannende Gruppe. Wir spielen gegen den amtierenden Weltmeister Argentinien, Jordanien und Algerien. Bei Algerien hat man zum Beispiel beim Afrika-Cup gesehen, welche Qualität sie haben. Es ist klar unser Ziel, die Gruppenphase zu überstehen. Ich denke, das ist auch absolut möglich. Und dann ist es immer die Frage: Welchen Gegner bekommt man zugelost? Da brauchen wir dann vielleicht auch ein bisschen Glück. Wir haben mit unserem Teamchef Ralf Rangnick grundsätzlich einen großen Sprung in der Denkweise und Entwicklung gemacht. Es ist nicht mehr so, dass wir als Österreich sagen: Wir fahren dahin, um dabei zu sein. Wir haben schon einige große Nationen geschlagen. Wir haben Deutschland und Italien geschlagen. Wir wissen, wie man große Nationen bezwingt. Wir haben einiges vor, und vielleicht liegt es uns sogar besser, gegen größere Nationen zu spielen.

SPORT1: Ihr habt es eben schon angedeutet: Welche Rolle spielt das WM-Jahr in der Kabine? Wird da schon viel darüber gesprochen?

Baumgartner: Natürlich spielt das eine Rolle. Gerade wenn Yan Diomande mit der Elfenbeinküste auf Deutschland trifft, kommt von mir schon einmal eine Spitze, ob sie nicht doch ein bisschen Angst haben, wenn er wieder ein sensationelles Spiel macht (lacht). Wir plaudern aber auch immer mal wieder über allgemeine Dinge wie die Auswahl der Basecamps und in welchen Städten man spielt.

Henrichs: „Es ist natürlich mein Ziel, bei der WM dabei zu sein“

SPORT1: Herr Henrichs, wie sehen Sie das WM-Thema in der Kabine? Und wie reagieren Sie auf die Spitzen von ‚Baumi‘?

Henrichs: Ja gut, das letzte Spiel hat Österreich nun mal gegen uns gewonnen. Baumi hat sogar ein Tor gemacht – und ich war auch auf dem Platz. Das heißt, ich kann nichts dagegen sagen (schmunzelt). In der Kabine ist die WM natürlich ein Thema. Gerade als die Auslosung war, wurde viel in unsere Gruppe geschrieben. Es gibt ja auch das bereits angesprochene Spiel zwischen Deutschland und der Elfenbeinküste und damit das direkte Duell mit Yan Diomande, bei dem er dann Gegenspieler von einem unserer Außenverteidiger ist. Man sieht es schon im Training, da gibt es intensive Zweikämpfe. Wenn es diese dann bei einem Spiel bei einer WM gibt, dann wird es noch mal ganz was anderes. Das ist echt eine coole Geschichte: Man sieht sich hier jeden Tag und trifft dann auf der großen Bühne bei einer Weltmeisterschaft wieder aufeinander.

SPORT1: Sie sind nach Ihrem Achillessehnenriss wieder fit. Wie gerne wären Sie bei der WM dabei? Und sind Sie guter Dinge, dass es klappt?

Henrichs: Es ist natürlich mein Ziel, bei der WM dabei zu sein. Ich habe jetzt meine ersten Einsätze gesammelt. Natürlich muss man Schritt für Schritt schauen, wie der Körper reagiert. Bis jetzt läuft alles gut. Ich bin auf einem sehr guten Weg, wieder an die 100 Prozent zu kommen. Nach der langen Reha und den Komplikationen bin ich einfach sehr dankbar, wieder auf dem Platz stehen zu dürfen. Im Hinterkopf ist natürlich das große Ziel, bei der WM dabei zu sein. Dafür muss ich zunächst auf meine Spielzeit kommen und meinem Körper die nötige Zeit geben. Ich bin gerade auf einem guten Weg.