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Wirtz-Nachfolger kommt in Schwung: Es scheint, als hätte Peter Bosz Recht gehabt

Erfüllt er endlich die Erwartungen?

Die ersten Monate von Malik Tillman in Leverkusen verliefen eher holprig, für den Spieler wie den Klub blieben viele Erwartungen unerfüllt. Inzwischen mehren sich jedoch die Anzeichen, dass sein einstiger Förderer Peter Bosz mit einer Einschätzung recht behalten könnte.
Der DFB-Pokal hat für Bayer Leverkusen absolute Priorität. Trainer Kasper Hjulmand schlägt daher forschere Töne an.
Die ersten Monate von Malik Tillman in Leverkusen verliefen eher holprig, für den Spieler wie den Klub blieben viele Erwartungen unerfüllt. Inzwischen mehren sich jedoch die Anzeichen, dass sein einstiger Förderer Peter Bosz mit einer Einschätzung recht behalten könnte.

Der Gemütszustand war am späten Samstagnachmittag eindeutig: Malik Tillman hatte gut lachen. Nach seinem überzeugenden Auftritt samt Doppelpack beim 3:0 gegen den FC Villarreal am Mittwoch, der Bayer Leverkusen in die Zwischenrunde der Champions League beförderte, legte der 23-Jährige beim Gastspiel in Frankfurt (3:1) direkt nach. Wieder eine starke Vorstellung, wieder ein Treffer. Drei Tore binnen vier Tagen – exakt so viele wie in seiner gesamten vorherigen Zeit bei der Werkself zusammen.

„Es wurde auch Zeit, dass ich öfter treffe“, witzelte Tillman später in der Mixed Zone und spielte damit auf seine eher durchwachsene Anfangszeit im Rheinland an. Gewohnt demütig und leicht schüchtern wirkend, schob er den persönlichen Erfolg jedoch rasch beiseite. „Die Frankfurter haben uns alles abverlangt. Wir sind nicht so gut ins Jahr gestartet, aber ich glaube, dass wir uns langsam wieder finden. Und jeder Sieg stärkt natürlich das Selbstvertrauen“, sagte der US-Nationalspieler. „Hoffentlich geht es so weiter.“

Mit dem Gewinnen, meinte er – und eben auch mit dem Toreschießen. Eigene Treffer und Scorerpunkte sind schließlich ein zentraler Maßstab, an dem Tillman gemessen wird. Vor den Partien gegen Villarreal und Frankfurt standen ihm in 21 Pflichtspielen für Bayer lediglich drei Tore und ein Assist zu Buche. Für einen meist im offensiven Mittelfeld eingesetzten Profi ein ausgesprochen überschaubarer Ertrag. Zweifel machten die Runde, Kritik ebenso, kleinere Verletzungen kamen hinzu. Doch inzwischen scheinen die Leverkusener ihren Neuzugang immer besser zu verstehen.

Leverkusen: Tillman folgte auf Wirtz

Zur Erinnerung: Im Sommer überwies Bayer Leverkusen eine vereinsinterne Rekordablöse von 35 Millionen Euro an die PSV Eindhoven. Tillman galt als Königstransfer für die Offensive, als einer der zentralen Hoffnungsträger für die neue Saison. Die Lücke, die der Abgang von Ausnahmespieler Florian Wirtz hinterlassen hatte, sollte er zumindest in Teilen schließen – er erhielt obendrein dessen frühere Rückennummer 10. Eine Bürde, die bei einem derart kostspieligen Deal nicht zu unterschätzen ist. Entsprechend hoch fielen die Erwartungen aus.

Sieben Jahre hatte Tillman beim FC Bayern gespielt, überwiegend in der zweiten Mannschaft, ähnlich wie sein älterer Bruder Timothy (27). Auf dem Papier darf er sich Champions-League-Sieger 2020 nennen. Wie sich ein Titel tatsächlich anfühlt, so sagte es der Profi später selbst, habe er jedoch erst in den Niederlanden erfahren. Dort überzeugte Tillman mit konstanten Leistungen, die ihn schließlich auch in den Fokus von Bayer Leverkusen rückten. Die ersten Eindrücke beim neuen Arbeitgeber bestätigten dann offenbar den Anschein einer über Jahre vorangeschrittenen sportlichen Entwicklung.

