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Für eine Tankstelle verzichtete er auf die WM

Der vergessene Meistertorhüter

Wenn es um Kölns Dominanz in der allerersten Saison der Fußball-Bundesliga geht, denken Fans an Namen wie Wolfgang Overath oder Karl-Heinz Thielen. Ein anderer wichtiger Akteur ist hingegen leicht in Vergessenheit geraten.
Torwart Fritz Ewert wurde mit dem 1. FC Köln in der ersten Bundesliga-Saison 1963/64 Deutscher Meister
Torwart Fritz Ewert wurde mit dem 1. FC Köln in der ersten Bundesliga-Saison 1963/64 Deutscher Meister
© IMAGO/Horstmüller
Wenn es um Kölns Dominanz in der allerersten Saison der Fußball-Bundesliga geht, denken Fans an Namen wie Wolfgang Overath oder Karl-Heinz Thielen. Ein anderer wichtiger Akteur ist hingegen leicht in Vergessenheit geraten.

Mit der Saison 1963/64 begann im deutschen Profifußball eine neue Ära. Am 9. Mai 1964 krönte sich der 1. FC Köln zum ersten Meister der eingleisigen Bundesliga.

Mittendrin damals: Bekannte Namen wie Wolfgang Overath, Hans Schäfer und Karl-Heinz Thielen. Doch einen mindestens ebenso großen Anteil am Titelgewinn der Kölner hatte auch ein anderer: Fritz Ewert. Der Torwart war in jener Spielzeit in 26 Spielen ein verlässlicher Rückhalt.

Heute vor 36 Jahren, am 16. März 1990, verstarb mit Ewert der erste Meistertorhüter der Fußball-Bundesliga.

Ein Düsseldorfer im Kölner Tor

Dass Ewert ausgerechnet mit dem FC Meister wurde, hatte eine gewisse Ironie: Der spätere Schlussmann wurde 1937 im rivalisierenden Düsseldorf geboren. 1957 wechselte er von der TuRU Düsseldorf in die Domstadt.

In seinem zweiten Jahr entwickelte sich Ewert zur unangefochtenen Nummer eins der Rheinländer. So stand er auch schon zwischen den Pfosten, als die Kölner 1962 – noch vor der Gründung der Bundesliga – zum ersten Mal Deutscher Meister wurden.

Vier Länderspiele für Deutschland

Zwischen 1959 und 1964 bestritt der Torhüter zudem vier Länderspiele für die deutsche Nationalmannschaft. Noch als Amateurspieler wurde Ewert im Mai 1957 von Bundestrainer Sepp Herberger erstmals in die U23-Auswahl berufen.

Sein Debüt im A-Nationalteam gab er am 21. Oktober 1959 in seiner sportlichen Heimat Köln beim 7:0-Sieg gegen die Niederlande. Drei weitere Einsätze folgten.

Zu mehr reichte es jedoch nicht, auch wegen der starken Konkurrenz im deutschen Tor. Mit Hans Tilkowski, Wolfgang Fahrian und später Sepp Maier standen dem Nationalteam mehrere herausragende Torhüter zur Verfügung.

Kurios: Einer möglichen Nominierung zur Weltmeisterschaft 1962 kam Ewert sogar selbst zuvor. Nach dem Titelgewinn im Mai hatte er sich mit dem Betrieb einer Tankstelle selbstständig gemacht und wollte in der Anfangszeit nicht abwesend sein, weshalb für ihn eine WM-Teilnahme nicht infrage kam.

Über Alkmaar zurück zum Jugendklub

Mitte der 1960er-Jahre verlor Ewert seinen Stammplatz im Tor der Kölner. Nach und nach wurde er vom jungen Toni Schumacher verdrängt, weshalb der erste Meisterkeeper der Bundesliga, der zwischen 1963 und 1966 insgesamt 45 Spiele im deutschen Oberhaus bestritt, ein neues Zuhause suchte.

Dieses fand Ewert zunächst in den Niederlanden. Doch nach nur einer Saison in Alkmaar kehrte er zur TuRU Düsseldorf zurück. Dort spielte er bis 1973, ehe er seine Laufbahn bei der SpVg Frechen 20 gemütlich ausklingen ließ.

Nach dem Ende seiner aktiven Zeit wurde es um Ewert deutlich stiller. 1990 starb der erste Meisterkeeper der Bundesliga im Alter von nur 53 Jahren.