Nach dem Abpfiff zwischen Bayer Leverkusen und dem FC Bayern am Samstagabend dauerte es lediglich eine gute Stunde, bis der Patron auftrat: Via Bild ließ Uli Hoeneß Dampf ab – und wie!
Der FC Bayern verbreitet Angst und Schrecken
Bayern verbreiten Angst und Schrecken
„Das ist die schlechteste Leistung eines Schiedsrichterteams, die ich je bei einem Bundesligaspiel erlebt habe“, polterte der 74-Jährige. Die Aussage mag etwas heißen, schließlich ist Hoeneß seit 1970 im Geschäft – eine halbe Ewigkeit, in der er schon einige Unparteiische erlebt hat.
Es sind nicht wirklich überraschende Töne, die da vom Tegernsee kommen. Der bayerische Ehrenpräsident ist seit Jahrzehnten dafür bekannt, dass er gerne attackiert und statt mit Kanonen gleich mit der Bazooka schießt – auch auf den DFB und die Referees. Aus München also nichts Neues.
Wenn der FC Bayern meckert, ändert sich vielleicht was
Unvergessen seine Attacke auf Hartmut Strampe im Jahr 2001. Dem Verband empfahl Hoeneß nach einem chaotischen Spiel in Dortmund, man möge den Schiedsrichter doch für einige Zeit „aus dem Verkehr ziehen“ – ein Spiel der Bayern solle er erst recht nicht mehr pfeifen dürfen. Und tatsächlich: Die Partie der Münchner gegen den BVB war Strampes letztes mit bayerischer Beteiligung.
Die Bayern wissen um ihre Macht und ihren Einfluss. Man sieht sich als Speerspitze der deutschen Klubs und hat offenkundig ein Motto: Wenn wir auftreten, kann sich wirklich etwas verändern. Nicht ohne Grund feuert man in voller Mannstärke.
Denn Jan-Christian Dreesen legte nach Hoeneß‘ Attacke nach: „Wir betrachten die Entwicklung der letzten Wochen mit Sorge. Die Leistung in Leverkusen war der Höhepunkt einer Phase, in der wir immer wieder mit fragwürdigen Entscheidungen konfrontiert waren“, sagte der Münchner CEO bei Sky und wittert eine grundsätzliche Benachteiligung seines Klubs.
Eberl bleibt versöhnlich
Präsident Herbert Hainer äußerte sich ähnlich. Obendrein legten die Bayern offiziell Protest gegen die Gelb-Rote Karte für Luis Díaz ein.
Auffällig: Als einziger Klub-Stratege äußerte sich Max Eberl fast schon versöhnlich. Zu einem Wutausbruch à la Hoeneß ließ sich der Sportvorstand direkt nach dem Spiel nicht hinreißen – dabei hätte er in der Mixed Zone die perfekte Gelegenheit dazu gehabt. Dort geht es traditionell am höchsten her – zumindest in den Zeiten, als der Patriarch noch selbst dort auftrat.
Gut möglich aber, dass es sich vor allem um Theaterdonner handelt, die Aussichten auf Erfolg sind nämlich gering – das dürfte selbst die Münchner Führungsriege wissen.
Bayern verbreitet Angst und Schrecken
Schiedsrichtersprecher Alex Feuerherdt feuerte bereits in der Abendzeitung süffisant Richtung Hoeneß zurück.
„Vielleicht hat es seine Meinung beeinflusst, dass die Mehrheit dieser spielrelevanten Entscheidungen gegen den FC Bayern getroffen wurde“, sagte er. Man sehe bei den Entscheidungen von Schiedsrichter Christian Dingert keine „skandalträchtigen Fehler“.
Der DFB dürfte leichtes Spiel haben, die Beschwerde von der Säbener Straße abzublocken. Ein Wort wird dafür genügen: Tatsachenentscheidung.
Aber vielleicht ist der Fall Díaz gar nicht der wahre Grund für den bayerischen Furor. Zur Methode würde es nämlich auch gehören, für die Zukunft vorzubauen und in der Schiedsrichtergilde wieder Angst und Schrecken zu verbreiten.
Ein Pfiff gegen den FCB soll einem Referee in Zukunft schwerfallen und Konsequenzen haben. Siehe Strampe. Sollte Dingert tatsächlich kein Bayern-Spiel mehr pfeifen, wäre der wahre Plan des Rekordmeisters also doch aufgegangen.