Die Erwartungen an Sommer-Neuzugang Jobe Bellingham waren enorm. Wegen der hohen Ablöse (30,5 Millionen Euro), die der BVB an Sunderland zahlte. Wegen des Familiennamens und Bruder Jude.
BVB: Eine Entwicklung, die nicht vorhersehbar war
Immer wichtiger
Wie es immer so ist bei großen Erwartungen: Sie sind auch eine Bürde. Innerhalb recht kurzer Zeit, die für den kleinen Bruder nicht nach Wunsch verlief, kam schnell die Frage auf: Ist der Wunschspieler des BVB vielleicht gar nicht so gut, wie alle gedacht hatten? Über Bellinghams Entwicklung sprechen BVB-Reporter Oliver Müller und SPORT1-Reporter Manfred Sedlbauer in einer neuen Ausgabe des SPORT1-Podcasts „Die Dortmund-Woche“.
BVB-Star Bellingham profitiert von Sabitzer-Verletzung
Die positive Nachricht der vergangenen Wochen: Bellingham hat das Zeug zur Stammkraft - das haben die jüngsten Spiele gezeigt. Natürlich ist bei dem gerade einmal 20-Jährigen noch Luft nach oben, doch die Tendenz stimmt.
Bellingham hat sich in der Stammelf festgespielt. Selbst nach der Rückkehr von Marcel Sabitzer ist er gesetzt. Niko Kovac stellte am Wochenende sogar sein System um.
In den vergangenen neun Pflichtspielen (sechs Mal Bundesliga, dreimal Königsklasse) durfte Bellingham jeweils von Beginn an ran, spielte davon achtmal durch und wurde nur gegen Heidenheim vorzeitig ausgewechselt. Zum Vergleich: In den ersten 14 Ligaspielen stand er nur fünfmal in der ersten Elf.
„Natürlich hat Bellingham enorm von der Verletzung von Marcel Sabitzer profitiert. Nur dadurch ist er überhaupt erst dauerhaft in die erste Elf gerutscht“, sagt Sedlbauer: „Dennoch muss man festhalten: Er hat seine Chance genutzt und sich in die erste Elf gespielt.“
Müller sieht bei Bellingham einen „klaren Fortschritt, gerade im Passspiel“. Außerdem hebt der BVB-Reporter Bellinghams Umgang mit Druck hervor: „Mit dieser hohen Erwartungshaltung musst du erstmal klarkommen. Das hat er geschafft.“
„Dieser Rhythmus hat ihm enorm gutgetan“
Felix Nmecha und Marcel Sabitzer bildeten lange Zeit das Lieblings-Duo von Kovac auf der Sechs. Doch der Österreicher plagte sich mit Wadenproblemen herum und fiel Mitte Januar für insgesamt sieben Pflichtspiele aus.
Die Folge: Jobe Bellingham rutschte in die erste Elf neben Nmecha auf die Doppelsechs und lieferte verlässlich ab.
„Dieser Rhythmus hat ihm enorm gutgetan. Auch wenn ich in seinem Offensivspiel immer noch etwas an Mut vermisse: Er traut sich immer mehr zu, auch mit Ball. Defensiv macht er eigentlich immer einen soliden Job, ist wahnsinnig fleißig – nicht nur im Spiel, sondern auch im Training“, analysiert Sedlbauer. Auch deshalb ist Kovac ein Fan des gerade einmal 20 Jahre jungen Engländers.
Kovac lobt Bellingham
„Was mir bei ihm gefällt, ist der Eifer. Er ist wirklich einer, der sich tagtäglich verbessern möchte. Auf dem Platz, neben dem Platz, im Videostudium, in der individuellen Analyse, in der Teamanalyse. Er ist ein Vollprofi. Mir gefällt es, wenn einer in jungen Jahren schon ganz genau weiß, was er braucht, um besser zu werden“, lobte Kovac seinen Schützling.
Der BVB-Trainer rechtfertigte die Startschwierigkeiten. „Kulturell braucht das erstmal seine Zeit“, erklärte Kovac und ergänzte, dass der Fußball in Deutschland deutlich schneller sei als in Englands 2. Liga.
Dennoch sieht er den Youngster auf einem sehr guten Weg: „Er ist körperlich sehr viel fitter als im Sommer. Er handelt jetzt schneller. Er entwickelt sich gut. Ich bin da wirklich sehr zufrieden.“
Bellingham macht Entwicklungsschritte
Gegen Leipzig kehrte Sabitzer erstmals nach seiner Wadenverletzung zurück in die erste Elf. Und dennoch: Weichen musste Bellingham deshalb nicht.
„Kovac hat etwas überraschend das System geändert“, erklärte Sedlbauer und wies darauf hin, dass Dortmunder nicht wie bislang in einem 5-2-3 sondern 5-3-2 auflief. Vor der Abwehrreihe nahm Bellingham den zentralen Part ein, Felix Nmecha spielte links, Marcel Sabitzer rechts von ihm.
„Kovac hatte sich dadurch mehr Zugriff im Zentrum gewünscht. Doch richtig aufgegangen ist das nicht. Auch, weil Gruda und Diomande richtig stark aufspielten. In der Halbzeit korrigierte Kovac das. Und schon klappte es besser“, so Sedlbauer.
In der zweiten Hälfte kehrte Kovac zu seinem gewohnten Lieblingssystem zurück. Anders als Bellingham, der gegen Leipzig wieder einmal durchspielte, nahm Kovac sowohl Nmecha (64. Spielminute) als auch Sabitzer (76.) früher herunter.
Es zeigt: Kovac vertraut auf Bellingham, möchte ihn gerne auf dem Platz haben.
Diese Entwicklung war in seiner Anfangszeit nicht gerade vorherzusehen. Fakt ist: Bellingham macht Entwicklungsschritte und wird für Niko Kovac und den BVB von Spiel zu Spiel wichtiger.