Als Serge Gnabry am Samstagnachmittag gegen Union Berlin ausgewechselt wurde, lief er nicht quer über den Platz zur Bayern-Bank, sondern ging gleich auf der gegenüberliegenden Seite des Feldes – das geht schneller. Netter Nebeneffekt: Auf seinem Weg via Arena-Nordkurve konnte sich der 30-Jährige auf diese Weise ausgiebig von den Fans feiern lassen – und das zu Recht.
FC Bayern: Dieser Vorwurf ist vom Tisch
Davon spricht bei Gnabry niemand mehr
Seine Statistiken und Leistungen beeindrucken bereits seit Wochen und Monaten. Gegen die Berliner erzielte er zwei Treffer, gewann alle seine vier Zweikämpfe, dazu kamen 46 seiner 48 Pässe an. Eine Liste, die sich noch lange fortsetzen ließe. Kein Wunder, dass man im Klub von „Serginho“ (Zitat Harry Kane) in den höchsten Tönen spricht.
„Er ist ein ganz wichtiger Spieler für uns, nicht nur auf dem Platz, sondern auch in der Kabine. Ich bin froh darüber, was er heute geleistet hat“, sagte Trainer Vincent Kompany und sprach auf der Pressekonferenz nach dem Spiel zudem einen wichtigen Punkt an, der jedoch der Vergangenheit angehört: Die fehlende Konstanz des Nationalspielers.
FC Bayern: Gnabry lässt Kritiker verstummen
Der Coach hat aber auch dafür eine Erklärung parat: „Ich habe nur das Gefühl, dass er ein bisschen zu oft verletzt war. Deswegen hat er ein bisschen zu oft gefehlt. Das hat seine Konstanz ein bisschen runtergebracht.“ Ansonsten habe Gnabry aber fast die gleiche Qualität wie seine Offensivkollegen.
Gnabry lässt aktuell seine Kritiker verstummen. Einige hatten selbst nach seinen guten Leistungen im Herbst und Winter immer noch Zweifel an ihm. Spötter behaupteten sogar, sein Aufschwung hänge lediglich damit zusammen, dass der Flügelspieler um eine Vertragsverlängerung kämpfte.
Zur Erinnerung: Gnabry spielte lange auf Bewährung, ehe Anfang Februar sein Kontrakt bis Sommer 2028 verlängert wurde. Bislang folgte keine Delle, im Gegenteil: Der 30-Jährige legte noch eine Schippe drauf und gehört regelmäßig zu den Besten.
Dass er für den aktuellen DFB-Kader nominiert wurde, ist unumstritten – auch das war schon mal anders. Den Vorwurf, er spiele nur dann groß auf, wenn es um seine Zukunft geht, muss sich Gnabry jedenfalls nicht mehr gefallen lassen. Diese Diskussion ist vom Tisch.
Gnabry? „Zum Glück haben wir den verlängert“
„Serge… Wahnsinn! Zum Glück haben wir den verlängert“, sagte ein gut gelaunter Joshua Kimmich nach dem Spiel gegen Union und Bayerns Sportdirektor Christoph Freund ergänzte auf SPORT1-Nachfrage: „Fußballerisch gibt er der Mannschaft sehr viel, er ist immer torgefährlich, super Statistik immer. Er ist echt gut drauf. Es ist wichtig, dass er so fit bleibt, dann wird er ein ganz wichtiger Spieler für die nächsten zwei Monate.“
Es ist spürbar, dass das beherrschende Thema im Fall Gnabry immer wieder sein Verletzungspech ist. Vor zwei Jahren fehlte er wiederholt wegen Muskelverletzungen und schleppte die Nachwirkungen mit sich herum – in den Halbfinalspielen der Königsklasse gegen Real Madrid kam er beispielsweise nur auf insgesamt 37 Minuten.
Das soll sich gegen die Königlichen diesmal ändern, trotz des irren Konkurrenzkampfes in der bayerischen Offensive.
Gnabry lässt aktuell Taten statt Worte sprechen
Am Samstag verzichtete Gnabry auf große Interviews in der Mixed Zone. Auf Fragen von unabhängigen Medien hatte er zu diesem Zeitpunkt offenkundig keine Lust – dabei hätte er angesichts seiner Leistung nichts zu befürchten gehabt.
Lediglich mit dem Reporter der Klubmedien sprach er: „Ich bin in zwei Spielen nicht gestartet, deswegen habe ich wahrscheinlich sehr viel Energie gehabt. Ich wollte einfach ein gutes Spiel machen und bisschen was zeigen“, sagte er dort – nicht viel für einen, der nach der Partie als „Man of the Match“ ausgezeichnet worden war.
Als ihn SPORT1 im Vorbeigehen auf das große Lob von allen Seiten ansprach und wissen wollte, ob ihm die Vertragsverlängerung einen weiteren Schub verliehen habe, erklärte er immerhin: „Nein, definitiv nicht. Es ist alles beim Alten. Aber ich freue mich, hierzubleiben.“