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"Wenn das wirklich stimmt, ist es eine Frechheit"

Eklatanter VAR-Fehler? Der VfB tobt

Sebastian Hoeneß hadert in Heidenheim mit den Entscheidungen des Schiedsrichtergespanns. Der VfB-Coach zählt einige Situationen auf, die er anders bewertet hätte. Auch Ermedin Demirovic reagiert ungehalten.
Stuttgart-Trainer Sebastian Hoeneß kritisiert die Leistung des Unparteiischen beim 3:3 gegen Heidenheim. Der Coach der Schwaben monierte mehrere strittige Szenen, die aus seiner Sicht spielentscheidend waren.
Sebastian Hoeneß hadert in Heidenheim mit den Entscheidungen des Schiedsrichtergespanns. Der VfB-Coach zählt einige Situationen auf, die er anders bewertet hätte. Auch Ermedin Demirovic reagiert ungehalten.

Dieses Interview von Sebastian Hoeneß hatte es in sich. Der Trainer des VfB Stuttgart war beim wilden 3:3 (2:2) gegen den 1. FC Heidenheim mit zahlreichen Entscheidungen des Schiedsrichtergespanns unzufrieden und tat anschließend seinen Unmut kund.

Die Partie hatte so manchen Aufreger parat. Der vielleicht krasseste ereignete sich in der Schlussphase, nicht nur Hoeneß war hinterher ziemlich entgeistert.

Es ging um ein Tor von Ermedin Demirovic (73.), das vom VAR wieder einkassiert wurde. Es soll eine Abseitsposition vorgelegen haben. Brisant: Die VAR-Grafik setzte die kalibrierte Linie bei Schimmer an, die Stuttgarter Bank war aber der Meinung, dass Sirlord Conteh tiefer stand und das Abseits aufgehoben haben könnte.

Krasser VAR-Fehler? Demirovic wird deutlich

„Ich habe nur die Info bekommen, dass die Hacke von Conteh tief drin ist. Ich habe dann auch die Grafik gesehen. Das ist schon hart. Ich kann jetzt nicht beurteilen, wie die Abläufe sind. Wenn man das sieht ... Puh. Das ist schon hart“, sagte Hoeneß.

Ob tatsächlich ein Messfehler vorlag, ist derzeit noch nicht bekannt. Aber Hoeneß Co-Trainer David Krecidlo lief bereits mit einem Screenshot auf dem Smartphone durch die Stadion-Katakomben, der die Szene zeigte.

Die Bild-Zeitung legte die Bilder auch dem vermeintlichen Torschützen Demirovic vor: „Wenn das wirklich stimmt, ist das eine Frechheit, Wahnsinn”, echauffierte sich dieser: „Da kommen irgendwelche Computer, der Schiedsrichter kann – ohne ihm einen Vorwurf zu machen – gar nichts mehr entscheiden. Die sind nur darauf fokussiert, dass sie irgendwer aus dem Keller anruft.“

Der VfB-Stürmer schimpfte weiter: „Und wenn die dann noch schlafen oder eine andere Linie ziehen, dann finde ich das mittlerweile Quatsch und frage mich, wo wir gelandet sind. Alles dem Computer zu überlassen, da sollte man sich etwas einfallen lassen für so einen Müll.“

VfB-Treffer einkassiert, Heidenheim bekommt Elfmeter

Bei DAZN sprach Hoeneß von einem „brisanten Spiel“, in dem es noch einige andere strittige Szenen gab. Zusammenfassend meinte der Übungsleiter: „Es ist für uns schon bitter gelaufen. Es ist schon einiges zusammengekommen aus unserer Perspektive. Es gibt einfach ein paar spielentscheidende Situationen, über die haben wir jetzt noch gar nicht gesprochen. Die gehören einfach auch zum Narrativ dieses Spiels.“

Mit Schiedsrichter Sascha Stegemann habe er sich nach Abpfiff in der Kabine unterhalten. Was genau besprochen wurde, wollte Hoeneß nicht verraten: „Das gehört sich nicht. Aber wir haben uns über das Spiel unterhalten. Die Dinge, die ich jetzt sagen werde, sind nur meine Meinungen.“

Einer der Punkte, die den VfB-Coach konkret störten, war ein Elfmeter, den Heidenheim zugesprochen bekam. Demirovic hatte das vermeintliche 2:1 für Stuttgart erzielt (31.), doch nach VAR-Eingriff entschied Stegemann auf Elfmeter für den FCH und nahm den Treffer von Demirovic wieder zurück. „Keine gute Aktion“, meinte Hoeneß.

