Das Polster ist beachtlich: Neun Spieltage vor Schluss liegt der BVB fünf Zähler vor dem ersten Verfolger TSG Hoffenheim und acht Punkte vor dem Viertplatzierten VfB Stuttgart. Die direkte Qualifikation für die Champions League – das große Ziel der Dortmunder – scheint damit in greifbarer Nähe. Der FC Bayern dagegen ist enteilt (elf Punkte Vorsprung), die Meisterschaft ist abgehakt.
BVB: Beweist Kovac jetzt Mut?
Muss Kovac es jetzt wagen?
Und der knappe 2:1-Sieg gegen den 1. FC Köln zeigte zudem: Ein Spannungsabfall ist nicht wegzudiskutieren. Schlägt nun die Stunde der hoffnungsvollen BVB-Juwele? Darüber diskutieren SPORT1-Reporter Manfred Sedlbauer und BVB-Reporter Oliver Müller in einer neuen Ausgabe des SPORT1-Podcasts „Die Dortmund-Woche“.
Denkt Kovac bei den BVB-Talenten um?
„Kovac galt und gilt nicht als Trainer, der unbedingt auf das Projekt Jugend setzt, sondern auf eine gewachsene Mannschaft mit Erfahrung“, erklärt Müller das Problem, weist jedoch auch auf ein mögliches Umdenken hin: „Es hat im Winter einige Gespräche gegeben, in denen ihm die Verantwortlichen klargemacht haben, dass die Durchlässigkeit in Zukunft wieder höher sein muss.“
Als Beispiel nennt der BVB-Reporter Filippo Mané, der aufgrund der Verletzungssorgen in der Defensive in die erste Reihe rückte und überzeugte – ehe er sich selbst verletzte und seitdem ausfällt.
Nur dann lässt Kovac die Juwele spielen
Für Sedlbauer wäre jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen, um den hoffnungsvollen Talenten Spielzeit zu ermöglichen: „Einsatzzeit ist für junge Spieler das A und O. Ich finde, Kovac könnte jetzt Mut beweisen und gezielt mehr einsetzen.“ Dennoch ist der SPORT1-Reporter überzeugt, dass Kovac stets den Erfolg absichern will.
Auch deshalb erwartet Sedlbauer nicht, dass gleich alle Youngster auf einmal zum Einsatz kommen. „Aber einen oder zwei kannst du schon mal ins kalte Wasser werfen.“ Als passende Kandidaten gelten Luca Reggiani, der bereits das Vertrauen von Kovac erhielt, Samuele Inacio, der gegen den FC Bayern sein Profidebüt feierte, sowie Mathis Albert.
Müller fordert: „Sie müssen sich im Training anbieten und zeigen, dass sie ernsthafte Optionen sind. Denn nur dann lässt sie Kovac auch spielen.“
BVB-Juwele als Wirtschaftsfaktor
Fakt ist: Für Borussia Dortmund wird das Vertrauen in junge Spieler auch in Zukunft ein maßgeblicher Faktor sein – nicht nur sportlich, sondern auch finanziell. „Es geht nicht nur darum, einen jungen Spieler zu entwickeln und dann mit großem Erlös zu verkaufen. Sondern auch darum, Gehälter einzusparen und damit einen Spielraum im Etat zu generieren“, erklärt Müller und nennt in diesem Zusammenhang Niklas Süle und Julian Brandt, die als Großverdiener schwer auf der Gehaltsliste lasten.
So oder so: Für Borussia Dortmund wird die Jugend immer von großer Bedeutung sein. Vielleicht ist gerade jetzt, im Saisonendspurt, der richtige Zeitpunkt, um verstärkt auf sie zu setzen.