Borussia Dortmund hat dank einer starken Schlussphase einen Dämpfer in der Fußball-Bundesliga vermieden. Die lange schwach spielende Mannschaft von Trainer Niko Kovac erkämpfte gegen den Hamburger SV durch späte Treffer ein 3:2 (0:2) und festigte den zweiten Tabellenplatz.
Drei Elfmeter! BVB feiert spektakulären Comeback-Sieg
Drei Elfmeter! BVB mit Comeback-Sieg
Philip Otele (19.) und Albert Sambi Lokonga (38.) hatten den HSV vom ersten Sieg in Dortmund seit 2014 träumen lassen. Doch Ramy Bensebaini (73., Foulelfmeter und 84., Handelfmeter) sowie Serhou Guirassy (78.) trafen noch für den BVB. Zuvor hatte Felix Nmecha (45.) bereits einen Foulelfmeter neben das Tor geschossen. Für den HSV war es im Kampf um den Klassenerhalt ein Nackenschlag.
„Das ist schon sehr bitter“, ärgerte sich HSV-Spieler Miro Muheim bei Sky: „Mit der ersten Halbzeit können wir ganz zufrieden sein. Aber am Ende: Wenn du drei Elfmeter gegen dich kriegst, dann kannst du so ein Spiel eigentlich nicht gewinnen.“ Besonders bedient zeigte er sich über den von ihm unnötig verursachten Handelfmeter kurz vor dem 3:2-Siegtreffer des BVB: „Da darf ich meine Hände nicht so hochziehen. Dummer Fehler von mir. Wird nicht mehr passieren.“
„In der zweiten Halbzeit war die Wucht von Dortmund einfach zu groß und wir konnten der Wucht nicht mehr standhalten“, sagte HSV-Torhüter Daniel Heuer Fernandes: „Klar war da mehr drin, aber wir werden das auch richtig einordnen. Wir wissen, gegen wen wir heute gespielt haben und wo wir herkommen.“
Kovac nach BVB-Sieg deutlich: „Es war schlecht“
Trotz des Sieges war die Laune auch auf der Gegenseite nicht nur euphorisch. BVB-Trainer Kovac erklärte, dass ihn speziell die erste Halbzeit geärgert habe: „Es war deutlich. So wie, wir es in der ersten Halbzeit gemacht haben, war nicht gut. Es war schlecht. Ich denke, das hat jeder hier im Stadion gesehen.“
„Von Sternzeichen bin ich Waage. Also bin ich eigentlich sehr ausgeglichen. Nur wenn die Waage mal kippt, dann kippt sie“, sagte Kovac zu seinen deutlichen Worten in der Kabine.
Seine deutliche Kritik hätte er dabei an das ganze Team gerichtet: „Es war ja letzten Endes komplett keine gute Leistung. Da kann man keinen hervorheben, oder sagen, dass einer ein bisschen besser war, als der andere. Wir waren in der ersten Halbzeit nicht auf dem Platz.“
In der zweiten Halbzeit habe sein Team dann deutlich besser gespielt. Trotz der starken Leistung seiner Mannschaft ärgerte sich Kovac aber trotzdem, über den VAR.
„Es ist nicht ganz angenehm. Ich habe es mir abgewöhnt. Ich kann’s wirklich nicht. Man sieht ja auch: Ich kann mich nicht mehr so richtig freuen“, sagte Kovac: „Klar VAR ist wichtig, aber du weißt nie, ob wieder irgendeiner wieder den Finger hebt. Deswegen kannst du dich nicht wirklich freuen. Das geht erste, wenn er endgültig sagt, es war ein Tor. Aber dann ist schon alles vorbei. Der VAR ist zwar schön, aber für das Momentum ist es dann nicht mehr da.“
HSV in Halbzeit zwei ohne Strafraumaktion
Ganz anders war die Laune nach dem gedrehten Spiel bei Gregor Kobel: „Das war eine top zweite Hälfte von uns. Wirklich überragend von uns. Da können wir wirklich zufrieden sein.“
„Hälfte eins war nichts. Das muss man sagen. Deswegen lagen wir auch verdient 0:2 hinten“, bilanzierte Kobel: „Aber das ist mir nach dem Spiel egal, weil in der zweiten Halbzeit haben wir so guten Fußball gespielt. Drei Punkte sind drei Punkte. Das ist alles, was zählt.“
Für Kobel verlief die zweite Halbzeit komplett entspannt. Der HSV hatte im zweiten Durchgang keine einzige Aktion im gegnerischen Strafraum: „Ich habe zwar eher nur zugeguckt, wie die anderen Gas gegeben haben. Aber das hat trotzdem Spaß gemacht.“
Bundesliga: Dortmund lange schwach
Dortmund ließ sich vor allem in der ersten Hälfte auch von den Pfiffen seiner Fans nicht wachrütteln. Der BVB hatte sichtlich Probleme, die Spannung hochzuhalten. Im DFB-Pokal und der Champions League ist Dortmund bereits raus, und in der Bundesliga ist die Titelchance angesichts des sehr großen Rückstands auf den Rekordmeister aus München dahin. Dennoch hatte Kovac seine Mannschaft immer wieder in die Pflicht genommen, auch die letzten Spiele ernstzunehmen. Erst in der Schlussphase gelang das.
Das sah zunächst ganz anders aus. Zwar hätte der nicht für die Nationalmannschaft nominierte Maximilian Beier den BVB früh in Führung bringen können, er scheiterte jedoch nach einem schönen Solo an Daniel Heuer Fernandes (7.) im Tor des HSV. Und viel mehr hatte Dortmund im ersten Durchgang auch nicht zu bieten.
Daniel Svensson verlor den Ball als letzter Mann leichtfertig an William Mikelbrencis, dessen Hereingabe verwertete Otele. Der HSV hätte nachlegen können, Dortmund leistete sich ungewöhnlich viele Ballverluste und lud die Gäste förmlich ein. Es dauerte jedoch eine Weile, ehe Hamburg das nächste Geschenk annahm. Wieder hatte Dortmund den Ball kurz vor dem eigenen Strafraum verloren, diesmal durfte Lokonga jubeln. Dass Nmecha kurz vor der Pause einen Elfmeter vorbeischob, passte ins Bild, das der BVB abgab.
„Ich bin sehr selbstbewusst, dass ich die mache, aber heute hat es halt nicht funktioniert“, ärgerte sich Nmecha nach dem Spiel: „Natürlich will man nie ein Elfmeter verschießen. Aber ich habe mich im Spiel gut gefühlt. Ich habe nicht das Gefühl, dass wegen dieser Aktion mein ganzes Spiel tot war.“
BVB dreht nach der Pause auf
Kovac reagierte und nahm die schwachen Karim Adeyemi und Luca Reggiani vom Platz. Vorne sollte Serhou Guirassy für mehr Präsenz sorgen und als Anspielstation dienen, die erste Großchance nach der Pause vergab aber Nmecha (49.).
Dortmund bestimmte nun das Spiel und schnürte den HSV in dessen Hälfte ein. Doch die sehr aufmerksamen Hamburger fingen den Ball immer wieder ab und ließen wenige Großchancen zu.
Carney Chukwuemeka, der von Ralf Rangnick für die österreichische Nationalmannschaft nominiert wurde, und Fábio Silva kamen beim BVB ebenfalls ins Spiel. Zwingender wurde der Favorit erst in der Schlussphase – und drehte das Spiel noch.
— mit Sport-Informations-Dienst (SID)