Zuletzt ist es fast schon ruhig um ihn geworden! Karim Adeyemi rutschte bei Borussia Dortmund aus der ersten Elf. Vor der Partie gegen Augsburg durfte der 24-Jährige in fünf Partien nur einmal von Beginn an ran – beim 2:3 gegen den FC Bayern. Auch in den beiden Playoff-Spielen in der Champions League gegen Atalanta Bergamo kam er jeweils nur in den letzten 20 Minuten auf den Rasen.
BVB: Verkaufskandidat Nummer eins? Adeyemi am Scheideweg
Adeyemi am Scheideweg
Doch Adeyemi ließ sich nicht hängen, machte mit guten Trainingsleistungen auf sich aufmerksam und bekam wieder seine Chance: Gegen den FCA stand er erstmals in dieser Bundesligaspielzeit über 90 Minuten auf dem Feld – eine Belohnung für seine gezeigte Leistung und sein Engagement in den letzten Wochen.
Dennoch steht der Flügelflitzer beim BVB am Scheideweg. Darüber diskutieren BVB-Reporter Oliver Müller und SPORT1-Reporter Manfred Sedlbauer in einer neuen Ausgabe des SPORT1-Podcasts „Die Dortmund-Woche“.
Adeyemi überzeugt gegen den FC Augsburg in neuer Rolle
Adeyemi brachte den BVB mit seinem frühen Führungstreffer auf die Siegerstraße (13. Minute). Auch im Anschluss war der Offensivspieler am Samstagnachmittag kaum zu halten und hatte mehrere gute Möglichkeiten auf weitere Tore.
Die wohl sehenswerteste Chance nach doppelter Hacken-Vorlage von Maximilian Beier und Marcel Sabitzer klatschte aber nur ans Aluminium (33.). Fakt ist: Adeyemi blühte in der neuen Formation in einer Doppelspitze neben Maximilian Beier auf.
„Die beiden haben das richtig gut gemacht“, lobte Trainer Niko Kovac die Leistung der „big buddies“, die auch abseits des Platzes viel Zeit miteinander verbringen – auch an der Dartsscheibe konkurrieren die beiden.
Kovac lobt „Lieblingsschüler“ Adeyemi
Adeyemi kommt in dieser Spielzeit wettbewerbsübergreifend auf 35 Einsätze (neun Tore, fünf Vorlagen).
„Karim hat Ansprüche, wie jeder andere auch in der Mannschaft, auch von Beginn an zu spielen. Manchmal muss man als Trainer gewisse Methoden durchziehen, damit einer wirklich richtig Gas gibt. Und in dem Fall hat es geklappt. Für die nächste Woche hat er sich zumindest mal empfohlen“, so Kovac.
Für Müller ist Adeyemi Kovacs „Lieblingsschüler“: „In der Historie der BVB-Trainer ist Kovac sicherlich derjenige, dem es am besten gelingt, eine Gesprächsebene mit Adeyemi herzustellen. Mit kaum einem Spieler spricht er so viel wie mit Adeyemi“, erklärt Müller und weiter: „Er muss es aber auch, denn Adeyemi vergisst schnell, dass er auch die unangenehmen Dinge tun muss.“
BVB: Das ist das Problem bei Adeyemi
Und genau hier liegt das Problem: „Sein Engagement ist nach wie vor launig. In der Startphase der Saison war ich fast schon so weit zu sagen: ‚Adeyemi hats geschafft. Es hat Klick gemacht‘“, so Sedlbauer. Es wirkte, als könnte ihn nicht mal seine Mystery-Box-Affäre aus der Fassung bringen.
Kovac vertraute auch weiterhin auf den Angreifer, stärkte ihm den Rücken und behielt recht. Adeyemi brachte Leistung.
Doch Beier, der in den letzten Wochen eine stabile Form zeigt, lief ihm in den letzten Wochen den Rang ab. Aus den „big buddies“ wurden große Konkurrenten, mit einem klaren Sieger: Beier.
Adeyemi? „Dann würde er nicht beim BVB spielen“
Adeyemi hat schon häufig unter Beweis gestellt, dass er den Unterschied machen kann. „Wenn alles an ihm perfekt wäre und er immer dieses Engagement an den Tag legen würde, würde er bei PSG oder beim FC Chelsea spielen und nicht beim BVB“, ist sich Müller sicher.
Doch wie geht es nach der Saison für ihn weiter? Der Vertrag des gebürtigen Münchners läuft im Sommer 2027 aus. „Als der BVB schnellstmöglich mit ihm verlängern wollte, zögerte Adeyemi. Und aktuell ist das genau andersherum“, erklärte Sedlbauer und räumte der Verlängerung von Felix Nmecha (bis 2030) eine höhere Bedeutung ein.
Der SPORT1-Reporter zweifelt an einer langfristigen Zusammenarbeit: „Ich glaube nicht, dass die Verantwortlichen und auch Kovac das alles ewig mitmachen werden. Es wiederholt sich.“ Müller hält dagegen: „Es besteht die Hoffnung, dass das irgendwann nicht mehr nötig ist.“
Adeyemi Verkaufskandidat Nummer eins?
Für Sedlbauer spricht auch noch etwas anderes, wohl noch Entscheidenderes, für eine Trennung im Sommer: „Der bevorstehende und bereits eingeleitete Umbruch muss finanziert werden. Dank seines Marktwerts und seines Potenzials dürfte es einige Interessenten geben, die eine stattliche Summe für ihn auf den Tisch legen würden.“ Sedlbauer sieht diese Einnahmen als große Chance für den BVB.
Müller positioniert sich dagegen klar für eine Verlängerung mit Adeyemi.
Der elfmalige deutsche Nationalspieler (ein Tor, eine Vorlage) dürfte wohl auch am Donnerstag bei der Kadernominierung von Julian Nagelsmann für die zwei kommenden Testspiele eher das Nachsehen haben. Im Hinblick auf eine WM-Teilnahme ist dennoch alles offen – genauso wie seine Zukunft in Schwarz-Gelb.