Nicht jetzt im Abstiegskampf. Nicht vor dem wohl wichtigsten Spiel des Jahres, dem Derby gegen den 1. FC Köln. Ganz sicher auch nicht danach – und schon gleich gar nicht zum verhassten Dosenklub aus Leipzig. Die Vorwürfe gegen Fohlen-Eigengewächs Rocco Reitz sind vielfältig.
Reitz? Da tun sich mal wieder Abgründe auf - Kommentar
Da tun sich mal wieder Abgründe auf
Doch Fakt ist: Es gibt keinen richtigen Zeitpunkt für diesen Wechsel. Wer glaubt, die Stimmung wäre besser gewesen, hätte Reitz den Schritt zwei Wochen später verkündet, macht sich etwas vor. Und Leipzig bleibt für viele ohnehin ein rotes Tuch – egal wann.
Rocco Reitz wird sich für Gladbach zerreißen
Einige Anhänger fordern, er solle die Kapitänsbinde abgeben. Doch das ist weniger eine Lösung als ein Ventil für Frust.
Gerade jetzt braucht der Verein Spieler, die Verantwortung übernehmen und mit Leistung vorangehen. Und Reitz ist – trotz durchwachsener Saison – nach wie vor eine der heißesten Aktien der Fohlen. Alles, was man von ihm kennt, deutet darauf hin: Der wird sich jetzt erst recht zerreißen. Für seinen Klub. Für den Klassenerhalt.
Borussia Mönchengladbach ist auf Reitz angewiesen
Was hingegen gar nichts bringt – zu keinem Zeitpunkt: hasserfüllte Kommentare in sozialen Netzwerken. Da tun sich mal wieder Abgründe auf, die mit Fußball nichts mehr zu tun haben.
Wer glaubt, man motiviert einen Spieler so im Abstiegskampf, hat das Geschäft nicht verstanden. Gleiches gilt für die erwartbaren Protestplakate: Sie transportieren Emotionen, helfen sportlich aber exakt null. Diese Mannschaft ist auf die Qualität von Reitz angewiesen.
Wie lange hätte Reitz noch warten sollen?
Und ja, da war seine „Traumvorstellung“: „Für immer in Gladbach? Das würde ich definitiv unterschreiben“, sagte er einst im Kicker. Eineinhalb Jahre ist das her – im Fußball eine kleine Ewigkeit.
Karrieren entwickeln sich, Situationen verändern sich. Reitz hat enormes Potenzial, auch wenn er es in dieser Saison viel zu selten gezeigt hat. Natürlich will er international spielen. Natürlich will er den nächsten Schritt gehen. Die entscheidende Frage ist doch: Wie lange hätte er darauf in Gladbach noch warten sollen?
Reitz ist allerdings auch ein Beispiel von vielen: Für Romantik ist im Profifußball kein Platz mehr.
Der Reitz-Transfer hilft Gladbach
Am Ende müssen sich aber auch die träumerischsten Fans eingestehen: Sein Wechsel hilft dem Verein. Die Ablöse bringt dringend benötigten finanziellen Spielraum – Geld, das Borussia Mönchengladbach aktuell gut gebrauchen kann, um die eigene Zukunft zu gestalten.
Statt also ein Eigengewächs, das immer an diesem Verein hängen wird, öffentlich zu zerlegen, wäre ein Perspektivwechsel angebracht: Dankbarkeit für 17 Jahre. Verständnis für einen Karriereschritt. Und Unterstützung in den entscheidenden Wochen.
Denn eines ist sicher: Wenn Reitz jetzt untergeht, geht Gladbach im Zweifel mit. Und das kann sich nun wirklich keiner leisten.