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Bundesliga: Vom Hoffnungsträger zum Fragezeichen

Vom Hoffnungsträger zum Fragezeichen

Die Saison von Keke Topp endet in der Länderspielepause mit einem brutalen Rückschlag. Einst als Hoffnungträger verpflichtet, gelingt dem Stürmer nach einem furiosen Einstand nicht mehr viel.
Keke Topp wird Werder Bremen längere Zeit fehlen
Keke Topp wird Werder Bremen längere Zeit fehlen
© IMAGO/Nordphoto
Die Saison von Keke Topp endet in der Länderspielepause mit einem brutalen Rückschlag. Einst als Hoffnungträger verpflichtet, gelingt dem Stürmer nach einem furiosen Einstand nicht mehr viel.

Schlechter hätte diese Partie wohl kaum laufen können: Eine schwere Verletzung im internen Testspiel des SV Werder Bremen gegen die eigene U23 sorgte mitten in der Länderspielpause für das nächste bittere Kapitel in der Karriere eines verhinderten Hoffnungsträgers.

Bei einem unglücklichen Zweikampf riss sich Keke Topp das vordere Kreuzband im linken Knie. Sofort signalisierte der 22-Jährige, dass etwas nicht stimmte, er wurde vom medizinischen Personal behandelt.

Der Versuch, den Trainingsplatz eigenständig zu verlassen, scheiterte bereits nach wenigen Schritten. Die Bilder, die nichts Gutes erahnen ließen, führten letztlich zu einer Fahrt auf dem Golfcart.

Topp wartet auf den Durchbruch: „Wir dachten, dass Keke schon weiter ist“

Für Topp endet so eine persönliche Seuchensaison, in der es auch für Werder wenige Highlights gab, mit einem dramatischen Tiefpunkt. In der Bundesliga kam der Stürmer nur auf 629 Spielminuten bei 20 Einsätzen, davon lediglich sieben in der Startelf.

Der einzige Treffer? Ein Volley-Traumtor in letzter Minute beim wichtigen 1:1 gegen Borussia Mönchengladbach im Januar – die Szenen erinnerten an das große Versprechen, für das der Angreifer mal stand.

Doch auch im zweiten Jahr nach der Rückkehr zu seinem Jugendklub blieb der große Durchbruch im deutschen Oberhaus bisher aus – die gezeigten Leistungen unterstrichen vielmehr eine Fehleinschätzung, die sich mittlerweile auch die Werder-Bosse eingestanden haben.

„Eigentlich war es der Plan, dass Victor Boniface und Keke sich die Spielzeit im Sturm aufteilen. Das ist nicht aufgegangen“, gab Geschäftsführer Clemens Fritz im Doppelpass auf SPORT1 jüngst zu und erklärte: „Wir wollten insgesamt mehr auf junge Spieler setzen. Wir dachten, dass Keke schon weiter ist, da lagen wir aber falsch. Sein Potenzial sehen wir aber weiterhin.“

Das Potenzial des Hoffnungsträgers kostete den SVW im Sommer 2024 immerhin zwei Millionen Euro. Nur Samuel Mbangula (10 Millionen Euro) und Skelly Alvero (4,75 Millionen Euro) waren den Verantwortlichen in diesem Zeitraum mehr Geld wert.

Furioser Einstand im DFB-Pokal – danach folgte die Torflaute

An der Weser schlug Topp mit dem Empfehlungsschreiben von fünf Toren und zwei Vorlagen aus seiner ersten vollständigen Profisaison für Zweitligist FC Schalke 04 auf, wo er in der U19 gar 25 Tore in 38 Spielen erzielt hatte. Er wuchs zu einem der spannendsten Sturm-Talente in Deutschland heran und durfte auch in der U-Nationalmannschaft erfolgreich auf Torejagd gehen.

Ähnlich vielversprechend verlief sein Einstand in Bremen. In der ersten Runde des DFB-Pokals feierte Topp sein Werder-Debüt gegen Energie Cottbus und erzielte beim 3:1-Sieg alle drei Tore der Grün-Weißen. „Das ist schon ein schönes Gefühl. Wer weiß, wie oft ich sowas in meiner Karriere noch erleben werde, da ist es schön, sowas mitzunehmen“, zeigte sich der Mann des Abends damals glücklich.

