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Längst noch nicht der große Boss, der er sein möchte

Noch nicht der erhoffte Tah-Ersatz

Bei Bayer Leverkusen war Loic Badé als neuer Abwehrchef eingeplant – als Führungsspieler in der Defensive, in der zuvor Jonathan Tah den Ton angegeben hatte. Doch mit zunehmender Dauer der Saison wird das Bild, das der Franzose abgibt, immer unschärfer.
Patrik Schick brachte Leverkusen mit seinen zwei Toren gegen Olympiakos auf die Siegerstraße. Trainer Kasper Hjulmand zeigt sich vor allem vom ersten Treffer begeistert.
Bei Bayer Leverkusen war Loic Badé als neuer Abwehrchef eingeplant – als Führungsspieler in der Defensive, in der zuvor Jonathan Tah den Ton angegeben hatte. Doch mit zunehmender Dauer der Saison wird das Bild, das der Franzose abgibt, immer unschärfer.

Für das, was sich Loic Badé bei Bayer Leverkusen vorgenommen hatte – und was man sich von ihm versprach –, stand er zuletzt erstaunlich selten auf dem Platz. Die Ambitionen waren andere, die Realität ist eine nüchternere. Am Freitag noch bemühte sich Kasper Hjulmand daher um aufmunternde Worte. „Er ist ein super Spieler und bringt viel Energie in die Mannschaft – auch vor und nach den Partien, in der Kabine. Er ist ein Teamplayer“, sagte der Trainer auf der Pressekonferenz.

Zwischen den Zeilen klang bereits an, dass es bald wieder eine Gelegenheit geben würde, dies zu zeigen. Einen Tag später ließ Hjulmand Taten folgen. Beim Auswärtsspiel gegen Union Berlin rückte Badé zurück in die Startelf. Eine Rotation, gut gemeint, womöglich als Signal gedacht. Doch der Versuch geriet zum Bumerang. Zwar suchte der Innenverteidiger immer wieder den Weg nach vorn, schaltete sich in die Offensive ein. Defensiv allerdings fehlte die letzte Souveränität.

Leverkusen: Badé erleidet den nächsten Rückschlag

In einigen Szenen kam er einen Schritt zu spät, wirkte im Zusammenspiel nicht immer abgestimmt. Es mangelte an Klarheit, an Rhythmus, an jener Selbstverständlichkeit, die einen Abwehrchef auszeichnet. Und dann kam die 67. Minute: Badé sank ohne Gegnereinwirkung zu Boden und bat das medizinische Personal auf den Rasen – ein Bild, das im Profifußball selten etwas Gutes verheißt. Schnell war klar, dass es nicht weitergehen würde. Am Tag darauf gab es bittere Gewissheit.

Wie die Rheinländer mitteilten, zog sich der Innenverteidiger beim 0:1 in der Hauptstadt eine Muskelverletzung im rechten Oberschenkel zu. Eine MRT-Untersuchung am Sonntag bestätigte dies. Statt weiter Spielzeit zu sammeln, beginnt für Badé nun eine wochenlange Zwangspause. Es ist der nächste Rückschlag in einer Saison, die für ihn einen eigenartig holprigen Verlauf genommen hat.

Badé wollte die Tah-Rolle übernehmen

Als Badé im vergangenen Sommer nach Leverkusen kam, wartete keine gewöhnliche Aufgabe auf ihn. Inmitten eines tiefgreifenden Umbruchs sollte er die Lücke schließen, die Jonathan Tah mit seinem Wechsel zum FC Bayern hinterlassen hatte. Gesucht wurde also nicht weniger als ein neuer Fixpunkt der Defensive – ein Spieler mit Präsenz und Zweikampfhärte, die Tah über Jahre ausgezeichnet hatten. Kein leichtes Erbe. Doch die Verantwortlichen glaubten, gute Gründe für ihre Entscheidung zu haben.