„Malik hat brillante technische Fähigkeiten, das ist außergewöhnlich. Lucas Vázquez war nach wenigen Trainingseinheiten begeistert von ihm – und der dürfte sich wirklich auskennen. Aber Malik ist etwas introvertierter und braucht noch Anlauf“, urteilte Geschäftsführer Simon Rolfes zu Beginn der Saison. Bei Trainer Kasper Hjulmand klang das nicht weniger enthusiastisch: „Malik hat ungeheure Qualität, er ist ein großartiger Spieler und arbeitet jeden Tag daran, sein höchstes Level zu erreichen.“ Genau das gelang anfangs aber nicht wie gewünscht. Im Gegenteil: Immer wieder enttäuschte Tillman.

Anpassungsprobleme? Das sagte Tillman

Warum das so war, blieb lange offen. Malik Tillman näherte sich am Mittwoch nach dem Sieg gegen Villarreal zumindest vorsichtig einer möglichen Erklärung an. „Ich weiß es nicht“, sagte er zunächst – um dann doch einen Hinweis zu geben: „Ich habe das Gefühl, dass ich oft in den Räumen bin, aber diese Bälle nicht immer bekomme“, erklärte Tillman: „Ich will da nicht mit dem Finger auf jemanden zeigen. Wir sind ein Team. Ich kann mich nur anbieten – wenn ich den Ball bekomme, bekomme ich ihn. Und wenn nicht, dann eben nicht. Dann muss ich weitermachen.“

Dass Tillman von seinen Mitspielern hin und wieder bewusst übergangen wurde, erscheint eher unwahrscheinlich. Zwar wirkt sein Auftreten auf dem Platz, nicht zuletzt aufgrund seiner Körpersprache, in manchen Situationen passiv oder träge, doch dieser Eindruck täuscht. Tatsächlich verkörpert Tillman einen gänzlich anderen Charakter: zurückhaltend, leise, einer, der sich eher zu viele als zu wenige Gedanken macht. Oft ist er sein schärfster Kritiker. Und augenscheinlich einer, der eine besondere Form der Zuwendung benötigt.

Peter Bosz, unter dem Tillman in Eindhoven seinen bislang größten Entwicklungsschritt vollzog, sprach darüber bereits im Herbst nach dem Champions-League-Duell zwischen der PSV und der Werkself. „Ich weiß, dass er bei Bayer 04 einen schwierigen Start hatte“, sagte Bosz. „Aber ich habe den Leuten hier gesagt: Habt Geduld mit Malik, schenkt ihm Liebe und sprecht mit ihm. Denn dieser Junge kann so toll Fußball spielen.“ Das frühere Bayern-Talent stimmte seinem wohl wichtigsten Förderer kurze Zeit später zu.

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Leverkusen: Rolfes traut Tillman noch mehr zu

Dies sei ein „sehr guter Punkt“, bestätigte Tillman in einem Interview mit dem Kölner Stadt-Anzeiger und blickte auf seine Zeit in Eindhoven zurück: „Dort hat es auch seine Zeit gebraucht, bis ich der war, der ich jetzt bin. Ich habe am Anfang eher wenig gespielt und dann mit der Zeit, mit der entgegengebrachten Liebe, versucht, das alles durch Leistung zurückzugeben. Am Ende des Tages ist es ganz gut gelaufen. Ich glaube, Peter Bosz weiß schon, wovon er spricht.“ So scheint es, dass Bosz mit seiner Einschätzung wirklich Recht behalten könnte.

Im Rückblick wirkten die beiden jüngsten Begegnungen wie die ersten wirklich typischen Tillman-Spiele im Trikot der Werkself. Der Neuzugang ging mit frühem Pressing voran, übernahm Verantwortung als Ballverteiler und trat auch als Torschütze in Erscheinung. Sein zweiter Treffer gegen Villarreal sowie das Tor in Frankfurt – jeweils ein flacher Abschluss von der Strafraumgrenze ins untere Eck – waren Aktionen, wie man sie von ihm kannte. Allerdings bislang nur aus Eindhoven, nicht aus Leverkusen.

Die Leistungen blieben intern nicht unbeachtet. „Er ist ein Topspieler. Er hat eine super Technik, und er ist ein intelligenter Spieler“, lobte ihn Trainer Hjulmand umgehend. Sportdirektor Rolfes traut dem millionenschweren Wirtz-Nachfolger in naher Zukunft sogar noch weitere Steigerungen zu: „Er hat so viel Qualität und kann noch viel mehr zeigen. Da wird er immer besser werden.“ Gelingt das, dürfte auch Tillmans ausgeprägte Selbstkritik allmählich leiser werden.

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