Der FC Bayern München gegen Eintracht Frankfurt: Es ist eine Partie mit reichhaltiger Geschichte. Am heutigen Samstag begegnen sich die beiden Teams zum 110. Mal in der Bundesliga.
Eine denkwürdige Sternstunde eines legendären FC-Bayern-Duos
Eine denkwürdige Bayern-Sternstunde
Einen besonderen Platz in der gemeinsamen Historie hat ein Duell vor 45 Jahren: Niemand konnte wirklich damit rechnen, was an diesem 30. Mai 1981 passierte.
FC Bayern vs. Frankfurt: Denkwürdiges Bundesliga-Duell 1981
Die damalige Konstellation: Das Titelrennen 1980/81 reduzierte sich drei Spieltage vor Schluss auf die Großen jener Tage: Bayern und der HSV mit Felix Magath, Horst Hrubesch, Manni Kaltz und damals auch Franz Beckenbauer.
Paul Breitner und Karl-Heinz Rummenigge waren seinerzeit die Leader nicht nur des amtierenden Meisters, sondern auch in der Nationalmannschaft, in die Breitner im April 1981 nach fünf Jahren zurückgekehrt war.
Rummenigges Kopf allerdings war nicht ganz frei, dem amtierenden und kommenden Torschützenkönig lag angeblich eine Offerte aus Barcelona vor und bei einer Ablösesumme von sieben Millionen D-Mark sah sich der Vorstand des stark verschuldeten Meisters gezwungen, zumindest über die Offerte nachzudenken. Kurzfristig wichtiger aber war die Verteidigung der 1980 nach sechsjähriger Wartezeit gewonnenen Meisterschale.
Am 32. Spieltag empfingen die Bayern, die zwei Punkte (damals ein Sieg) Vorsprung hatten, den frisch gekürten Pokalsieger Frankfurt und hatten damit die schwerere Aufgabe als der HSV (in Karlsruhe). Die Hessen hatten unter dem damaligen Coach Lothar Buchmann in der Rückrunde nur ein Spiel verloren. Für die Hessen, die unter der Woche einen Karnevalsprinzen zum Klubpräsidenten gewählt hatten, ging es noch um die Qualifikation für den UEFA-Pokal, den Vorläufer der Europa League.
Breitner, Rummenigge und Wolfgang Dremmler hatten die DFB-Farben in der Vorwoche in Finnland (4:0) vertreten und so gab ihnen Trainer Pal Csernai einen Extra-Tag frei, mit Blick auf das Frankfurt-Spiel, „da sollen sie schön frisch sein“. Es sollte sich lohnen.
Bis zur Pause ein 0:0 der besseren Sorte
48.000 Zuschauer strömten ins damals nur selten ausverkaufte Olympiastadion und sahen bis zur Pause ein 0:0 der besseren Sorte, bei dem die Eintracht leichte Vorteile hatte und Pech bei der strittigen Aberkennung eines Tores von Rigobert Gruber. Bernd Nickel traf zudem mit seinem Freistoß die Latte. Der kicker schrieb: „Die Frankfurter spielten frei auf und unbekümmert auf und zeigten, dass sie zu den besten Bundesliga-Mannschaften gehören.“
Auch nach 54 Minuten stand es noch 0:0, dann nahm das Spektakel seinen Lauf und im Schnitt fiel alle vier Minuten ein Tor. Der zuvor etwas vorlaute Eintracht-Keeper Hans-Jürgen Pahl („Die Bayern haben Angst vor uns“) gab mit einem Patzer den Anstoß dazu, als er nach einer Ecke den Ball fallen ließ und ausgerechnet der Ex-Frankfurter Wolfgang Kraus den Bann brach.
Gut für die Bayern auf dem Platz, schlecht für ihren Millionen-Flop auf der Tartanbahn: Außenstürmer Kalle Del’Haye, von den Fans gefordert, musste sich wieder auf die Bank setzen. Denn nun kam die Tormaschinerie der Bayern in Gang. Die Bild am Sonntag schrieb: „Nach Pahls Patzer: München wie im Rausch“. Nach einem weiteren Fehler des Keepers, der Rummenigge „unnötigerweise umrannte“ (kicker), zeigte Schiedsrichter-Legende Walter Eschweiler auf den Punkt. Das war in jener Saison ein Selbstläufer für die Bayern. Paul Breitner hatte schon neun von neun Elfmetern verwandelt, so klappte es auch beim zehnten Mal - fertig war ein weiterer bis heute gültiger Bundesliga-Rekord. Nie verwandelte ein Spieler mehr Elfmeter in einer Saison.
„Breitnigge“ verfiel in einen Torrausch
Dass Breitner auch „normale“ Tore schießen konnte, bewies er an diesem Tag eindrucksvoll. Das 3:0 und 6:1 gingen auch auf sein Konto, was wiederum nicht normal war - drei Treffer hatte der Weltmeister in der Bundesliga nie erzielt. All das vor den Augen seiner Hilde, die eigentlich nicht zusehen wollte, da sie hochschwanger war. Sie hatte sich aber, wie der Gatte verriet, „um acht Tage verrechnet“ und wagte dann doch den Gang ins Olympiastadion und wurde Zeugin wie das Traumduo „Breitnigge“ in einen Torrausch verfiel.
Zusammen trafen die Weltklassespieler fünfmal. Denn das 4:0 und 5:0 gingen auf das Konto von Rummenigge, wobei Breitner ihm einen Elfmeter schenkte, „denn er soll ja noch Torschützenkönig werden“.
Breitner kam ja trotzdem nicht zu kurz an diesem Tag, an dem die eigentlich recht wackeren Frankfurter nicht wussten, wie ihnen geschah. Immerhin waren ihnen noch Treffer durch Ronny Borchers und Bum-kun Cha vergönnt, die den für den verletzten Walter Junghans eingewechselten Manfred Müller überwanden. Den Schlusspunkt setzte der bei den Fans ungeliebte Dieter Hoeneß - Endstand 7:2. Ein Albtraum für die Frankfurter Abwehr, zu der unter anderem der früh verstorbene Bruno Pezzey und der spätere 1980-Kultcoach Werner Lorant gehörten.
Meistertitel eine Woche später perfekt
Dass in einer Halbzeit neun Tore fallen konnten, war in der Bundesliga eine echte Rarität. Nur in der Premierensaison hatte man es beim 7:3 (1:0) des HSV gegen Kaiserslautern mal gesehen, aber das dauerte damals 40 Minuten und damit vier länger. 1982 wurde der Wert dann bei Dortmunds 11:1 (1:1) über Bielefeld überboten. Aber auch da dauerte es länger als 36 Minuten, bis der neunte Treffer fiel.
Frankfurts Willi Neuberger, der an jenem Tag mit seinem 473. Einsatz zu Bundesligarekordspieler Sepp Maier aufschloss seufzte jedenfalls: „An sieben Gegentore in 45 Minuten kann ich mich nicht erinnern.“ Sie stellten ja auch einen Vereinsrekord für ein Auswärtsspiel der Hessen dar. All das konnte passieren, wenn die Breitnigge-Bayern groß aufspielten. Hinterher, als sie vom 1:1 des KSC erfuhren, war ihr Glück perfekt und Breitner posaunte: „Wir sind Meister!“
Rechnerische Zweifel gab es noch, doch sie plagten sie nicht wirklich. Wie sagte doch der Ex-Frankfurter Kraus? „Wenn wir’s jetzt nicht schaffen, können wir uns am Marienplatz aufhängen.“ Sie schafften es - eine Woche später (4:1 in Gladbach).