Streitpunkt war ein Zweikampf zwischen Maximilian Mittelstädt und Eren Dinkci im Sechzehner der Stuttgarter. Den Kontakt hatte Hoeneß zwar wahrgenommen, „aber ich sehe, dass es auch eine Zeitlupe ist. Sorry Leute. Der Schiedsrichter nimmt es anscheinend so wahr, als wäre es ein Blocken, ein Reinlaufen, Aneinanderlaufen.“

Hoeneß schimpft: „Verstehe ich nicht. Ist mir zu wenig“

Doch dann schaltete sich der VAR ein und intervenierte. Eine Entscheidung, die Hoeneß nicht nachvollziehen konnte. „Da von außen zu sagen: ‚Das ist eine klare Fehlentscheidung.‘ Das bedeutet dann, dass wir kein Tor machen. Das geht nicht. Verstehe ich nicht. Ist mir zu wenig“, ärgerte sich Hoeneß.

Experte Sebastian Kneißl konterte: „In dem Fall bin ich nicht deiner Meinung. Ist es eine Situation, bei der man sagen muss: ‚Ist unglücklich gelaufen, aber es ist wirklich ein Elfmeter.‘“

Hoeneß war immer noch anderer Meinung: „Nein. Ist es für mich nicht. Das ist aus meiner Sicht ein Zweikampf, der im Mittelfeld nie gepfiffen wird. Es sieht in der Zeitlupe natürlich nach einem Tritt aus. Er trifft ihn auch – ohne Frage. Und trotzdem ist es für mich keine klare Fehlentscheidung. Ich bleibe dabei.“

Strittige Szene vor Heidenheim-Tor

Der Einfluss des VAR und die „Super-Slow-Motions“ hätten über die Situation hinweggetäuscht. „Und dann ist es für einen Schiedsrichter nicht so einfach. Ich bleibe trotzdem dabei, dass er bei seiner ersten Wahrnehmung hätte bleiben können. Es ist aus unserer Sicht natürlich Wahnsinn. Wir machen auf der anderen Seite ein Tor. Dass er dann einen Elfmeter gibt, damit war aus meiner Sicht nicht zu rechnen“, äußerte der 43-Jährige sein Unverständnis.

Doch nicht nur diese Situation brachte Hoeneß auf die Palme: Auch ein Zweikampf zwischen Ramon Hendriks und Stefan Schimmer unmittelbar vor dem 2:3 wurde seiner Meinung nach falsch bewertet. „Für mich nimmt er (Schimmer, Anm. d. Red.) ihm die Möglichkeit, danach den Ball selber noch wegzuspitzeln. Er hakt ein, die Möglichkeit, den Ball wegzuspitzeln wird (Hendriks, Anm. d. Red.) genommen."

Stegemann ließ aber laufen und auch der VAR schaltete sich nicht ein und so hatte der Treffer Bestand. Aufgrund der Vorgeschichte sah sich Hoeneß erneut benachteiligt: „Und wenn du die Situation vorher hattest, dann muss der Schiedsrichter das aus meiner Sicht zumindest mal kurz anschauen. Schau es dir wenigstens an. Für mich ist es Foul. Daran sieht man einfach, dass es ein paar Situationen gab, die zumindest nicht zu unseren Gunsten entschieden wurden.“

Streitgespräch zwischen Hoeneß und Schmidt

Außerdem war es nach Abpfiff auf dem Rasen zu einem Streitgespräch zwischen Hoeneß und Heidenheim-Coach Frank Schmidt gekommen.

„Jede Mannschaft kämpft – das hat man auch gesehen. Die Stuttgarter waren auch mit der einen oder anderen Situation unzufrieden. Deswegen haben wir uns dann nach dem Spiel auch kurz ausgetauscht”, erklärte Schmidt.

Sein Fazit wiederum lautete: „Jeder kämpft für seinen Verein. Sebastian wollte das Spiel gewinnen, wir wollten das Spiel gewinnen. Diese Emotionen wollten wir heute und die haben wir und die Zuschauer auch bekommen.“

Hoeneß sagte abschließend: „Zu einem Fußballspiel gehören natürlich auch solche engen Situationen. Und unser Eindruck war, dass diese heute nicht bei uns lagen.“