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Steffen-Aus bei Werder: TV-Auftritt von Boss Fritz im Doppelpass wird zum Kreuzverhör

Werder-Boss gerät ins Kreuzverhör

Bremens Geschäftsführer Clemens Fritz stellt sich nach Horst Steffens Aus im Doppelpass auf SPORT1 der Kritik von Experte Stefan Effenberg und Stargast Max Kruse - und gerät ins Kreuzfeuer.
Werders Sport-Geschäftsführer Clemens Fritz erklärt die Entlassung von Trainer Horst Steffen live im SPORT1 Doppelpass. Dabei gerät auch der Boss selbst in die Kritik.
Bremens Geschäftsführer Clemens Fritz stellt sich nach Horst Steffens Aus im Doppelpass auf SPORT1 der Kritik von Experte Stefan Effenberg und Stargast Max Kruse - und gerät ins Kreuzfeuer.

Knapp eine Stunde vor Sendestart wurde die Freistellung von Trainer Horst Steffen bei seinem Ex-Klub Werder Bremen bekannt - ein entsprechend großes Thema war die Personalie im Doppelpass auf SPORT1.

Bei dem traditionellen Fußballtalk äußerten Werders Ex-Stürmer Max Kruse und Experte Stefan Effenberg unterschiedliche Ansichten zu Steffens Aus - während sich Geschäftsführer Clemens Fritz in einer Live-Schalte stellte, die stellenweise zu einem scharfen Verhör wurde.

Steffen? „Das hat ihm den Kopf gekostet“

„Es war eine Frage der Zeit“, erklärte der 37 Jahre alte Stargast Kruse mit Blick auf die zehn sieglosen Spiele in Folge sowie Platz 15 in der Bundesligatabelle. Kruse fügte hinzu: „Natürlich hat man versucht, an ihm festzuhalten. Aber die Negativserie konnte man nicht ignorieren. Es war dann auch höchste Zeit.“

Seiner Meinung nach ist es in der modernen Zeit im Fußball zum Trend geworden, dass die Vereine schnell reagieren, wenn es nicht gut läuft. Kruse verwies allerdings auch darauf, dass die Bremer unter Steffen eigentlich in keiner Partie auseinandergefallen seien.

„Ich glaube, dass er das Teamgefüge umgestellt hat, hat ihm am Ende den Kopf gekostet. Der Fußball war nicht schlecht, aber die Ergebnisse sind ausgeblieben“, schilderte der Ex-Bremer (94 Einsätze, 66 Torbeteiligungen): „Am Ende muss sich die Mannschaft hinterfragen, das ist das größte Manko.“

Effenberg kritisiert Trainer-Aus - und kritisiert Fritz

SPORT1-Experte Stefan Effenberg kritisierte derweil die Freistellung von Horst Steffen: „Ich persönlich hätte an ihm festgehalten.“ Er begründete dies mit der soliden Spielanlage, die die Bremer unter dem Ex-Coach zeigten.

„Wenn du die Offensive nicht mit Qualität besetzt bekommst, dann hast du ein Problem. Es waren viele Baustellen. Nur mit dem Finger auf Horst Steffen zu zeigen, wäre nicht fair. Bei Werder Bremen liegt einiges im Argen“, befand Effenberg.

Der 57-Jährige betonte, dass Sportchef Clemens Fritz eine große Verantwortung für die aktuell brisante Lage der Grün-Weißen habe, schließlich habe er den Kader im Sommer zusammengestellt.

„Die finanziellen Möglichkeiten sind bei Werder auch nicht riesengroß, das muss man natürlich auch dazu sagen. Es sind ihm schon ein bisschen die Hände gebunden. Aber wenn es denn so ist, dann muss ich halt ein bisschen anders analysieren und sagen: ‚Mit den Möglichkeiten, die wir haben, bekommen wir gar nicht mehr Qualität. Könnten wir besser stehen in der Tabelle?‘ Eigentlich nicht", analysierte Effenberg.

Für sein Empfinden war Werder immer ein Team, das im Abstiegskampf stehen wird. „Der kam zwar nicht am Anfang der Saison, aber da sind sie jetzt drin. Aber es ist ein normales Ergebnis für die Qualität, die im Kader da ist“, sagte der SPORT1-Experte.