Was damals freudige Worte waren, wirkt aus heutiger Sicht wie ein unheilvolles Omen – denn ähnliche Glücksgefühle waren dem Mann aus Bremervörde seitdem tatsächlich nicht mehr vergönnt.

Insgesamt konnte Topp die Torausbeute aus jenem Pokaltriumph in den folgenden 40 Pflichtspielen gerade einmal verdoppeln. Im November 2024 wurde der Youngster von einem Syndesmosebandriss für rund drei Monate ausgebremst. Nach seinem Comeback reichte es lediglich für einige Kurzeinsätze und ein Tor am letzten Spieltag der Saison.

Ein Aufwärtstrend wurde dadurch aber nicht eingeleitet. Stattdessen absolvierte er sogar zwei Spiele (zwei Tore) in der Regionalliga.

Zu häufig ließ Topp bei seinen wenigen Einsatzminuten hochkarätige Chancen aus. So auch beim Abstiegskracher gegen den 1. FC Heidenheim vor einigen Wochen. Frei auf dem Weg zum Tor hätte Topp für die Entscheidung sorgen können, setzte den Ball allerdings deutlich über den gegnerischen Kasten.

Werder-Talent verdrängt Topp aus der Startelf

Die Personalsorgen der Bremer verschafften dem Mittelstürmer in den vergangenen Spielen dennoch immer wieder Einsatzchancen – die weitgehend ungenutzt blieben. Sowohl gegen Union Berlin als auch gegen den 1. FSV Mainz 05 wurde Topp zur Halbzeit wieder ausgewechselt.

Gegen den VfL Wolfsburg blieb er sogar gänzlich außen vor. Stattdessen erhielt Top-Talent Salim Musah den Vorzug. Eine Entscheidung, die Trainer Daniel Thioune vor allem mit dem Tempo der Spieler begründete.

„Kekes Stärken sind ja bekannt. Er ist eher der Zielspieler, wenn man den Gegner tief in die Box drängt. Keke ist dabei mit einem ordentlichen Tempo gesegnet, aber sicherlich nicht mit dem höchsten Endtempo“, erklärte Thioune.

Bereits im Winter soll Topp einen Abgang nicht ausgeschlossen haben, um möglicherweise per Leihe wieder mehr Selbstvertrauen und Spielpraxis zu sammeln. Dieses Szenario dürfte nun auch mit Blick auf den kommenden Sommer in den Hintergrund rücken, zumal der verletzte Topp die gesamte Vorbereitung sowie den Saisonstart verpassen dürfte.

Bremen muss derweil im Abstiegskampf auf eine weitere Option verzichten. Besonders im Sturmzentrum fehlen derzeit die Optionen. Während Victor Boniface wohl nicht mehr zum Einsatz kommen wird, arbeitet Jovan Milosevic weiter an seinem Comeback.

Nachwuchsstürmer Musah ist damit vorerst der letzte gelernte Neuner im Kader der Bremer. Weitere Optionen für die Spitze sind Marco Grüll und Justin Njinmah, der die Position gegen Wolfsburg bespielte. Beide überzeugen eher durch ihr Umschaltspiel und Tempo.

Topp? „Man muss Geduld haben“

Nach 27 Spieltagen steht Werder auf Rang 14 der Tabelle und hat mit 28 Punkten vier Zähler Vorsprung auf den Relegationsplatz. Im Saisonendspurt ist nun auch Kreativität gefragt.

Egal, in welcher Liga der Klub in der kommenden Saison spielen wird, die Personalie Keke Topp dürfte intern intensiv diskutiert werden. Thioune mahnte nach dem Spiel gegen Union Berlin aber auch: „Mit jungen Spielern muss man Geduld haben, ihnen das Vertrauen geben und weiter mit ihnen arbeiten. Es bringt nichts, über das zu reden, was war, sondern über das, was kommt.“

Dieses Vertrauen wurde Topp (Vertrag bis 2028) vom Leiter der Lizenzspielerabteilung Peter Niemeyer auch für die kommenden Monate zugesichert. „Die Verletzung tut mir für Keke total leid. Wir werden ihn auf seinem langen Weg zurück bestmöglich unterstützen“, versicherte er und sprach von einem „herben Rückschlag“ für den Klub.