Badé war 2023 von Stade Rennes zum FC Sevilla gegangen, hatte sich dort rasch etabliert und die Europa League gewonnen. International rückte er auch 2024 ins Rampenlicht, als ihn Thierry Henry für das olympische Turnier nominierte. An der Seite von Michael Olise absolvierte er sämtliche Partien, ehe Frankreich im Finale Spanien unterlag. Nach einer starken Saison 2024/25 feierte er schließlich sein Debüt in der A-Nationalmannschaft: Beim 2:0 gegen Deutschland im Spiel um Platz drei der Nations League.

Sein Name kursierte da längst in den Notizbüchern europäischer Spitzenklubs. Im Herbst 2024 wurde gar spekuliert, der FC Liverpool sehe in ihm einen möglichen Nachfolger für Virgil van Dijk. Im Vorjahr mischte Inter Mailand im Werben mit, dazu kamen Anfragen aus der Premier League. Den Zuschlag erhielt jedoch Leverkusen – nicht zuletzt, weil Badé den Plan verfolgte, bei einem Champions-League-Klub klar gesetzt zu sein. Das große Ziel dahinter: sich für die WM 2026 nachhaltig ins französische Aufgebot zu spielen.

„Er verbindet Spieler, er verbindet Menschen“

Zu Beginn schien der Plan aufzugehen. „Er ist jemand, der im Spiel und als Persönlichkeit eine natürliche Ausstrahlung und Präsenz besitzt. Er steht aufrecht, schaut dir direkt in die Augen, wenn er dir die Hand gibt“, schwärmte Geschäftsführer Simon Rolfes nach kurzer Zeit über seinen 25 Millionen Euro teuren Neuzugang: „Mit seiner positiven Art und Weise verbindet er Spieler, verbindet er Menschen. Er wird gemocht und passt sicher gut für unser Mannschaftsgefüge.“ Dabei kam Badé seine Sprachgewandtheit zugute.

Neben Französisch kann er sich auf Englisch und Spanisch verständigen – ein Pluspunkt in einem international besetzten Kader. In Kombination mit seiner offenen, zugewandten Art verschaffte ihm das schnell Gewicht bei seinen Teamkollegen. Auf dem Platz aber ist das Bild weniger eindeutig. Seine Zweikampfwerte gehören zu den stärksten im Team, phasenweise dominiert er Gegenspieler nach Belieben. Gleichzeitig schleichen sich immer wieder Unachtsamkeiten ein. Momente, die seine Saisonleistungen schwanken lassen.

WM 2026: Badé droht sein Ziel zu verpassen

Trotz allem war Badé über weite Strecken der Hinrunde zentraler Baustein in Leverkusens Dreierkette. Bewegung in die Statik brachte erst der Afrika-Cup. Weil Edmond Tapsoba fehlte, rückte Badé auf die linke Seite – eine Position, die ihm sichtlich weniger lag und die guten Auftritte noch seltener werden ließ. Im Zentrum etablierte sich derweil Robert Andrich, auch wenn dessen Leistungen ebenfalls nicht durchweg überzeugten. Mit Tapsobas Rückkehr war der Stammplatz dann verloren.

Badé findet sich seither in der Rolle des Ergänzungsspielers wieder – hinter Andrich, Tapsoba und Neuzugang Jarell Quansah. Im Hinspiel der Champions-League-Playoffs gegen Olympiakos Piräus (2:0) saß er über die vollen 90 Minuten auf der Bank, im Pokal-Viertelfinale gegen den FC St. Pauli (3:0) durfte er nur in den Schlussminuten ran. In der Bundesliga setzte es nicht weniger Dämpfer. Vor dem Gastspiel in Berlin blieb er einmal komplett außen vor, in einer anderen Partie war für ihn bereits zur Pause Schluss.

Die schmerzhafte Bilanz der vergangenen fünf Partien: 113 Einsatzminuten. Nun zwingt ihn auch noch die Verletzung zur Pause – ein weiterer Rückschlag auf dem Weg, den Platz von Tah auszufüllen und zum neuen Abwehrchef zu reifen. Sein großes Ziel, mit Frankreich zur WM zu reisen, rückt damit in weite Ferne. Wegen seiner Startschwierigkeiten in Leverkusen verzichtete Nationaltrainer Didier Deschamps in dieser Saison bislang vollständig auf eine Nominierung.