Fritz stellt sich Vorwürfen

Fritz stand im Doppelpass per Liveschalte Rede und Antwort. Der Werder-Boss wurde auf seine Verantwortung der brisanten Lage angesprochen und antwortete: „Ich bin für den Sport verantwortlich. Ich habe das auch zu der Mannschaft gesagt, dass es nie einen gibt, der Schuld ist. Wir sitzen alle im gleichen Boot und wir müssen das Bestmögliche einbringen.“

Er fügte hinzu: „Ich bin kritikfähig, ich bin reflektiert. Ich weiß auch, dass nicht alles zu 100 Prozent gut gelaufen ist, aber das ist normal. 100 Prozent gute Entscheidungen im Fußball sind auch nicht immer ganz einfach zu treffen. Man muss ab und zu auch mutig sein, man muss auch ins Risiko gehen.“

Fritz sieht sich mitverantwortlich für die schlechte Situation, in der sich die Bremer derzeit befinden: „Ich bin keiner, der in Krisensituationen wegläuft. Ich will Verantwortung übernehmen aber das Entscheidende ist, es geht um Werder Bremen und wir müssen den bestmöglichen Trainer für uns finden.“

Der langjährige Werder-Spieler betonte auch: „Wir haben uns für Horst damals aus voller Überzeugung entschieden. Horst ist ein hervorragender Trainer. Es war auch nicht immer einfach in diesem Jahr, wir hatten enorme Probleme mit Verletzungen. Er musste immer wieder auf neue Situationen reagieren, musste immer wieder improvisieren. Horst hat den Glauben vermittelt - trotzdem muss man sagen. Wir haben zehn Spiele in Folge keinen Sieg geholt.“

„Schräg”: Detail sorgt für Verwirrung

Trotz der Selbstkritik von Fritz blieben für Effenberg Fragen offen: „Warum wird er entlassen, wenn er doch so ein toller Trainer ist?“, fragte der frühere FC-Bayern-Kapitän bei Fritz nach. Dessen Antwort: "Weil wir in einer Situation sind, die sehr brenzlig und prekär ist. Wir haben die Situation, dass wir einen neuen Input brauchen, eine neue Ansprache brauchen. Wir brauchen eine andere Klarheit, um den Turnaround schnellstmöglich hinzubekommen."

Gleichzeitig war es für Effenberg verwirrend, dass aus dem Trainerstab nur Steffen von seinen Aufgaben entbunden wurde. Seine bisherigen Co-Trainer, Raphael Duarte und Christian Groß, werden die Leitung des Teams interimsmäßig übernehmen, bis ein neuer Chefcoach gefunden ist.

„Das ist schräg. Du kommst normal als Team und die gehst eigentlich auch zusammen. Das heißt Loyalität und das sehe ich in diesem Fall nicht. Das verstehe ich nicht“, merkte er an.

Kruse wirft Nachfolger in den Raum

Kruse skizzierte ein Trainerprofil, welches die Mannschaft sowie das Umfeld in der aktuell erfolglosen Lage benötigt: „Die Werderaner brauchen einen Trainer, der Ruhe ausstrahlt, der das Zepter in die Hand nimmt – aber natürlich auch mit einer gewissen Gelassenheit.“

Er fügte hinzu: „Werder ist ein Familienbetrieb. Klar musst du intern auf den Putz hauen, aber nach Außen musst du Ruhe ausstrahlen und versuchen, den ganzen Druck von der Mannschaft auf dich selbst zu ziehen. Das ist das Beste, was der Mannschaft passieren kann.“

Als möglichen Nachfolger nannte der Ex-Profi den aktuell vereinslosen Bruno Labbadia.

Fritz ließ sich derweil keine konkreten Anhaltspunkte zu einem möglichen Wunschtrainer entlocken: „Wir haben für uns klar ein Profil erstellt, was ich nicht nach außen kommunizieren möchte, weil ich vermeiden will, dass Spekulationen losgehen. Es ist für uns wichtig, schnellstmöglich eine Lösung zu finden.“