Die Bosse steckten intensiv und lange die Köpfe zusammen. Am Montagabend um 20 Uhr war es dann beschlossene Sache: Der BVB verzichtet in dieser Wintertransferperiode auf Verstärkung. Während die Dortmunder mit Pascal Groß, Aarón Anselmino, Cole Campbell und Julien Duranville (beide auf Leihbasis) vier Spieler abgeben, steht auf der Zugangsseite eine Null.
Eine überraschende BVB-Entscheidung, die sich rächen könnte
Kann das gutgehen?
Vor allem mit Blick auf die Defensive überrascht diese Entscheidung. Denn die Personalsituation in der Abwehr ist nach der Verletzung von Filippo Mane angespannt. Kann das gutgehen?
BVB sieht keinen Handlungsbedarf
Trainer Niko Kovac deutete bereits auf der Pressekonferenz nach dem 3:2-Sieg gegen den 1. FC Heidenheim an, dass die Dortmunder Stand jetzt „keinen mehr bräuchten“.
Und das, obwohl sich Youngster Mane eine Muskelverletzung zuzog und nach SPORT1-Informationen mehrere Wochen ausfallen wird. Auch der bittere Abgang von Anselmino durchkreuzte die BVB-Pläne, die fest mit einem Verbleib des Argentiniers mindestens bis zum Sommer rechneten.
Handlungsbedarf sehen die Verantwortlichen dennoch nicht.
Angespannte Personalsituation in der Defensive
Mit Nico Schlotterbeck, Waldemar Anton, Niklas Süle, Emre Can und Ramy Bensebaini stehen Niko Kovac fünf Spieler für die drei Positionen in der Dreierkette zur Verfügung. Doch wirklich entspannt dürften die Dortmunder mit dieser Besetzung nicht auf die restliche Saison blicken.
Süle verpasste in dieser Spielzeit bereits 16 Spiele. Auch weil er immer wieder mit diversen Verletzungen (Muskelverletzung, Zeh, Rücken) zu kämpfen hat, befindet er sich aktuell nicht auf seinem höchsten Leistungsniveau.
Ähnlich problematisch gestalten sich die gesundheitlichen Probleme von Kapitän Can. Seine Adduktorenverletzung macht ihm seit fast einem Jahr so große Probleme, dass er kaum zwei Spiele am Stück schmerzfrei übersteht.
Kehl deutlich: „Wir vertrauen dem Kader“
„Wir vertrauen dem Kader und haben uns nach internen Überlegungen dazu entschieden, dass wir auf der Position nicht mehr machen werden“, machte Sebastian Kehl bereits am Nachmittag bei Sky klar.
Auch Julian Ryerson sehen die Verantwortlichen in dieser Rolle als Notnagel. Doch eine dauerhafte Lösung ist das auf keinen Fall.
Bei einigen Fans stoßen die ausbleibenden Transfers auf Unverständnis – vielleicht auch deshalb, weil sie in den vergangenen Jahren in den Wintermonaten regelmäßig mit Neuzugängen verwöhnt wurden.
Borussia Dortmund bricht mit Tradition
Im letzten Winter-Transferfenster vor einem Jahr stießen Daniel Svensson und Carney Chukwuemeka zum Team, zudem wurde Salih Özcan vorzeitig aus Wolfsburg zurückgeholt. Ein weiteres Jahr zuvor hießen die Winter-Neuzugänge Jadon Sancho und Ian Maatsen. Gute Winter-Neuzugänge hatten beim BVB fast schon Tradition.
Damals war die sportliche Situation allerdings deutlich angespannter als aktuell.
Dennoch wirkt die Herangehensweise wie ein riskantes Spiel und weckt Erinnerungen an den Herbst vor eineinhalb Jahren, als Ex-Trainer Nuri Sahin kaum noch genügend Profis für den Trainingsalltag auf dem Platz hatte. Die Folgen: Die Ergebnisse blieben aus, Sahin musste Mitte Januar gehen.
BVB: Pleite gegen Inter als Warnung
Trotz Doppelbelastung aus Champions League und Bundesliga geht der BVB mit dem kleinsten Kader der Liga (24 Spieler) in die kommenden Monate - junge Talente wie Almugera Kabar oder der vierte Torhüter Silas Ostrzinski bereits einberechnet.
Wie schnell sich personelle Engpässe ergeben können, zeigte die Partie gegen Inter Mailand, als Kovac aufgrund von Verletzungen und Sperren nur noch 14 Feldspieler zur Verfügung standen.
Vielleicht behalten die Verantwortlichen tatsächlich Recht. Doch Fakt ist: Der BVB wählt die Option Risiko.